Familientörn: Südsee-Sailbatical

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Photos : ©Rothacher

Ein mehrmonatiger Segeltörn ist eine interessante Alternative zu einer Weltumseglung, vor allem, wenn man sich dazu die reizvolle Südsee aussucht. Urs und Miriam Rothacher haben mit ihren drei kleinen Buben während neun Monaten eine Auszeit im Südpazifik genossen. Ein Outremer 5X bot der Familie nicht nur ein ideales Zuhause, er entpuppte sich auch als optimales Reisegefährt.

Die klassische europäische Weltumseglung startet im Mittelmeer. Man überquert den Atlantik, erholt sich in der Karibik, fährt später durch den Panamakanal und weiter zu den Marquesas. Dort beginnt, was die meisten Cruiser als das schönste Segelrevier beschreiben: die Südsee. Viele sind jedoch nach den ersten zwei Jahren, die diese Route in Anspruch nimmt, erschöpft, haben ihre zeitlichen oder finanziellen Ressourcen aufgebraucht und geben auf.

Schade, denn in der Südsee gibt es viel zu entdecken. Die Zürcher Familie Rothacher hat deshalb einen anderen Weg gewählt, der – mit ähnlichem Verlauf – unter Australiern und Neuseeländern sehr beliebt ist. Ihr Sailbatical begann im Oktober 2015 in Neukaledonien. Die geschützte Lagune mit unzähligen Inseln und Riffs war ein ideales Start- und Testrevier. Auf den Iles Loyauté und der Ile des Pins lernten Rothachers die lokale Kultur kennen und sahen wochenlang keine andere Segeljacht. Die Unterwasserwelt ist dank grossen Schutzgebieten und kleinem Populationsdruck in gutem Zustand. Hier kann man mit Schildkröten, Dugongs und Riffhaien schnorcheln und gelegentlich einen grossen Thunfisch fangen.

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Rundreise durch den Südpazifik

Im Dezember segelte die Familie weiter nach Australien, mit Zwischenhalten vor abgelegenen, geschützten und unberührten Riffen der Coral Sea. Januar und Februar nutzte sie, um entlang der australischen Ostküste nach Süden zu segeln und um abschliessend den Sydney Harbour zu erleben. Über die Tasman Sea ging es Ende Februar nach Neuseeland, zuerst im East Australian Current in rasanter Fahrt nach Süden, dann entlang des 38. Breitengrades begleitet von riesigen Albatrossen nach Osten und schlussendlich um die Nordinsel herum nach Opua in der Bay of Islands. Im März erkundeten die Rothachers an der neuseeländischen Nordostküste den Hauraki Golf, Auckland, Barrier und die Poor Knight Islands. Da weiter nördlich in Tonga, Fidschi, Vanuatu und Neu-kaledonien bis April potenziell gefährliche Zyklone drohen, blieb in Neuseeland noch etwas Zeit, bevor es auf Halbwindkurs bei erstarkenden Passatwinden nach Tonga im Norden ging, zurück in die warmen Gewässer der Südsee zum Schnorcheln, Tauchen, Surfen und um das Strandleben zu geniessen. Rothachers haben ihre Reise im letzten Juli nach neun Monaten in Fidschi beendet und sind in die Schweiz zurückgekehrt, wo Jobs, Schule, Familie und Freunde warteten.

Outremer X5, das ideale Boot

Für ihr Sailbatical haben Rothachers keine Jacht gechartert, sondern sich für einen Kauf entschieden. Das Boot sollte von einer kleinen Mannschaft gut bedienbar, geräumig, zweckmässig eingerichtet aber auch relativ schnell sein, um die jeweils rund 1000 Seemeilen Überfahrten in einem prognostizierbaren Wetterfenster zu absolvieren. Es war schnell klar, dass nur ein Katamaran in Frage kam. Mit einem Outremer 5X haben sie in Neukaledonien ein 59-Fuss-Boot gefunden, das all diesen Erwartungen entspricht. Der bisherige Eigner hatte dort seine Weltreise beendet. „Mit aufgefierten Schwertern fährt das Boot auch auf der Kreuz sensationell schnell“, sagt Miriam. Ihr Mann Urs ist nicht nur vom schicken Styling begeistert, er schwärmt auch von der intelligenten Konzeption und dem Raumangebot: „Auch im Innern verfügt der Outremer über ein smartes Designund alles folgt einem unmittelbar praktischen Nutzen und ist am richtigen Ort positioniert.“

Power mit drei Jungs

Neun Monate mit drei kleinen Jungs zwischen drei und sieben Jahren auf einem Boot zu leben, das scheint konfliktträchtig. „Natürlich gab es auch mal Stress, den habe ich zu Hause aber auch“, so die Mutter. „Wir hatten auf dem Vorschiff eine Art Klettergarten aufgebaut, wo die Buben herumtollen konnten. Wenn es dann mal gar nicht mehr ging und auch eine Kissenschlacht unter Deck nicht half, kamen die iPads zum Einsatz. Steve Jobs hat nach meiner Ansicht den Friedensnobelpreis verdient. Jedes Kind hatte sein eigens auf seine Bedürfnisse abgestimmtes Tablet mit Lern-Apps und Spielen und das hat für Ruhe gesorgt.“

Rothachers sind seit einigen Monaten wieder Zuhause in Thalwil. Ihr ältester Sohn ist jetzt in der dritten Primarklasse. Er hat den Anschluss in der Schule problemlos geschafft. Auch sonst zieht die Familie eine überaus positive Bilanz. Ihre Gründe, eine mehrmonatige Auszeit einer Weltumseglung vorzuziehen, überzeugen. Es gibt keine lange Passagen über die Ozeane, die ermüdend und für Kinder langweilig sind. Zudem kann man in der Heimat im sozialen Umfeld und im Beruf wieder viel besser Fuss fassen, als wenn man jahrelang weg war. Dass es nach neun Monaten reibungslos klappen kann, haben sie nach ihrem Sailbatical bewiesen.