Weltmeisterschaft der 8mR-Jachten auf dem Bodensee: Segeln wie die Könige

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Fotos: ©Tobias Störkle

Neue Weltmeisterin der 8mR-Jachten ist die Conquistador des Bregenzers Werner Deuring. Auch zwei erste Plätze der Yquem II von Jean Fabre (SNG) am letzten Tag konnten ihr den Sieg nicht mehr nehmen. Fabre musste sich mit einem Punkt Rückstand mit dem Titel „Vizeweltmeister“ begnügen.

Aguti_Classic_Cup_Sieger_685A3620_Foto-Jean-Marc-Delettre„Es wäre mehr als ein Wunder gewesen, wenn wir das noch gewonnen hätten“, gab Jean Fabre zu. „Wir sind trotzdem zufrieden. Bei mehr Wind sind wir besser, aber die schwierigen Winde am Bodensee haben wir zu spät verstanden.“ Beeindruckt war er vom Aufwand, den der ausrichtende Yacht Club Langenargen betrieben hat: „Auch wenn nur ein König dabei war, wir fühlten uns alle wie Könige“, strahlte Fabre nach der WM-Woche. 23 Mannschaften aus acht Nationen waren Anfang Juli am Bodensee am Start. Die weiteste Anreise hatte eine Crew aus Brasilien. Und der echte König – S. M. Harald V. von Norwegen – segelte auf Rang fünf.

Der Genfersee war mit vier Schiffen vertreten: Yquem II in der Gruppe „Modern“, Carron II und Catina VI in der Gruppe „Neptune“ sowie Taifun als Gaffelsegler in der Gruppe „First Rule“. Die Achter starteten zwar gemeinsam, wurden aber in verschiedenen Altersgruppen gewertet. Die Meter-Regel gibt es seit 1907; sie wurde 1919 und 1933 geändert und gilt seither unverändert.

Ein See mit vielen Gesichtern

An den sechs Regattatagen in der ersten Juli- Woche zeigte der Bodensee fast alle seine Gesichter – von Sonne bis Gewitter, von Flaute bis frischer Brise. Am ersten Tag empfing die Segler herrlichstes Sommerwetter; ein Schönwetter- Westwind ermöglichte drei Wettfahrten. Tags darauf gab es Gewitter mit Wolkenbruch und später Flaute. Am dritten Tag wechselten sich Sonne und dunkle Wolken ab. Dreimal wurde die Flotte auf den See geholt, dreimal unverrichteter Dinge wieder zurück in den Hafen geschickt. Wettfahrtleiter Rudi Magg setzte daraufhin die Startzeit für den nächsten Tag auf sieben Uhr morgens fest. Und siehe da, das frühe Aufstehen sollte sich lohnen. Bereits am Vormittag waren zwei Rennen gesegelt, die Mindestzahl an Wettfahrten für eine gültige Weltmeisterschaft war erfüllt.
Entspannt sah man nun dem vorletzten Tag entgegen. Beim Auslaufen setzte einmal mehr starker Regen ein und Westwind mit drei bis vier Beaufort sorgte für zwei anspruchsvolle, längere Wettfahrten. Am letzten Tag lachte wieder die Sonne. Für die Segler war es zunächst ein langes Warten auf dem See. Um 13.40 Uhr startete schliesslich bei südlichem Wind mit rund zwei Beauforts das achte Rennen. Mit einem Laufsieg verkürzte Jean Fabre den Abstand auf den führenden Werner Deuring und brachte kurz vor Schluss nochmals Spannung in die WM. Fünf Minuten vor dem letztmöglichen Starttermin wurden die Segler ein letztes Mal auf die Bahn geschickt. Mit dem neunten Rennen wurden die zehn geplanten Wettfahrten trotz Hochsommer fast erreicht. „Mehr kann man nicht erwarten“, betonte Rudi Magg.

Die Achter vom Genfersee

18_8mRWC_ClassicCup_0698_Tobias-Störkle-www.sailing-photographyÜber 20 Achter schwimmen auf dem Bodensee; sie bilden die grösste Flotte der Welt. Mit acht 8mR-Jachten, die Hälfte davon in der SNG, kann sich aber auch die von Fred Meyer repräsentierte Flotte vom Genfersee sehen lassen. Er segelte mit Catina VI auf Rang acht. Jean Fabres Achter sind nach der Schweizer Weinregion Yquem benannt. Seine erste Yquem hatte er Ernesto Bertarelli für Trainings geliehen, ehe dieser zum ersten Mal den America’s Cup gewann. 2007 wurde die Yquem I verkauft, Fabre erwarb dafür die 2002 gebaute Fleur de Lys und taufte sie natürlich um. Die Yquem II ist der einzige moderne Achter auf dem Genfersee. „Wir sind ein bisschen einsam“, bedauert Fabre. Einen Speed-Vergleich kann er so auf seinem Heimatrevier natürlich nicht fahren. „Der Achter ist ein Boot, auf dem man viel Kraft braucht. Und man braucht eine Crew, die sich gut auskennt, die Erfahrung hat“, so Fabre. Beim Training legt er den Schwerpunkt daher auf das Handling. „Ein schlechtes Manöver ist schwierig zu korrigieren“, erläutert Fabre. 75 m2 Grosssegel und 45 m2 Genua bringen die Yquem II (13,5 Meter lang, 2,6 Meter breit und 8,2 Tonnen schwer) in Fahrt. Der Spinnaker mit 140 m2 ist Fabre eigentlich zu klein. Da die Backstagen des Riggs aber nicht bis ans Mast-Topp gehen, wagt Fabre nicht, am Topp einen grösseren Spinnaker zu setzen.

Der Wind war das einzige Problem an der Weltmeisterschaft der 8mR-Jachten am Bodensee. „Der Wind wechselt ständig die Richtung und die Stärke. Verlässliche Hauptwindrichtungen wie der Genfersee hat der Bodensee kaum. Vor allem im Juli ist es sehr tricky“, so Fabre. Die Organisation bezeichnete er als sehr professionell, „das macht den Seglern das Leben einfacher“.
Für die Carron II mit Steuermann Angelo Mazarella wäre die WM vor der vierten Wettfahrt beinahe vorbei gewesen. Die Crew hatte in der Startphase die mit Wegerecht daherrauschende Conquistador übersehen und wurde auf Höhe des Cockpits gerammt. An Rumpf und Deck klaffte ein grosses Loch , der Balkweger war glatt durchschlagen. Die Crew hatte Tränen in den Augen, als das Boot in den Hafen geschleppt wurde. Doch ein Bootsbauer konnte den Schaden provisorisch reparieren und meldete den Havaristen drei Stunden später wieder segeltauglich. Tags darauf war die Crew wieder am Start, holte den siebten Schlussrang und den Sieg in der Gruppe „Neptun“. Die Taifun mit Serge Patry (SNG) wurde in der Gruppe „First Rule“ Zweite und im Gesamtklassement 17.

2019 wird die Weltmeisterschaft der 8mRJachten vom 20. bis 27. Juli in Cowes (Grossbritannien) von der Royal Yacht Squadron ausgerichtet.