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Galapagos: Zwischen Hölle und Paradies

Ein aus der Hölle entstandenes Paradies, ein Flecken Erde im ständigen Wandel, ein weltweit einzigartiger Ort, verloren in der Unendlichkeit des Pazifiks – eine Reise auf die Galapagos vergisst man ein Leben lang nicht mehr. Die „verzauberten Inseln“ haben die Menschen nicht zuletzt wegen Darwin zum Umdenken gezwungen. 

Die Galapagos sind eine Ansammlung aus 48 kleinen und grösseren Inseln mitten im Pazifik, 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors, dem es politisch zugeordnet ist. Die Inselgruppe entstand vor rund 4,5 Millionen Jahren und hat sich seither fortlaufend verändert. Grund dafür ist ihre Lage in der aktivsten vulkanischen Region der Welt. Die ältesten Inseln befinden sich im Osten. Sie sind stark erodiert und dem Untergang geweiht. Andere wurden erst vor knapp einer Million Jahren gebildet und weitere werden bald aus dem Ozean an die Oberfläche stossen.

Auf Darwins Spuren 

Bei unserer Ankunft geht alles sehr schnell. Unser Reiseführer Peter weist uns an, in einen Bus zu steigen, der uns zur Fähre nach Santa Cruz fährt. Die Überfahrt dauert nur fünf Minuten. Ein weiterer Bus bringt uns nach Puerto Ayora. Es ist heiss und feucht, der leichte Wind macht das tropische Klima aber erträglich. Auf Santa Cruz, eine der fünf bewohnten Galapagosinseln, leben rund 12’000 der insgesamt 20’000 Einwohner. 97 Prozent der Inselgruppe sind geschützt. Sie gehören zum Galapagos-Nationalpark, einem UNESCO-Welterbe. Nicht nur die Einwohner, sondern die ganze Welt hütet das kleine Paradies wie ihren Augapfel. Wir schauen uns im belebten Hafen um. Dort geht es äusserst betriebsam zu und her. Boutiquen, Cafés und Restaurants in knalligen Farben locken Unmengen Touristen an. Sie sitzen cocktailschlürfend oder sich an einem der typischen örtlichen Essen gütlich tuend auf den Terrassen, während die Einheimischen ihre Mannschaft an den täglich stattfindenden Volleyballspielen lautstark anfeuern. Ein paar Meter weiter preisen die Verkäufer auf dem Fischmarkt ihren Thon nicht weniger ohrenbetäubend an. Pelikane und Seelöwen stehlen ihnen vor den Augen der amüsierten Schaulustigen die Show. Des einen Freud, des anderen Leid. Für die Verkäufer sind die vorwitzigen Tiere nämlich eine Plage.

Höchste Zeit, im Hafen nach unserem Charterboot zu suchen. Der 22-Meter-Katamaran wird uns in den nächsten sechs Tagen auf unserem fabelhaften Abenteuer begleiten. Peter und unser Skipper begrüssen uns. Wir haben keine Zeit zu verlieren, denn wir werden in der Forschungsstation Charles Darwin und seinem Schildkrötenschutzzentrum erwartet. Der dort angelegte botanische Pfad führt uns in die Pflanzenwelt der Galapagosinseln ein. Er vermittelt uns viel Wissenswertes über rote, weis-se und Knopfmangroven, Riesenkakteen, verschiedene Obstbäume und viele andere Arten. Wir erfahren, wie die Vegetation Herrin über die Lavahölle werden und sich in den verschiedenen Höhenlagen diversifizieren konnte. Ausserdem lernen wir, dass die Inseln nach den heimischen Galapagosschildkröten benannt wurden und nicht umgekehrt. Die Riesenschildkröten waren früher wegen ihrem Fleisch sehr begehrt, sind heute aber geschützt.

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MEERECHSEN (AMBLYRHYNCHUS CRISTATUS) AN DER PUNTA ESPINOZA AUF FERNANDA ©Camille Moirenc

Lebensprägende Lava 

50 Seemeilen trennen Puerto Ayora von Puerto Villamil auf der Insel Isabela. Wir setzen nachts über. Das Meer färbt sich purpurrot und die bislang nur schemenhaft erkennbaren Boote nehmen in der feuchten Morgendämmerung langsam Konturen an. In der Zeit, in der wir das Beiboot fertig machen, hat der Pazifik schon wieder sein Gesicht gewechselt. Wir gleiten gemächlich zur kleinen Insel Tintoreras. Das Wasser ist so klar, dass wir das farbenfrohe Leben der Unterwasserwelt wie in einem Aquarium beobachten können. Um sieben Uhr morgens legen wir an der von üppigen Mangroven umgebenen tiefschwarzen Lavazunge an. In dem erstarrten Chaos zeichnet sich ein schmaler Pfad ab. So früh am Morgen sind wir die einzigen hier. Peter schweigt, damit wir den Ort auf uns wirken lassen und sich unsere Augen an das Durcheinander gewöhnen können. Plötzlich sehen wir sie! Mit gehobenem Kopf und langgestrecktem Körper stehen die schwarzen Geschöpfe auf den ebenso schwarzen Lavafelsen. Über ihren Rücken läuft ein gezackter Kamm und ihre Pfoten enden in langen, gekrümmten Krallen. Meerechsen sind eine endemische Art. Sie kommen nur auf den Galapagosinseln vor und sind weder scheu noch aggressiv. Die Tiere auf den Inseln sind daran gewöhnt, keine Feinde zu haben, und weichen deshalb auch nicht zurück, wenn man sich ihnen nähert. Um das empfindliche und weltweit einzigartige Gleichgewicht zu erhalten, ist es streng verboten sie zu berühren. In einem von Lava eingerahmten Wasserlauf entdecken wir eine Gruppe Rochen und einen Silberspitzenhai. Rote Klippenkrabben bevölkern die Felsen und ein Blaufusstölpel, übrigens ein begnadeter Taucher, mustert uns mit unerschütterlicher Ruhe.

Am Nachmittag wagen wir uns auf die Sierra Negra. Sie gipfelt auf einer Höhe von 1490 Metern und ist mit einer Grösse von 10 mal 9 Kilometern die zweitgrösste Caldera der Welt. Isabela, die grösste Galapagosinsel, ist aus sechs Vulkanen entstanden, die zu einer Kette zusammengewachsen sind und ihr die charakteristische Seepferdchenform verleihen. Ein kleiner lokaler Bus – ein sogenannter Chiva – bringt uns bis zum Ausgangspunkt des Spaziergangs. Nach einer Stunde Fussweg durch eine verblüffende Pflanzenwelt erreichen wir den Krater: ein riesiger Ozean aus schwarzer Lava, umgeben vom grünen Kessel des Vulkans.

Dieser Kontrast und diese Kraft der Natur, die an so unmöglichen Orten Leben erschaffen kann, treffen wir am nächsten Tag auch in Punta Morena, auf der anderen Seite der Südspitze der Insel, an. Diesmal machen wir vor einem riesigen Lavafeld fest und begeben uns unter der prallen Sonne auf eine eineinhalbstündige Wanderung durch die wilde Mondlandschaft. Eines Tages haben die Lavaströme ihren wahnsinnigen Lauf gestoppt und sind erkaltet. In den versteinerten Lavafeldern sind der Verlauf und die Narben der vulkanischen Geschichte noch immer abzulesen. Lavawirbel, aufgeworfene, in den Himmel ragende Plattformen und zu seilartigen Gebilden zusammengepresste Lavawellen erzählen viel über die Vergangenheit. Wenn man sich diese irdische Hölle genauer ansieht, entdeckt man ihre Schönheit und die Harmonie einer Erde, die lebt, spricht und handelt. Jede der erstarrten Lavabewegungen scheint diese Partition wiederzugeben. Man erkennt Senken und Brüche, in denen eine halbe Million Jahre nach ihrer Entstehung Kakteen und andere endemische Arten gedeihen. Ebenso verblüffend ist die Unterwasserwelt. Beim Schnorcheln erhält man einen Einblick in ihre Vielfalt. In Gesellschaft der Meeresschildkröten kann man das Hin und Her der Seepferdchen beobachten, die sich von der Strömung treiben lassen, und kleinen Pinguinen beim Schwimmen zusehen. Sie sind übrigens die einzigen, die in tropischen Breitengraden leben.

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KANADAREIHER (ARDEA HERODIAS) UND ROTE KLIPPENKRABBE (GRAPSUS GRAPSUS) IN
PUERTO EGAS AN DER JAMES BAY AUF SANTIAGO. © Camille Moirenc

Überall Leben und Harmonie 

In wenigen Stunden erreichen wir Isabela Bay. Mit dem Dinghi durchstreifen wir schweigend die nährenden Mangroven und das Leben, das sich in ihrem Dickicht abspielt. Auch hier entdecken wir Fantastisches. Meeresschildkröten strecken ihren Kopf aus dem Wasser, Rochen gleiten vorbei und Blaufusstölpel und Lavareiher warten geduldig auf etwas Fressbares. Auch die berühmten Galapagosscharben mit ihren zurückgebildeten Flügeln machen uns ihre Aufwartung. Sie sind ein weiteres eindrückliches Beispiel für die Anpassungsfähigkeit von Tieren und Pflanzen. Das Meer ist hier so fischreich, dass sie nicht fliegen müssen, um sich zu ernähren.

Bis nach Fernandina, der aktivsten und am wenigsten besuchten Galapagosinsel, sind es mit dem Boot sechs Stunden. Hier wächst kein Wald. Die Insel besteht aus einem Vulkan, der in schroffen, teilweise von Sand durchzogenen Küsten ausläuft. In Punta Espinoza gehen wir an Land. Auf dieser Landspitze aus Lava und Stränden räkelt sich eine Kolonie Seebären. Friedlich teilen sie sich den Lebensraum mit den Meerechsen. Wir können uns nicht sattsehen an diesem Naturwunder. Unsere Anwesenheit scheint sie nicht im Geringsten zu kümmern. Auch hier haben viele Vögel ihr gelobtes Land gefunden. Lavareiher, Braunmantel-Austernfischer und Blaufusstölpel stolzieren vor unseren Augen unschuldig auf und ab. Sie kommen so nahe, dass wir nicht einmal Ferngläser brauchen!

Nach der Überquerung des Bolivia-Kanals, durch den auch die Wale müssen, sind wir zurück auf Isabela, in der grünen Bucht Caleta Tagues. Unser Tauchgang vor diesem ehemaligen Piratennest bleibt unvergessen. Ein vorwitziger Seebär wollte uns zum Spielen auffordern. Danach geht unsere Reise weiter über Land nach Darwin. Unverhofft begegnen wir einer riesigen Landechse, bevor wir die wunderbare Sicht auf die Bucht geniessen.

Am Abend brechen wir zur ebenfalls unbewohnten Insel Santiago auf. Wir segeln auch diesmal nachts und müssen Isabela dabei nördlich umrunden, das heisst gleich zweimal den Äquator überqueren.

Am nächsten Morgen ankern wir in Espumilla Beach. Auf dem schönen, braunen Sandstrand sind noch deutlich die Spuren der Meeresschildkröten zu erkennen, die letzte Nacht hier ihre Eier abgelegt haben. Seebären, über die eine ganze Schar Pelikane hinwegzieht, spielen ausgelassen im Wasser. Wir sind die einzigen Menschen an diesem paradiesischen Ort. Auch das etwas weiter nördlich gelegene Puerto Egas, wo sich zwischen weissem Sandstrand und Lavalandschaft Meerechsen, rote Klippenkrabben und Seebären tummeln, ist menschenleer.

Nach Puerto Baquerizo Moreno, unserem letzten Etappenhalt, segeln wir erneut nachts. Im Hauptort der Insel San Cristobal können wir uns wieder an die Zivilisation gewöhnen und dürfen die unglaubliche Tierwelt der Galapagos ein letztes Mal miterleben. In der Dämmerung werden wir Zeugen, wie eine ganze Horde Seebären den Strand in Beschlag nimmt. Unter kaum vorstellbarem Lärm wachen die Männchen über ihre Gruppe, während die Kleinen verzweifelt nach ihren Müttern suchen, um ihren Hunger zu stillen. Die Luft duftet nach Milch und vor unseren Augen spielt sich einmal mehr das Wunder der Natur ab.

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GALAPAGOS-BRAUNPELIKAN (PELECANUS OCCIDENTALIS URINATOR) AUF DEM FISCHMARKT IN PUERTO AYORA AUF SANTA CRUZ. ©Camille Moirenc

REISE-INFOS

Sprache: Spanisch

Währung: amerikanischer Dollar

Gesundheit: keine obligatorischen Impfungen

Zeitverschiebung: 7 Stunden im Winter,

8 Stunden im Sommer

Strom: 110 V wie in den USA. Es wird ein Adapter benötigt.

Beste Reisezeit: 

Auf den Galapagosinseln gibt es zwei Jahreszeiten. In der warmen Jahreszeit von Dezember bis Mai ist es angenehm warm, aber feucht und es regnet häufig. Die Lufttemperatur beträgt bis zu 30 °C, die Wassertemperatur strömungsabhängig zwischen 22 °C und 30 °C. In der Trockenzeit von Juni bis Dezember schwankt die Lufttemperatur zwischen 22 °C und 26 °C und die Wassertemperatur liegt aufgrund von kalten Strömungen bei 16 °C bis 20 °C. Zum Baden werden dann Neoprenanzüge empfohlen.

Organisation: 

Massgeschneiderte Reisen und/oder Törns:

FERT Yachting

+41 22 730 47 81

yachting@fert.ch

www.fert.ch 

my charter:

+41 44 300 35 35

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