Regatta oder Törn – warum wählen?

Träumen Sie von Abenteuern, von Begegnungen mit fremden Kulturen, von exotischen, scharf gewürzten Speisen in urigen Kneipen? Lieben Sie verrufene Spelunken, in denen man sich den gepanschten Punsch bis zum Morgengrauen bei dröhnendem Reggae zu Gemüte führt? Haben Sie Slocum, Janichon und Moitessier gelesen und möchten einmal so leben wie sie? Dann sind Sie hier falsch! Wenn Sie jedoch der Gedanke an einen ruhigen Strand mit einer Steelband, an Burger mit Pommes Frites, T-Bone-Steaks, Knoblauch-Langusten, Painkiller (Kokosnuss-Ananas-Rum-Cocktail) oder einen gut gekühlten Malbec reizt, dann sind die British Virgin Islands, kurz BVIs, genau richtig. Und wenn Sie dazu noch davon träumen, bei 15 bis 20 Knoten Wind zwischen zwei nur wenige Seemeilen auseinanderliegenden Inseln mit ausladenden Stränden unter der Sonne zu segeln und an sicheren Ankerplätzen festzumachen, finden Sie hier garantiert Ihr Glück.

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Die Jungferninseln und insbesondere der britische Teil eignen sich nicht für abenteuerhungrige Haudegen, sondern eher für Ferienreisende. Wenn man das weiss, wird man auch nicht enttäuscht und kann den Aufenthalt in vollen Zügen geniessen. Die Inselgruppe im Nordwesten der kleinen und im Osten der grossen Antillen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Paradies für Freizeitsegler. Kurze Distanzen von Insel zu Insel, genügend Ankerplätze, Sicherheit, unablässig wehende Passatwinde und Sonne im Überfluss sind nur ein paar Pluspunkte dieser ideal gelegenen Segeldestination für Cruiser, denen nur eine oder zwei Wochen zur Verfügung stehen. Der östlich gelegene britische Teil der Jungferninseln ist schon allein deshalb interessanter als der westliche amerikanische Teil, weil die Einreise- und Zollformalitäten wesentlich einfacher gehandhabt werden. Ein weiterer Vorteil für Fahrtensegler ist die quasi inexistente Kriminalität auf britischer Seite. Schon allein deshalb geben sie sich gerne damit zufrieden, die fünfzehn Inseln zu erkunden. Sie füllen einen einwöchigen Aufenthalt problemlos aus.

Viel Prominenz auf dem Wasser: Sogar Russell Coutts himself war anwesend! © Roland Fardeau

Ideales Regattarevier

Die 2005 von Russell Coutts lancierte RC44-Klasse hat ihre Saison nicht ohne Grund im malerischen North Sound von Virgin Gorda eröffnet.

Der Schweizer Serie Master Bertrand Favre und der Event Manager der RC44 Hubert Detra meisterten die logistische Herausforderung mit Bravour. © Roland Fardeau

Neun anstelle der üblicherweise vierzehn anwesenden Konkurrenten hatten sich zur Stelle gemeldet, um es bei strahlendem Sonnenschein miteinander aufzunehmen. Mit von der Partie waren zahlreiche Stars wie Russell Coutts, Ed Baird, Vasco Vascotto, Cameron Appleton oder Mathieu Richard.

Sämtliche Bootsbesitzer, die meisten aus der Finanz- und Energiebranche, äusserten sich positiv zu dieser Auftaktregatta. Er dränge darauf, so bald wie möglich wieder hierher zurückzukommen, sagte Chris Bake, der Eigner des Siegerteams Acqua. Törbjorn Törnqvist, der Besitzer der Artemis, meinte seinerseits: „Dieses Revier ist einfach fantastisch. Hier gibt es Sonne, Wind und aussergewöhnliche Segelbedingungen. Ich habe die Gelegenheit genutzt und meine ganze Familie anreisen lassen, um diese Gegend mit ihr gemeinsam zu geniessen. Andere Eigner und Teammitglieder haben es mir gleichgetan. Die BVIs sind ideal, um schöne Regatten und andere Freizeitaktivitäten zu kombinieren.“ Auch der an Bord der Nika segelnde Russell Coutts äusserte sich voller Lob über diese Segeldestination und bezeichnete sie als eine der besten, die je für den Circuit ausgewählt wurden.

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Die neun Konkurrenten traten tagtäglich von 11 bis 15 Uhr an jeweils vier Regatten pro Tag gegeneinander an. Eine Ausnahme machte der speziell für eine Langstreckenregatta und für Match Racing reservierte Tag.

Logistische Herausforderung

Für den Schweizer Serie Master Bertrand Favre war dieses Ereignis eine echte logistische Herausforderung. „Die RC44 müssen im Container transportiert werden und wir sind bestens darauf eingespielt“, erklärte er. „Der Zugang zu den Inseln ist allerdings schwieriger als zu jeder kontinentalen Destination. Der Handelshafen ist klein und auch beim veranstaltenden Club können keine Container beladen werden. Wir mussten deshalb einen Frachter mieten und die Teams waren gezwungen, sich den eng bemessenen Raum auf diesem Serviceschiff zu teilen. Verglichen mit anderen Events verursachte das Zusatzkosten von rund 20 Prozent. Das liegt aber durchaus im Rahmen, wenn man bedenkt, was uns geboten wurde.“

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Auch das Hotelangebot ist ziemlich beschränkt und zudem ungewöhnlich teuer. Die meisten Teams haben sich deshalb entschlossen, bei Moorings ein Segelboot als Wohndomizil zu mieten. „Dadurch herrschte eine Stimmung, wie wir sie noch nirgends erlebt hatten“, betonte Bertrand Favre. „Wir lebten in einer Art Dorf, in dem man sich ständig begegnet. Das hat wirklich gut funktioniert.“

Der in Sardinien bei der betuchten Kundschaft äusserst beliebte YCCS (Yacht Club Costa Smeralda), der die RC44 empfing, hat seine karibische Zweigniederlassung bestimmt nicht ohne Grund hier eingerichtet. Er hat sich mächtig ins Zeug gelegt, um die Erwartungen der an hohe Standards gewohnten Eigner zu erfüllen. Trotzdem herrschte die ganze Woche eine ungezwungene Stimmung. Shorts und Flip-Flops gehörten zur Kleiderordnung, ausser für das Clubpersonal natürlich.

Auch Event-Koordinator Hubert Detrey, der Bertrand Favre bei der Organisation der Regattatour zur Seite steht, äusserte sich erfreut über diesen aussergewöhnlichen Anlass: „Natürlich lief bei der Organisation nicht alles problemlos, aber die Zusammenarbeit und die Laune waren hervorragend, was selbst bei einfacher Logistik keine Selbstverständlichkeit ist. Betrachtet man das Ergebnis, kann man nicht anders als zufrieden sein. Alle wollen wiederkommen.“

Ein Muss für eine Törnwoche

Die Cracks der RC44-Klasse sind aber nicht die einzigen, die den Charme der BVIs schätzen. Fahrtensegler sind genauso begeistert. Die Inseln liegen nur 30 Flugminuten von St. Martin, Antigua oder Barbados entfernt, wo internationale Flüge nach Europa und in die USA angeboten werden. Den Seglern stehen mehr als tausend Charterboote zur Verfügung, wobei die Hälfte allein von Moorings und Sunsail stammen. Moorings besitzt hier die grösste und historisch gesehen die erste Charterniederlassung der Welt. Sie wurde von Charlie Carie im Jahr 1969 gegründet. Eine echte Erfolgsgeschichte, denn Charlie und seine Gattin haben mit ein paar wenigen Jachten angefangen, nachdem es sie bei einem Törn hierher verschlagen hatte. Später hat das Paar enge Geschäftsbeziehungen zu Bénéteau geknüpft und in kurzer Zeit eine Flotte von über sechzig Booten aufgebaut. Heute besteht die Hälfte der in erster Linie für die Amerikaner gedachten Moorings-Flotte aus Katamaranen. Bei der auf Franzosen zugeschnittenen Sunsail-Gesellschaft machen sie lediglich einen Drittel aus.

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Emanuel Allot, der am Virgin Gorda Cup anwesende Marketing- und Verkaufsdirektor für Südeuropa, sieht den Erfolg dieses Reviers als logische Konsequenz der Entwicklung des Segelchartergeschäfts: „Die Kundschaft ist die gleiche wie vor 30 Jahren, nur ist sie älter geworden. Früher waren die Segler Meilenfresser und legten in zwei Wochen problemlos 300 Meilen zurück. Deshalb wurden damals auch die Grenadinen bevorzugt. Heute suchen sie etwas anderes und finden es auf den BVIs. Die Amerikaner, die nur über sehr wenige Ferientage verfügen, sind ganz vernarrt in diesen Ort.“ Er stellt auch eine Zunahme der auf dem Archipel organisierten Firmenevents fest. „Es gibt ein paar unumgängliche Anlässe wie Ende April die BVI Spring Regatta. Bei dieser Gelegenheit sind sämtliche Einrümpfer ausgebucht. Firmen- oder Gruppenanlässe sind hier schnell organisiert und davon gibt es mehr und mehr. Dank der Infrastrukturen können tagsüber Regatten durchgeführt und abends so ziemlich überall Partys mit unterschiedlichem Standard veranstaltet werden, was anderswo nicht möglich ist.

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Emmanuel Allot freut sich über die Zusammenarbeit mit der RC44-Klasse. „Ich habe festgestellt, dass Freizeitsegler, Werften, Chartergesellschaften und Regatteure nicht viel miteinander kommunizieren. Bei diesem Event konnten Brücken geschlagen werden und das hat wirklich gut funktioniert. Viele RC44-Skipper haben nach der Regatta einen einwöchigen Törn auf einem unserer Charterboote angehängt. Wir haben unser Möglichstes getan, um die Bedürfnisse der Teams zu verstehen und konnten passende Angebote schnüren. Und ich glaube, dass alle das Richtige gefunden haben.“