Mit einem Einrümpfer von Alicante nach Ibiza, faszination Balearen

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Was wäre ein Mittelmeertörn ohne den Reiz einer Überfahrt? Von Alicante zu den Balearen zu segeln verspricht Abenteuerliches. 

Die fast 100 Seemeilen lange Überfahrt hält viele Überraschungen bereit. Nachts wühlt ein 25 Knoten starker Wind das Meer vor dem Hafen auf und die kurzen Wellen des Mittelmeers schlagen gegen den Rumpf. Die von den Wellenkämmen spritzende Gischt erzeugt einen salzigen Geschmack im Mund und trocknet die Haut aus. Die Nacht ist kurz und man gleitet nicht ohne Mühe in wohlverdiente und (ent)spannende Ferien. Erster Etappenhalt ist die Küste von Formentera, der kleinen und beschaulichen Schwester der turbulenten Partyhochburg Ibiza.

Formentera, die Bahamas des Mittelmeers 

Beim Anblick des flachen Felsens, der in der Ferne aus dem Wasser ragt, erhält man eine Vorstellung davon, wie arm die Bewohner dieser Insel waren, bevor der Tourismus in der Mitte des 20. Jahrhunderts Einzug hielt. Zunächst war Formentera ein Geheimtipp der Hippies und anderer Aussteiger, bevor VIPs die Insel populär machten. Ihre Tier- und Pflanzenwelt und die typisch mediterranen Landschaften haben seither unendlich viele Besucher überzeugt. Spätestens in der windgeschützten Cala Saona begreift man, was den Charme dieser kleinen, absolut einmaligen Mittelmeerinsel ausmacht. Über dem glasklaren, türkisfarben leuchtenden Wasser erheben sich kleine Felsen, die direkt ins Meer abfallen. Die Geschichte des Meeres und der Erde vermischen sich, je weiter man sich in die in Millionen von Jahren entstandenen Aushöhlungen vorwagt. Wenn Ihnen danach ist und Sie ein Mindestmass an Gleichgewichtssinn besitzen, erkunden Sie die kleinen Felshöhlen direkt bei der Ausfahrt der Cala mit einem Stand-up-Paddle.

Ein paar Kabellängen weiter befindet sich der bekannteste Ankerplatz der Insel. La Playa de Illetas ist DER Treffpunkt der Fahrtensegler. Man kann ihr das karibische Flair nicht absprechen. Wohl deshalb leben hier Tausende von Feriengästen ihren Traum von Exotik. Auf Hochglanz polierte Jachten liefern sich ein regelrechts Schaulaufen. Segel- und Motorboote der Extraklasse, die nur den dicksten Geldbörsen vorbehalten sind, machen sich den Rang des Schönsten, Grössten und Exklusivsten streitig. Bevor Sie zu einer der zahlreichen Bars und Clubs auf Formentera aufbrechen, gönnen Sie sich eine Mahlzeit im renommierten Restaurant Es Molí de Sal, wo sich der urlaubende Jetset ein Stelldichein gibt.

Auf nach Ibiza 

Die nächste Station ist San Antonio an der Westspitze von Ibiza. Die kleine Stadt und der Ankerplatz haben nicht viel Materielles zu bieten, dafür aber einen stimmungsvollen Sonnenuntergang. Pünktlich zur einsetzenden Dämmerung findet sich am Ufer eine riesige Menschenmenge ein und wartet geduldig, dass die Sonne am Horizont verschwindet. Wenn es soweit ist, wird das Naturschauspiel frenetisch beklatscht. Dabei handelt es sich aber keineswegs um einen örtlichen Brauch.

Die Leute sind einfach nur überwältigt. Was sich aber wirklich lohnt, ist die Fahrt nach San Antonio. Die Südwestspitze von Ibiza wird von zwei Felseninseln bewacht. Es Vedrà und Es Vedranell markieren die Einfahrt zu einem Naturschutzgebiet. Es umfasst mehrere kleine Inseln, Meeresabschnitte, Wasserfälle, Strände, Felder, Wälder und Gebirgszüge. Der imposante Fels Es Vedrà ist 413 Meter hoch und übt auf die Segler, die sich ihm nähern, eine schon fast mystische Anziehungskraft aus. Hier sollen Meerjungfrauen und andere Nymphen wohnen, die einst versucht haben Odysseus’ Schiff vom Kurs abzubringen. Solche Geschichten wecken natürlich die Neugier der Taucher. Ein Stopp, um die blaue Umgebung von Es Vedrà zu erkunden, drängt sich auf. Unter der Wasseroberfläche entdeckt man schwindelerregende Felsen und eine vor Leben strotzende Welt. Die Artenvielfalt ist gewaltig! Zurück auf dem Boot wagt sich der Skipper in ein Labyrinth aus erstaunlich geformten, schroffen Felseninseln vor. Wenn man auf die Wassertiefe achtet, kann man hier nach Lust und Laune herumfahren und mit etwas Glück sogar ein paar verspielte Delfine beobachten. Ibiza ist eben nicht nur eine Partyhochburg. Man muss sich nur die Mühe machen, die ausgetretenen Pfade zu verlassen.

Ein Glas Ibizkus gefällig? 

Der in der Segelszene sehr aktive Geschäftsmann Antonio Palma, CEO der Privatbank Mirabaud (Sponsor des Rennstalls Spindrift und der Bol d’Or), versucht sein Glück jetzt auch im Weinbau. Er hat sich vor zwölf Jahren in die Insel verliebt und begeisterte sich dann für den hier gekelterten kräftigen Wein, „dessen Qualitäten nur darauf gewartet haben, dass man sie ans Licht bringt“, erzählte er uns bei unserem Besuch in seinem Keller. Er, der sich zwischen zwei Verwaltungsratssitzungen gerne auf der Insel entspannt, wollte seine Zeit nicht damit verbringen, sich zu sonnen. Also hat er eine nützliche Tätigkeit gesucht und 2007 schliesslich den Betrieb Ibizkus übernommen. Der „Vino de la tierra Ibiza“ mit ausgeprägten mediterranen Eigenschaften erfreut sich auf dem europäischen Markt steigender Beliebtheit. Man findet ihn auf ganz Ibiza und mittlerweile sogar in der Schweiz, in Deutschland und in England. Der Banker hat es verstanden, die Qualität des Weines zu verbessern und ihm zum nötigen Ansehen zu verhelfen. Bei der Übernahme steckte das Weingut in Schwierigkeiten, heute produziert es 75’000 Flaschen pro Jahr. Und das ist erst der Anfang! Mit „Ibizkus“ führt Antonio Palma eine uralte Tradition fort, denn auf der Insel wurde bereits 2000 vor Christus Wein produziert. Weitere Informationen unter www.ibizkus.com 

Reise-Infos 

Organisation: 

Für massgeschneiderte Reisen und/oder Törns:

Voile Évasion, +41 76 378 56 04

fabienne@voile-evasion.ch 

www.voile-evasion.ch 

FERT Yachting, +41 22 730 47 81

yachting@fert.ch – www.fert.ch 

my charter, +41 44 300 35 35

info@mycharter.ch – www.mycharter.ch 

Restaurants 

Sol Cala Saona, +34 971 18 74 91

Ab 1. Mai geöffnet

Es Molí de Sal, +34 971 18 74 91

www.esmolidesal.es