Expertengespräch Nr. 4: Jean-Luc Lévêque, Gründer von Europ’sails: Analyse der Segelform, Optimierung des Trimms

Der richtige Segeltrimm ist eine Frage des Gleichgewichts. Ein Boot muss quer- und längsschiffs im Gleichgewicht sein. Das erreicht man, indem man den Druck in den Segeln je nach Boots- und Ruderlage richtig dosiert. Jean-Luc Lévêque, Gründer von Europ’sails, erklärt, wie Segel richtig getrimmt werden.

Da es nicht möglich ist, eine allgemeingültige Trimmtabelle zu erstellen, beschränken wir uns hier darauf, Ihnen ein paar grundlegende Regeln mit auf den Weg zu geben. Beim Bootstrimm sind in erster Linie zwei Dinge zu beachten: • die Crew: ihr Gewicht, ihre Position und ihre Reaktionsschnelligkeit • der Zustand des Gewässers: Wellen auf Amwindkursen brauchen mehr Kraft als glattes Wasser.

Die verschiedenen Trimmelemente

Einleitend eine kurze Rekapitulation der verschiedenen Elemente, mit denen die Segel getrimmt werden können, und ihre Auswirkungen:

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Die Grundlagen des Segeltrimms

Jedes Boot ist einzigartig, ebenso unterschiedlich ist der Segeltrimm. Auf einer Psaros 33 zum Beispiel wird die Segelfläche bei vier Knoten Wind verkleinert, auf einer Surprise hingegen erst bei zehn Knoten. Worauf es ankommt, ist das richtige Gleichgewicht.

Gleichgewicht querschiffs

Es wird durch den Segeltrimm und die Position der Crewmitglieder sichergestellt. Wenn das Boot zu flach liegt, muss der Druck im Segel so weit wie möglich erhöht werden, und die Crewmitglieder müssen sich so auf die beiden Kanten verteilen, dass das Boot den richtigen Krängungswinkel bekommt. Ist die Krängung zu stark und kann die Crew das Boot nicht mehr ausreiten, muss der Druck im Segel reduziert werden, damit sich das Boot wieder aufrichtet und möglichst flach liegt. Gleichgewicht längsschiffs Ein Boot liegt angenehm am Ruder, wenn der Ruderdruck am Wind möglichst gering ist. Dann liegt es längsschiffs im Gleichgewicht. Ist das Boot schlaff luv- oder leegierig, muss der Druck in den Segeln angepasst und die Krängung kontrolliert werden. Bei einem leegierigen Boot wird der Druck vorne reduziert und hinten erhöht. Bei Luvgierigkeit verhält es sich genau umgekehrt. Dabei werden die Segel zunächst den Bedingungen entsprechend grob getrimmt und erst danach folgt der Feintrimm der einzelnen Segel (Vorsegel und danach Grosssegel).

Markierung und Speicherung der Daten

Jetzt, da Sie wissen, wie das Boot optimal getrimmt wird, sollten Sie sich die richtigen Einstellungen bei allen Windbedingungen einprägen. Dazu müssen alle Elemente, die den Trimm beeinflussen, abgestuft und notiert werden. Anhand dieser Angaben kann schliesslich ein Tuning Guide erstellt werden.

Beispiel für einen Tuning Guide

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Diese Tabelle sollte an Bord für alle Crewmitglieder gut sichtbar angebracht werden.

Bevor eine Strategie festgelegt wird, sollten Sie das Boot richtig beherrschen. Voraussetzung für einen optimalen Segeltrimm ist das richtige Zusammenspiel sämtlicher Einstellungen. Das heisst: Wenn ein Parameter verändert wird, müssen die anderen entsprechend angepasst werden. Wie in einem Orchester muss jedes Crewmitglied im richtigen Moment seinen Part spielen, damit das Boot optimal läuft.