Kroatien: paradies für Motorboote

Ein bisschen Korsika, ein bisschen Venedig… Die von der griechischen und römischen Kultur geprägte kroatische Küste im Süden von Split ist ein echtes Juwel. In diesem naturbelassenen Revier zwischen den Inseln Hvar, Brac und Vis haben wir an Bord eines Motorenkatamarans von Moorings eine unvergessliche Woche verbracht. 

Kroatien ist im Moment definitiv eines der beliebtesten Reiseziele. 300 Meilen Küste mit über tausend grossen und kleinen Inseln machen das Land zu einem idealen Revier für Bootsferien. Die Charterfirma Moorings betreibt dort zwei Niederlassungen, eine in Dubrovnik und eine 15 Kilometer von Split entfernt in Agana. Seit Kurzem besitzt sie neben ihrer Segelflotte auch zwei Motorkatamarane.

In Agana übergibt uns das freundliche Moorings-Team die 393 PC. Von hier aus haben wir die Wahl zwischen zwei Routen: eine in nördliche Richtung zum Kornati-Nationalpark und eine nach Süden zu den sechs grössten Inseln zwischen Split und Dubrovnik. Wir entscheiden uns für den Süden. Bevor wir aufbrechen, drängt sich ein Umweg über den am Hafenende gelegenen Supermarkt auf, damit wir für unsere Reise genügend Nahrung und Getränke bunkern können. Es wird Mittag, als wir Agana an diesem 29. April verlassen. Die Wettervorhersage verspricht für die kommende Woche recht gutes Wetter mit Sonne, wenig Wind – trotz sporadischer thermischer Brisen – und Temperaturen zwischen 20 und 22°C.

Auf den ersten Blick wirkt die grosszügig dimensionierte Moorings 393 PC respekteinflös-send. Sie erweist sich aber schnell als sehr einfach im Handling. Wir sind fünf Mann an Bord und jeder macht sich auf dieser ersten Etappe mit seinen Aufgaben vertraut. Die fällt relativ kurz aus, denn wir haben eine Mittagspause auf der acht Seemeilen entfernten Insel Drvenik Veli eingeplant.

Das Labyrinth an Inseln und Eilanden lässt befürchten, dass die Navigation in Kroatien kompliziert sein könnte, aber nichts dergleichen! Dank eines Kartenlesegeräts beim Steuerstand sowie einem Navigationsführer und detaillierten Seekarten erweist sich die Angelegenheit als überraschend einfach. Zudem können wir vollkommen gefahrlos der Küste entlangfahren, denn das Wasser ist hier sehr tief und die Jacht zu allem Überfluss mit einem Echolot ausgestattet. Auch die Bebakung ist auf den Karten gut sichtbar angegeben.

Wir legen in Krknjasi zwischen der Hauptinsel Drvenik Veli und zwei kleinen Inselchen an. Das Wasser ist sehr klar und der Ort ideal, um unseren ersten Nachmittag hier zu verbringen. Nach dem Mittagessen lassen die einen die von Moorings gestellten Kajaks zu Wasser, während die anderen im warmen Wasser baden. Der Tapetenwechsel und der verlassene Ankerplatz sorgen dafür, dass auch die Ferienstimmung nicht lange auf sich warten lässt. Am späten Nachmittag lichten wir den Anker und nehmen Kurs auf die Westküste der Insel Solta. Auf dem Weg dahin statten wir noch dem kleinen, in dieser Jahreszeit verlassenen Hafenstädtchen Maslinica einen Besuch ab.

Sesula ist ein langer, tiefer Meeresarm, in den wir auf der Suche nach einer Anlegestelle einfahren. Die Enge des Fjordes zwingt uns, den Anker zu werfen und rückwärts ein Stück an Land zu fahren. Die Gegend ist ruhig und sehr wild und wir verbringen einen schönen Abend gefolgt von einer ruhigen Nacht.

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MAGISCH: DAS DORF HVAR AUF DER GLEICHNAMIGEN INSEL

Wilde, naturbelassene Landschaften 

Am nächsten Morgen erwartet uns ein straffes Programm, denn wir wollen zur Insel Vis und die liegt rund 20 Seemeilen weiter südlich. Da sich unsere Geschwindigkeit gewöhnlich zwischen acht und neun Knoten bewegt, verlassen wir unseren Ankerplatz gegen 7.30 Uhr. Mit dem Autopiloten auf 180° und bei leichtem Gegenwind erreichen wir Vis und das gleichnamige Dorf an der Ostküste der Insel nach etwa drei Stunden.

Als wir uns der Küste nähern, frischt der von der hügeligen Landschaft zusätzlich beschleunigte Wind auf. Vis ist die grösste Insel Westkroatiens. Sie war während des Zweiten Weltkriegs Marinehauptstützpunkt des Widerstands und für Ausländer bis Ende der 1980er-Jahre verboten. Dies erklärt auch die wilde, sehr ursprüngliche und von Urbanisierung verschonte Landschaft.

Wir legen im Fährhafen an und machen uns auf, das reizvolle Dorf mit seinen typischen Häusern und seinen engen Gässchen zu erkunden. Am frühen Nachmittag nehmen wir Kurs in Richtung Komiza im Westen der Insel. Noch immer weht der Südwind, da wir der Nordküste der Insel entlangfahren, sind wir aber geschützt. Auf hohe Felswände folgen immer wieder kleine Buchten, denen wir aus lauter Neugier einen Besuch abstatten. Hier kommen uns die Vorteile eines Motorboots zugute, mit dem wir von Bucht zu Bucht gondeln, hier einen kleinen Steg mitten im Nirgendwo oder dort ein kleines Becken mit glasklarem Wasser entdecken. Und immer noch ist das Wasser in Küstennähe beinahe 40 Meter tief.

Nach dem Kap von Barjaci geht es weiter in südlicher Richtung. Jetzt bläst uns der Wind mit aller Kraft ins Gesicht. Während einer Seemeile herrscht ziemlich heftiger Wellengang. Plötzlich taucht in der Ferne das im Nordosten der gleichnamigen Bucht eingenistete Dorf Komiza auf. Nochmals sorgt der Venturi-Effekt für ein paar zusätzliche Knoten Wind. Das Meer ist hingegen völlig ruhig und das Abendlicht über dem von einem entzückenden kleinen Kloster bewachten Dorf hat etwas Übernatürliches. Komiza verfügt zwar über einen Landesteg mit rund zwanzig Bootsplätzen, aber wir machen an den vor dem Hafeneingang installierten und für rund 26 Euro mietbaren Ankerbojen fest und lassen unser Beiboot zu Wasser. Einmal an Land flanieren wir durch das hübsche Fischerdorf, das sich gemäss einer Legende rühmt, die Fischerei erfunden zu haben. Vom Kloster des Heiligen Nikolaus, das auf einem Hügel erbaut wurde, geniessen wir einen einmaligen Blick auf die Bucht von Komiza.

Auch der dritte Tag vergeht mit der Umrundung der Insel Vis. Zuvor statten wir aber der berühmten Blauen Grotte auf der weniger als fünf Seemeilen südlich von Komiza gelegenen Insel Bisevo einen Besuch ab. Die Grotte verdankt ihren Namen dem übernatürlichen Licht, das aus den Tiefen des Wassers emporzusteigen scheint, und kann für rund vier Euro pro Person besichtigt werden.

Die Südseite von Vis steht der Nordseite in puncto Schönheit und Ursprünglichkeit in nichts nach. Die Küste ist über und über von wunderschönen kleinen Buchten gesäumt, deren Wassertiefe ein Ankern allerdings unmöglich macht. Mittags unterbrechen wir unsere Fahrt im äus-sersten Südosten der Insel an den Bojen in der Nähe der kleinen Insel Budikovac. Klares Wasser, sandiger und flacher Untergrund… ein Traum! Übernachten wollen wir allerdings zehn Seemeilen weiter nördlich vor den Pakleni-Inseln, im Südwesten der grossen Insel Hvar.

Gegen Abend herrscht Windstille und ein magisches Licht. Die knappe Stunde Seefahrt, die uns erwartet, ist ein wahres Geschenk! Gegen 18 Uhr erreichen wir Vinogradisce, wo wir die Nacht bleiben wollen. Die Menschenmassen und die Restaurants im Buchtinnern veranlassen uns, eine ruhigere Anlegestelle zu suchen. Buchten gibt es zwar im Überfluss, aber noch immer ist das sichere Ankern aufgrund der enormen Wassertiefe ein grosses Problem. Schliesslich entscheiden wir uns für Tarsce, eine kleine, einsame Bucht, in der im Sommer wohl viel mehr los ist, wie uns ein kleiner mit dem Wort Taxi versehener Bootssteg verrät. Kein Wunder, denn wir sind nur wenige Meilen von Hvar, dem kroatischen St. Tropez, entfernt.

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DIE BLAUE GROTTE DER INSEL BISEVO

Ein bezaubernder Ort

Bei grauem Himmel, einer leichten Brise aus Südosten und sinkenden Temperaturen beginnen wir unseren vierten Tag. Wir entschliessen uns, ein kleines Stück der Südküste Hvars entlang zu schippern. Was sich vor unseren Augen auftut, muss bei Sonnenschein noch viel schöner sein. Gegen 16 Uhr wollen wir bei klarem Himmel und Sonnenschein in Hvar anlegen, um unsere erste und einzige Nacht in einem Hafen zuzubringen. Der Hafenmeister erklärt uns allerdings, dass alle Plätze belegt sind und verweist uns auf ein paar frei Ankerbojen am Westufer des Dorfes. Hvrar ist eine Pracht! Der venezianische Einfluss ist überall sichtbar und verleiht dem Örtchen einen unglaublichen Charme. Grosse Häuser mit weissen Fassaden, gepflasterte Plätze, alles ist gepflegt und strahlt so viel Atmosphäre aus, dass wir beschliessen, den Abend in der Stadt zu geniessen. Restaurants gibt es am Hafen mehr als genug. Wir entscheiden uns für das Kopo Kotana, das ein delikates Fischmenu zu einem hervorragenden Preis-Leistungs-Verhältnis verspricht.

Nach ein paar Besorgungen verlassen wir Hvar am nächsten Morgen. Unser Wasservorrat ist geschmolzen und da es am Pier keine freien Plätze gibt, können wir ihn nicht auffüllen. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als in der Marina Palmezana an der Nordküste der Pakleni- Inseln, direkt gegenüber Hvar, einen Zwischenhalt einzulegen. Danach geht es weiter nach Norden zur Insel Brac oder genauer nach Bol und zum Strand von Zlatni Rat. Der bildet eine lange Landzunge, die direkt aus dem Berg zu entspringen scheint und in kristallklares Wasser eintaucht.

Nachdem wir die 16 Seemeilen bei einem Rückenwind von drei bis vier Knoten zurückgelegt haben, erreichen wir unser Ziel gegen Mittag und gehen an der Ostseite der Sandstreifens in vier Meter tiefem Wasser vor Anker. Angesichts der zahlreichen Personen an Land und der vielen Surfer und Kitesurfer im Wasser scheint der Ort nicht nur populär, sondern auch sportlich interessant zu sein.

Vor unserer Rückkehr nach Agana wollen wir unsere letzte Nacht an Bord in Bobovisce, einer hübschen Anlegestelle auf der Südwestseite der Insel Brac, verbringen. Um dahin zu gelangen, fahren wir der Südküste entlang, an der die Weinhänge erst knapp vor dem Wasser enden. Die Landschaft unterscheidet sich von der in Vis oder Hvar und wir geniessen die Abwesenheit von Riesenbauten. Bobovisce ist eine am Ende zweigeteilte Bucht, deren eine Hälfte am Fuss eines kleinen, bezaubernden Dorfes ausläuft. Um diese Jahreszeit ist es verlassen, aber mit Ankerbojen an einem sicheren und windgeschützten Liegeplatz ausgestattet. Wir machen fest und gehen an Land, bevor wir den Abend an Bord ausklingen lassen.

Am nächsten Tag werden wir in Agana erwartet. Wir erlauben uns einen kleinen Umweg über Trogir, um nachzutanken und uns die zum UNESCO-Welterbe gehörende Stadt anzusehen. Verdattert stellen wir fest, dass die Tanksäulen samstags geschlossen sind. Laut Hafenmeister dürfen zudem nur Boote am Pier vor der Stadt anlegen, die über Nacht bleiben. Wir lösen das Problem, indem ein Teil unserer Besatzung mit dem Beiboot an Land fährt, um den mittelalterlichen Stadtkern zu besichtigen, während die anderen an Bord auf ihre Rückkehr warten. Die paar Meilen von Trogir nach Agana legen wir im Schein der untergehenden Sonne zurück. Dabei lassen wir die Woche und jede Einzelheit dieser Landschaft Revue passieren… und haben noch nicht einmal die Hälfte gesehen! Das verlangt nach einer Wiederholung.

Die praktischen Tipps mit Wetterbedingungen und Ankerplätzen finden Sie in der Rubrik „Törns“ auf www.skippers.tv.

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