1000 Seemeilen von Insel zu Insel

Herangereift war die Idee für den einwöchigen Törn an der Pariser Bootsmesse 2007. Um keine unnötige Zeit zu verlieren, sollte der Ausgangshafen in der Nähe einer TGV-Linie liegen. La Trinité-sur-Mer in der Bretagne war da geradezu ideal. Das beliebte Seglermekka garantiert eine gelungene Organisation und bietet dank seiner günstigen Lage eine grosse Auswahl an Segelrouten. Als nächstes musste ein Boot aufgetrieben werden. Es sollte ein Einrümpfer mit einer Länge von 40-45 Fuss sein, denn damit ist auch für eine fünfköpfige Crew für den nötigen Komfort gesorgt. Wer Wert auf Qualität legt, für den gilt die Faustregel: Bootslänge in Metern : 2 = maximale Anzahl Crewmitglieder.

Unter Berücksichtigung der genannten Kriterien fiel die Wahl auf die Jeanneau-Yacht SunFast 43, angeboten vom Charterunternehmen CFC Locations, das mehrere Eigneryachten verwaltet. Die gewählte Einheit wird regelmässig gesegelt und permanent unterhalten. Ausserdem ist die Ausstattung persönlicher als auf einem klassischen Charterboot.

Die Törnroute wurde akribisch vorbereitet. Sie musste in acht Tagen zu bewältigen sein und den künftigen Skippern eine Vielzahl verschiedener Situationen bieten, schliesslich sollten sie so viele Erfahrungen wie möglich sammeln. Nach langen Berechnungen und Überlegungen wurde beschlossen, die erste Etappe von La Trinité-sur-Mer zur Ile de Groix zu segeln. Dabei konnte sich das Team ans Meer gewöhnen und es blieb auch noch etwas Zeit, um die Insel zu erkunden. Danach wurde in der ersten nächtlichen Überfahrt La Rochelle angesteuert, wo das Team planmässig zum Frühstück einlief und den Anblick der beiden symbolischen Stadttürme im alten Hafen geniessen konnte. Im Lauf des Morgens ging es dann weiter nach La Flotte auf der Ile de Ré. Dazu mussten die Gezeiten genau berechnet werden, damit die Skipper die Schleuse auch sicher während der Öffnungszeiten erreichten und die Nacht im gefluteten Yachtbecken verbringen konnten. Am nächsten Tag stand die Ile-d’Yeu auf dem Programm. Das kleine Juwel an der Westküste ist eine der besterhaltenen bretonischen Inseln und bietet unzählige geschützte Ankerplätze, wovon einer schöner ist als der andere. Sie sind in dieser Jahreszeit nur spärlich besucht, so dass der Liegeplatz für die Nacht nach Lust und Laune ausgewählt werden kann. Auf der Rückfahrt in Richtung bretonische Küste wurde ein Zwischenstopp in Noirmoutier im tiefen Hafen Herbaudière eingeschaltet. Das Niedrigwasser am Tag erlaubte es der Sun Fast 43 aufgrund ihres grossen Tiefgangs nicht in den im Stadtzentrum gelegenen Hafen einzulaufen und dem wunderschönen Schloss aus dem 12. Jahrhundert gegenüber festzumachen.
Nach einem köstlichen Abendessen aus Meersfrüchten wurde beschlossen erneut in See zu stechen, obwohl es bereits 1 Uhr morgens war. Also wurden die Segeln für eine zweite Nachtfahrt, diesmal nach Belle-Ile, gesetzt. In der Nacht frischte der Wind auf; die Wachen hatten alle Hände voll zu tun. Nachdem das Team Noirmoutier in der Nacht unter Spi verlassen hatte, mussten die Segel bei Windstärke 5-6 und Spitzen bis 7 Bft. gerefft werden. Als sich die Umrisse von Hoëdic und Belle-Ile endlich aus dem Morgendunst schälten, machte sich Erleichterung breit.
Auf Belle-Ile stärkte sich die Crew für den vorletzten Segeltag mit einem üppigen Frühstück. Ziel war der Golf von Morbihan mit seinen 365 Inseln, einer der schönsten Flecken der bretonischen Küste. Ein technisch schwieriges Segelrevier mit vielen Tücken, zahlreichen Untiefen und sowohl bei Ebbe als auch bei Flut mit starken Strömungen. Die heimischen Fischer verlassen den Golf bei Ebbe und schonen dabei ihre Motoren, indem sie sich von den Strömungen treiben lassen. Bevor es wieder zurück nach La Trinité-sur-Mer ging, dümpelte das Team zwischen den unzähligen Inseln und liess die einzigartige Landschaft auf sich wirken.

Während des Törns konnte sich jeder konkret mit den in den Theoriekursen behandelten Situationen auseinandersetzen. Aus trockener Theorie wurde spannende Praxis, egal, ob es sich um das Setzen der Segel, Hafenmanöver, das Anlegen und Vertäuen, die Schleusenein- und ausfahrt oder das Festmachen zwischen zwei Landungsstegen ging.
Gesegelt wurde nicht nur mit modernen Bordinstrumenten, sondern auch mit traditionellen Techniken ohne Elektronik. Probleme gab es keine, die unterschiedlichen Wetterverhältnisse bereicherten die Erfahrung nur zusätzlich und ermöglichten es, das Gelernte umzusetzen. Die Wetterfee hatte ihr gesamtes Repertoire abgespult: von Sonne und Flaute bis Regen und Sturm, von böenartig auffrischendem Wind bis zu laustem Schwachwind. Ein ideales Revier also für alle, die mit dem Segeln auf See vertraut werden wollen. Michel Garland Tezec, der die fünf Segler unter seine Fittiche genommen hatte, sorgte dank seiner langjährigen Erfahrung für den reibungslosen Ablauf des Abenteuers. Das Internet war bei der Organisation eine wertvolle Hilfe; alle konnten die Vorbereitung mitverfolgen. Mit Ausnahme des Ausgangshafens wurde die Route je nach vor Ort gesammelten Informationen und Wetterprognosen im letzten Augenblick festgelegt. Diesmal ging die Fahrt in den Süden der Bretagne, doch der Gedanke, das Abenteuer nächstes Jahr um die Inseln im Norden und die Spitze der Bretagne zu wiederholen, hat sich bereits in den Köpfen der fünf Kandidaten auf den Hochseeausweis festgesetzt. Sie sind auch schon mitten in den Vorbereitungen.