Zwischen Dschungel und Ozean: Osa, die wilde Halbinsel

Im Südosten von Costa Rica bietet ein kleines Stück Land am Pazifischen Ozean Ruhe und Lebensfreude in allen Formen. In der unberührten Region leben jede Menge seltener Tiere und Pflanzen. Die Osa-Halbinsel ist einer der letzten Flecken tropischen Urwalds Zentralamerikas und an Artenreichtum kaum zu überbieten.

costa007Damit kein Missverständnis aufkommt: Costa Rica steht nicht bei allen Fahrtenseglern hoch im Kurs. Die vom Dschungel bedrängte Karibikküste ist regnerisch-feucht und wird oft von Stürmen heimgesucht. Keine idealen Voraussetzungen für einen Segeltörn also. Bleibt die windschwache Pazifikküste. Dort stellt sich ein anderes Problem. Da es neben einigen wenigen Fischerdörfern nur ein paar Luxusmarinas gibt, in denen der Liter Diesel zum Preis von Chanel N° 5 verkauft wird, gestaltet sich die Versorgung mit Lebensmitteln und Treibstoff schwierig. Trotzdem muss man diesen einzigartigen Küstenstreifen besucht haben. Spektakulär zerklüftet, durchsetzt mit üppigen Inseln, gesäumt von einsamen Stränden und verlockenden Wäldern bietet er ein unvergessliches Erlebnis. Ihren Höhepunkt erreicht die wilde Natur auf der Osa- Halbinsel, in dem am weitesten abgelegenen, nur ein paar Schläge von Panama entfernten Teil Costa Ricas. Nirgendwo sonst hat das Land seine Bezeichnung als „reiche Küste“ so verdient wie hier. In Costa Rica sind 5 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten der Erde zu Hause. Auf der knapp 1300 km2 kleinen Landzunge allein kommen schon über 2 Prozent vor! National Geographic nannte sie nicht ohne Grund „the most biologically intense place on Earth in terms of biodiversity“. Bis in die 1960er-Jahre entging die schwer zugängliche Region den Massenrodungen, dann wurde auch sie nicht mehr verschont. 1975 wurde der massiven Abholzung dann aber mit der Einrichtung des Corcovado-Nationalparks im westlichen Teil der Halbinsel endgültig der Riegel vorgeschoben.

Bananen als Bedrohung

costa042Die meisten Segelboote der Region machen in der Marina Golfito, in einer Einbuchtung des Golfo Dulce, Halt. Gut möglich, dass der süsse Name dieses tropischen Fjords mit der Geschichte der Banane zusammenhängt. In den 1920er-Jahren rodete der Amerikaner Minor Keith die Region, um die mit dem lokalen Klima gut verträgliche Chiquita anzubauen. Er machte Golfito zum Hauptquartier seiner United Fruit Company, die schon bald zu einem Imperium anwuchs und Costa Rica zum weltweit führenden Bananenexporteur machte. Das goldene Zeitalter der Bananen hielt einige Jahrzehnte an. In den 1980er-Jahren wurden sie dann Knall auf Fall von einem anderen Goldesel, den Ölpalmen, verdrängt. Um zu noch unberührten Küstenstreifen zu gelangen, wo die Natur das Sagen hat, muss man die Genua setzen, den ruhigen Golfo Dulce durchqueren und, sobald man die langgezogene Dünung des Pazifiks erreicht hat, der Osa-Halbinsel entlang bis zum Dorf Drake segeln. Dort lief der berühmte gleichnamige Korsar – von den Konquistadoren El Dragón genannt – im März 1579 auf. Gehen Sie unbedingt von Bord und tauchen Sie ein in den letzten Flecken tropischen Urwalds Zentralamerikas. Der Weg dorthin ist allerdings nicht ohne. Bis zur Sirena Ranger Station im Herzen des Parks fährt man zunächst zwei Stunden mit einem 4×4 über Schlaglöcher zum nördlichen Eingang des Corcovado-Nationalparks in Los Patos und geht dann noch sieben Stunden zu Fuss. Trotz der frühen Morgenstunden ist man schon bald völlig durchnässt. Der Schweiss rinnt in Strömen, die Finger tropfen vor Nässe und die Gelenke fühlen sich an, als wären sie mit zerlassener Butter gefüllt.

Orchester unterm Blätterdach

costa082Die meisten Segelboote der Region machen in der Marina Golfito, in einer Einbuchtung des Golfo Dulce, Halt. Gut möglich, dass der süsse Name dieses tropischen Fjords mit der Geschichte der Banane zusammenhängt. In den 1920er-Jahren rodete der Amerikaner Minor Keith die Region, um die mit dem lokalen Klima gut verträgliche Chiquita anzubauen. Er machte Golfito zum Hauptquartier seiner United Fruit Company, die schon bald zu einem Imperium anwuchs und Costa Rica zum weltweit führenden Bananenexporteur machte. Das goldene Zeitalter der Bananen hielt einige Jahrzehnte an. In den 1980er-Jahren wurden sie dann Knall auf Fall von einem anderen Goldesel, den Ölpalmen, verdrängt. Um zu noch unberührten Küstenstreifen zu gelangen, wo die Natur das Sagen hat, muss man die Genua setzen, den ruhigen Golfo Dulce durchqueren und, sobald man die langgezogene Dünung des Pazifiks erreicht hat, der Osa-Halbinsel entlang bis zum Dorf Drake segeln. Dort lief der berühmte gleichnamige Korsar – von den Konquistadoren El Dragón genannt – im März 1579 auf. Gehen Sie unbedingt von Bord und tauchen Sie ein in den letzten Flecken tropischen Urwalds Zentralamerikas. Der Weg dorthin ist allerdings nicht ohne. Bis zur Sirena Ranger Station im Herzen des Parks fährt man zunächst zwei Stunden mit einem 4×4 über Schlaglöcher zum nördlichen Eingang des Corcovado-Nationalparks in Los Patos und geht dann noch sieben Stunden zu Fuss. Trotz der frühen Morgenstunden ist man schon bald völlig durchnässt. Der Schweiss rinnt in Strömen, die Finger tropfen vor Nässe und die Gelenke fühlen sich an, als wären sie mit zerlassener Butter gefüllt.

Teuflischer Tauchspot

unglaubliche Artenvielfalt zu erfassen. Rund um die Sirena Ranger Station führen Rundwege durch den dichten Wald oder über Sandstrände, die von Treibholz und Einsiedlerkrebsen übersät sind. Bei jedem Spaziergang entdeckt man SANDSTRÄNDE, AN DER PAZIFIKKÜSTE VON COSTA RICA 27 skippers Segeln & Ozean T Ö R N Faultiere, Tapire, Nasenbären, Klammeraffen, Echsen in allen Farben und Schlangen in allen Grössen. Im Dorf Drake angekommen fragt man sich, ob sich dieser unglaubliche Tierreichtum im Wasser fortsetzt. Die 20 Kilometer vor der Küste gelegene Isla del Cano soll einige der schönsten Tauchspots Costa Ricas ihr Eigen nennen. Ein mysteriöses präkolumbisches Volk beerdigte dort seine Toten. Unser Tauchführer Wilson Cadavid, der seit rund zwölf Jahren hier lebt, beteuert, dass er in 12 Metern Tiefe auf eine jener riesigen Steinkugeln der Diquis-Kultur gestossen sei. Sie habe mehr als einen Meter Durchmesser gehabt. Heute wacht eine Handvoll Uniformierter über die zum Bioreservat erklärte Insel. Sie registrieren die Taucher und kontrollieren die Fischerboote. Auf der Insel herrscht Rauchverbot und es gibt keine Toiletten. Unterwasseraktivitäten sind nur im Norden und im Westen erlaubt, die anderen Gebiete werden von unzähligen Suppen- und Oliv-Bastardschildkröten bevölkert. Unseren ersten Tauchgang machen wir an einem Ort mit einem eher angsteinflössenden Namen: El Bajo del Diablo, die Niederung des Teufels. Hier sollen die Indianer, als sie sich in ihren Pirogen näherten, die Silhouette eines Dämonen gesehen haben. In Wahrheit war es nur ein argloser Mantarochen, dessen beidseits des Mauls hervorstehende Kopfflossen für zarte Gemüter wie zwei Teufelshörner aussehen mögen.

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Eindrucksvolles Fischgewitter

costa153Beim Abtauchen ist weit und breit kein einziger dieser Teufelchen zu sehen. Teuflisch ist allerdings eine Thermokline in rund 10 Metern Tiefe, die das klare, 25 °C warme Wasser in eine direkt aus dem Kühlschrank geholte Lauchsuppe von 19 °C verwandelt. Die Isla del Cano liegt ausser Reichweite der von den Flüssen herangeschwemmten Sedimente, wird aber manchmal von Planktonschwärmen heimgesucht. Das muss man in Kauf nehmen, wenn man dem Tanz der Schnapper- und Makrelenbänke beiwohnen möchte. Ein Gewitter aus Tausenden von Fischen geht über den Tauchern nieder. Sie stürzen in geräuschlosen Sturzbächen die Abhänge hinunter, wirbeln in Sandkesseln, bevor sie wieder ins Blau-Grün hochschiessen und kompakte, zitternde Wolken bilden, bereit, bei der nächsten Gelegenheit auseinanderzustieben. Teilnahmslos beenden einige Silberspitzenhaie ihren nächtlichen Schlaf. Sie aalen sich auf dem sandigen Meeresgrund, während Röhrenaale neugierig ihren Kopf in die Strömung strecken. Diese Riesenschwärme seien nichts im Vergleich zu den Unmengen an Schwarzfleck- Grunzern, die man bis vor fünf Jahren noch angetroffen habe, sagt Wilfred. Die Schuld sieht er bei den Hochseefischern, die deren grössten Feinde dezimiert haben. Rote Schnapper und Gelbschwanzmakrelen haben früher kranke Fische und Kleintiere gefressen und so die Population gesund gehalten. Von einigen grossen Fischen lassen die Fischer aber die Finger. Nomaden wie Grindwale und Kleine Schwertwale, die sich in diesen Gewässern zweimal im Jahr jeweils ein paar Tage die Bäuche vollschlagen, bevor sie wieder aufs offene Meer ziehen, oder Buckelwale, die etwas weiter nördlich im Marino-Ballena-Nationalpark ihre Jungen zur Welt bringen, bleiben unbehelligt. Beim zweiten Tauchgang begegnen wir einem anderen, eher sesshaften Riesen. Muränen schlängeln völlig ungehemmt ihren gelb gesprenkelten grünen Körper den Felsen entlang, als ein Schatten den Meeresgrund plötzlich in Dunkelheit taucht. Ein fünf Meter langer Walhai verdeckt die Sonne. Er verschlingt mit weit aufgerissenem Maul Planktonsuppe, während ein ganzer Schwarm Stachelmakrelen um ihn herumschwirrt. In den grünen Blätterdächern an Land und in den fruchtbaren Pazifikströmen unter der Meeresoberfläche pulsiert das Leben. Die Osa-Halbinsel stellt ihre vielfältige Pracht zu Schau. Ein Bild für die Ewigkeit.


REISE-INFOS

Der Südosten von Costa Rica ist die am schwersten zugängliche und am wenigsten entwickelte Region des Landes. Er birgt den schönsten Tropenwald der mittelamerikanischen Pazifikküste. Die naturbelassensten Orte findet man im Corcovado- Nationalpark auf der Osa-Halbinsel. Vor der Westküste, die vor den Strömungen des Pazifiks geschützt ist, leben viele Wale. Die Buckelwale finden sich dort zur Fortpflanzung ein. Bahia Drake mit seinem einsamen Strand und den Felsklippen bietet sich als Ausgangspunkt für Erkundungstouren an. Im Osten wartet der Corcovado-Nationalpark mit seiner reichen Tierwelt, im Westen, 20 Kilometer vor der Küste, die Isla del Cano mit ihren fischreichen Gewässern.

Beste Reisezeit

Von Oktober bis Anfang Dezember regnet es in Strömen und von einer Reise wird dringend abgeraten. Am trockensten ist es von Dezember bis April. Dann sind auch die meisten Mantarochen anzutreffen. Buckelwale bekommt man von Ende Dezember bis März (Population aus dem Norden) oder von Juli bis Oktober (Population aus dem Süden) zu Gesicht.

Wanderungen im Corcovado-Nationalpark

Obwohl die Region ziemlich flach ist, können Wanderungen aufgrund des feuchtheissen Klimas anstrengend sein. In den Corcovado-Nationalpark darf man nur mit einem Guide. Es gibt rund ein halbes Dutzend Wanderwege. Einer führt über einen Küstenpfad zwischen einsamen Stränden und dem Dschungel von Leona nach Sirena. Für die 16 Kilometer braucht man 6 bis 7 Stunden. Man sollte möglichst früh aufbrechen, um die heissen Stunden zu vermeiden. Ein anderer verbindet Sirena mit Los Patos. Er ist 19 Kilometer lang und auf 6 Kilometern leicht ansteigend. Rechnen Sie mit rund 7 Stunden. Dieser Weg führt am weitesten in den Wald hinein und eignet sich daher bestens für Tierbeobachtungen.

Tauchen im Naturschutzgebiet der Isla del Cano

Der unbestritten beste Tauchspot des costaricanischen Festlandes. Die Insel liegt 20 Kilometer (40-minütige Überfahrt) vor Drake. Club des Hotels Pirate Cove, 135 US$ pro Ausfahrt (2 Tauchgänge + Mittagessen im Hotelrestaurant), piratecovecostarica.com

Mit dem Segelboot

Für massgeschneiderte Reisen und/oder Törns: my charter, info@mycharter.ch, mycharter.ch, sailpro.ch, alain@sailpro.ch

Oder:

Costa Rica Travel & Fishing: Segeltörn um die Halbinsel auf einer 55-Fuss-Jacht, costaricatravelandfishing.com/sailing
Haiku Charters: Tagestörns im Golfo Dulce, haikucharters.com
Marina Golfito: bananabaymarinagolfito.com

Weitere Infos

Website des ICT (Instituto Costarricense de Turismo): www.visitcostarica.com Praktische Infos auf Deutsch: https://costarica.de/nationalparks-costa-rica