Grant Simmer

“Wir müssen ab der ersten America’s-Cup- Regatta auf alles gefasst sein und dürfen uns nicht ablenken lassen. Ich muss das Team so weit bringen, dass es auf alle Bedrohungen sofort und richtig reagiert.” Bedächtig rührt Grant Simmer in seiner Kaffeetasse. Der Managing Director empfängt uns im zweiten Stock der Alinghi-Basis. Zwischen einer Sponsorensitzung, einem Gästebesuch, dem unaufhörlichen Klingeln seines Handys und seinen täglichen Aufgaben hat der Australier fünfzehn Minuten Zeit gefunden, um uns ein wenig von sich zu erzählen. Wir wissen das zu schätzen. Der rüstige Mitfünfziger mit der faszinierenden Analysefähigkeit ist eine lebende America’s-Cup-Legende. Er hatte den Pokal 1983 als Navigator an Bord der Australia II nach Europa entführt.

Seit der Kampagne 2003 ist Simmer ein unverzichtbares Element im Räderwerk Alinghi. “Bei meiner ersten Kampagne war ich viel stärker am Bootsdesign beteiligt”, sagt er. “Heute kennen die Designer ihren Job aus dem Effeff. Meine Aufgabe besteht darin, die Tätigkeiten der Architekten und Ingenieure zu koordinieren.”

Zu dieser komplexen Aufgabe kommen Medien- und Marketingaktivitäten. „Diese Kampagne ist stark business-, medien- und marketingorientiert. Ich bin für das Management dieser Tätigkeiten zuständig.“

Grant Simmer teilt die Verantwortung für die 132 Teammitglieder mit Brad Butterworth. „Brad ist für den sportlichen Teil zuständig. Er kümmert sich hauptsächlich um das, was sich auf dem Wasser abspielt.“ Ein Managing Director ist auch dazu da, die Segler vor allem abzuschirmen, was sie von ihrer Aufgabe – den America’s Cup erneut zu gewinnen – ablenken könnte. Grant ist Hüter des „Branding“, der Marke Alinghi. „Wir arbeiten langfristig“, so der Australier. Das Sportteam hat jetzt einen Wert, den wir in den Vordergrund stellen können. Unseren Partnern gegenüber sind wir verpflichtet alle Besucher gebührend zu empfangen.“ Tatsächlich: An jedem Regattatag finden sich gut hundert Gäste in der Basis in Valencia ein.

Als Mitglied des Management Teams, dem er neben Ernesto Bertarelli, Brad Butterworth und dem Rechtsberater Hamish Ross angehört, hat Grant den Teamgeist, der Alinghi 2003 zu Weltruhm verhalf, entscheidend mitgeprägt. Kaum einer kann die Qualität seiner Truppen deshalb so gut einschätzen wie er. „Eine erdrückende Mehrheit der Leute, die hier arbeiten, ist auf ihrem Gebiet unglaublich leistungsstark“, sagt Grant, der seine Schützlinge gern auch etwas bemuttert. Das Rezept für ein perfektes Teams ist einfach: „Jedes Alinghi-Mitglied konzentriert sich voll und ganz auf seine Aufgabe.“

Zu seinem 12. Geburtstag durfte sich Grant sein Geschenk selbst aussuchen: „Mein Vater sagte mir, ich könne zwischen einer Jolle und einem Go-Kart wählen.“ Er entschied sich für den Go-Kart, erhielt aber die Jolle. Vielleicht wurde der Schüler aus Sydney deshalb in kurzer Zeit einer der besten Nachwuchssegler Australiens, weil das seine Art war, das frustrierende Erlebnis zu verarbeiten. Er gewann die bundesstaatlichen und danach auch die nationalen Meisterschaften..

Sein Ingenieurdiplom für Mechanik in der Tasche begann der 24-jährige Grant 1981 mit dem Yachtsegeln. Im gleichen Jahr trimmte er am Admiral’s Cup die Segel der Apollo V. Er galt als mürrisch und verbissen und hatte den Ruf eines Perfektionisten. Wenn an einer Regatta nicht alles wunschgemäss lief, packte ihn die Wut. Damals arbeitete der junge Mann in einer Ziegelfabrik des Unternehmers Alan Bond.

In der Vorbereitungsphase zur ruhmreichen Kampagne 1983 machte ihn Bond mit dem Skipper John Bertrand bekannt. „Er kann mit seinem Computer zaubern“, sagte er. John Bertrand, der damals „zu den besten australischen Seglern“ zählte, nahm Grant als Navigator ins Team.

Die Segel wurden unter der Leitung des Neuseeländers Tom Schnackenberg gefertigt. „Es waren extrem innovative Segel“, erinnert sich Grant. In die Annalen eingegangen ist aber vor allem der revolutionäre Flügelkiel. Damit beendete das australische Team 132 Jahre amerikanische Vorherrschaft.

Grant Simmers fulminanter Einstand im America’s Cup war allerdings erst ein Anfang. Als Mitarbeiter von North Sails in Perth schnitt er Segel für die „Cup Boats“, die im nahen Umfeld immer zahlreicher trainierten. Er nahm an sechs Cups teil. 2003 stiess er zu Alinghi und schrieb erneut Segelgeschichte. Hoffen wir, dass seine achte Teilnahme ebenso von Erfolg gesegnet sein wird!