Giorgio Bernasconi

Mit dem Bretonen Gildas Morvan am Steuer des 40-Fuss-Einrumpfbootes gehen am 29. Oktober zwei Schweizer Unternehmen an den Start der Route du Rhum.

Die 40-Fuss-Einrümpfer sind nicht nur einiges kostengünstiger als ihre mehrkufigen Vettern, die IMOCA Open 60s, sondern sorgen auch regelmässig für Schlagzeilen. An der diesjährigen Route du Rhum werden rund zwanzig Monohulls erwartet. Erstmals mit dabei sind auch zwei Schweizer Sponsoren. Oyster Funds und Rhône Gestion haben sich bei der Projektwahl ganz auf das Urteilsvermögen von Projektmanager und Segelfan Giorgio Bernasconi verlassen. Die Pogo 40 Oyster Funds wird mit dem bretonischen Skipper Gildas Morvan Kurs auf Pointe-à-Pitre nehmen. Morvan verdiente sich seine Sporen im Trainingszentrum von Michel Desjoyeaux in Port-la-Forêt und verfügt über eine solide Erfahrung bei den Figaristi. Die beiden Männer haben uns in Genf Anfang Sommer einen Einblick in ihr Projekt gewährt.

Wie haben Sie sich kennen gelernt?
Gildas Morvan : Ich kenne Christian Bouroullec gut. Er ist Chef der Schiffswerft Structures im bretonischen Combrit. Nach der letztjährigen Einhandregatta Saint-Nazaire/Kuba (Figaro) habe ich ihn gefragt, ob er schon von der Partnerschaftsmöglichkeit in der 40-Fuss-Klasse gehört habe. Er erzählte mir von Giorgio. Also habe ich ihn angerufen und wir haben uns sofort verstanden.

Giorgio Bernasconi : Christian hat die Pogo 1 und 2 und mehrere Minis 6,50 konstruiert. Ich kenne ihn gut und mag die einfachen, soliden Boote, die er baut.

Welche Bedeutung hat für Sie die Route du Rhum?
Gildas Morvan : Sie ist ein Kindertraum. Ich habe beim Sieg der Olympus im Jahr 1978 und dem von Philippe Poupon im Jahr 1988 mitgefiebert. Bei den Franzosen ist die Route du Rhum die Hochseeregatta schlechthin. Sie ist auch für mich etwas ganz Besonderes.

Und warum segeln Sie die Route du Rhum auf einer Pogo 40?
Gildas Morvan : Die Budgets der IMOCA sind in die Höhe geschnellt. Mit dem Aufkommen der neuen Generation wird das Spiel etwas verfälscht. Ich wollte nicht mit einem in letzter Minute zusammengebastelten Boot an den Start gehen und eine Überquerung auf einem Multi schien mir etwas zu riskant. Ich war ebenso wenig daran interessiert, die Route du Rhum auf einem Hightech-Boot, aber ohne Konkurrenz zu bestreiten. Die 20 Konkurrenten in der Class 40’ versprechen ein spannendes Rennen!

Giorgio Bernasconi : Die Route du Rhum ist das erste grosse Hochseerennen der 40-Fuss-Klasse. Dort werden auch die grundlegenden Zukunftsentscheide getroffen. Dass die erste Regatta auf die Route du Rhum fällt, ist aber auch ein Zufall des Kalenders. Wenn die Class 40’ vor der Jacques Vabre fertig gewesen wären, wäre die Feuertaufe auf diese Regatta gefallen.

Wie sehen Ihre Ziele aus?
Gildas Morvan : Mit Prognosen bin ich vorsichtig. Sagen wir mal ein Podestplatz. Es stehen noch zu viele Fragen in Bezug auf das Rennen offen. So werden beispielsweise viele verschiedene Yachten am Start sein. Bisher kam es noch zu keinem ernst zu nehmenden Vergleich. Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das Wetter. Man kann nie wissen… Ich bleibe deshalb lieber auf dem Boden, hoffe aber, dass die erste 40-Fuss-Yacht direkt hinter die drei ersten IMOCA fahren wird.

Giorgio Bernasconi : Ich bin der Meinung, dass es sinnlos ist, sich ohne seriöses Ziel in eine Route du Rhum zu stürzen. Eine grosse Unbekannte ist und bleibt die Klasse. Wir verfügen über keine zuverlässigen Anhaltspunkte und wissen weder, welche Yacht am schnellsten ist, noch wie sich die 40-Füsser im Vergleich zu den anderen Klassen verhalten.

Eine Pogo 40 kostet 180’000 Euro. Wie gross ist Ihr Budget für die Teilnahme an der Route du Rhum?
Gildas Morvan : Eine 60-Fuss-Yacht kostet an die 2 Millionen Euro. Die Class 40 steht in keinem Vergleich dazu, weder finanziell noch in Bezug auf den personellen Aufwand.

Giorgio Bernasconi : Das Gesamtbudget inklusive Segel, Elektronik, Versicherung und Überführung beträgt knapp 85’000 Euro. Damit sind wir weit von den grössten Budgets der Route du Rhum entfernt. Wir haben alle den Gürtel enger geschnallt. Die Amortisation des Bootes ist dabei nicht inbegriffen. Sie entspricht etwa dem Budget eines Prototypen der Mini 6,50 Klasse. Das ist durchaus vernünftig.

A propos Personalaufwand, wo liegen die Unterschiede zwischen einer 40-Fuss-Yacht und einer Figaro?
Gildas Morvan : Die 40-Fuss-Yacht ist zwei Meter länger und deshalb auch kräfteaufwändiger zu segeln. Im Handling ist sie eher mit einer IMOCA Open 60 vergleichbar als mit einer Figaro. Das gilt besonders an der Route du Rhum!

Wie bereiten Sie sich darauf vor?
Gildas Morvan : Ich habe den ganzen Winter für die Figaro-Regatta trainiert. Sogar Desjoyeaux stuft die Figaro härter ein als die Rhum. Ausserdem arbeite ich mit einem mentalen Coach und einer Ernährungsberaterin.

Giorgio, haben Sie sich für Gildas entschieden, weil seine Organisation stark „Port-la-Forêt“ angehaucht ist?
Giorgio Bernasconi : Gildas’ Lebenslauf ist eindrücklich. Und er ist begabt. Ausserdem kommt er bei den Medien gut an, ist gross und kräftig. Er segelt das ganze Jahr bei den Figaristi. Das ist bei einem Projekt wie dem unseren sehr wichtig.