Knut Frostad und das Volvo Ocean Race

Acht Monate vor dem Start in Alicante haben Sie beim VOR den Posten des CEO übernommen. Wie beurteilen Sie persönlich Ihre bisher geleistete Arbeit?
Als ich den Job antrat, waren wir in vielen Bereichen sehr spät dran und mussten vieles gleichzeitig und in kurzer Zeit erledigen. Ausserdem gab es acht neue Stopover-Häfen, die teilweise noch nie eine Segelregatta empfangen hatten. Dass wir die dadurch entstandenen Probleme in den Griff bekommen haben, ist für mich sehr positiv. Natürlich gibt es auch Dinge, die man besser hätte machen können. Deshalb ist es wichtig, dass uns künftig mehr Zeit zur Verfügung steht, damit wir uns um diese Dinge kümmern können.

Was waren für Sie die Highlights des VOR 2008/09?
Speziell war sicher, dass die Stopover-Häfen in diesem Rennen alle sehr unterschiedlich waren. Wir machten Stopps in Regionen wie Indien, Singapur oder China, in denen der Segelsport bisher noch nicht gewesen ist. Das Rennen wurde dadurch sehr farbig und exotisch. Es konnten neue Kulturen und Religionen für die Regatta begeistert werden und auch in den USA und Europa war die Resonanz sehr positiv. Beim In-Port Race in Stockholm etwa waren 3000 Zuschauerboote auf dem Wasser und Tausende Menschen im Hafen. Das war grossartig!
Bereits vor dem Start in Alicante haben Sie das nächste VOR für 2011/12 angekündigt.

Worin sehen Sie die Vorteile dieser frühen Kommunikation?
Eines der grössten Probleme des professionellen Segelsports ist, dass die meisten Segelprojekte immer nur auf einen Event ausgerichtet sind. Jedes Mal, wenn ein Rennen zu Ende geht, packen Sponsoren und Segler ihre Koffer und gehen. Danach müssen wieder alle von vorne beginnen. Um die Bedeutung des VOR und des Segelsports im Allgemeinen zu steigern, braucht es aber Kontinuität. Sponsoren, Teams und Segler müssen längerfristig planen können. Ausserdem ist es einfacher, während des VOR Sponsoren für ein künftiges Projekt zu fi nden, als danach.
An verschiedenen „Round Tables“ haben Sie bereits aktuelle und künftige Partner über Vorschläge für Regeländerungen informiert.

Was erhoffen Sie sich von dieser transparenten Kommunikation?
Für die Entwicklung unseres Sports ist es sehr wichtig, dass wir zusammenarbeiten. Erfolgreiche Events sind nur möglich, wenn alle Parteien hinter dem Konzept stehen. Für das nächste VOR etwa müssen wir unbedingt die Kosten reduzieren. Es muss sowohl beim Material als auch bei den Crews, der Logistik und der Renndauer gespart werden. Das geht nur, wenn wir mit den Teams zusammenarbeiten.

Glauben Sie, dass Sie mit Ihrer transparenten Kommunikation und dem Einbezug Ihrer Partner von den Entwicklungen im America‘s Cup profi tieren können?

Momentan profitiert niemand von der Situation im America’s Cup. Nach dem Cup in Valencia waren noch viele Sponsoren bereit, längerfristig in den Segelsport zu investieren. Mittlerweile sind sie aber enttäuscht und haben sich zurückgezogen. Das ist nicht gut für den Sport und auch nicht für das VOR. Ausserdem ist der Cup hauptsächlich dafür verantwortlich, dass die Kosten für den Sieg an einer professionellen Regatta seit Jahren enorm steigen. Ausserhalb des Cups gibt es aber keinen Larry Ellison und deshalb droht der Kollaps, wie bei der Trimaranszene in Frankreich. Weil der Sieger beim Cup über die Zukunft des Events entscheiden kann, gibt es dort auch keine Planungssicherheit. Daran ist nicht nur der Konflikt zwischen Alinghi und Oracle schuld, das liegt an der Natur des Cups. Ich hoffe zwar, dass dieser bald wieder aufs Wasser kommt und Erfolg hat, befürchte aber, dass es dann 2011/12 eine Terminkollision mit dem VOR geben wird. Das wäre wirklich dumm und zwar für beide Parteien. Einfluss darauf haben wir aber kaum, da wir momentan nicht einmal wissen, mit wem wir diesbezüglich verhandeln müssten. Aus diesem Grund ist es für uns wichtig, dass wir uns vom Cup distanzieren. Auch deshalb wollen wir die Kosten reduzieren und transparent mit unseren Partnern zusammenarbeiten. Auf diese Weise wird das VOR sowohl für die Segler als auch für die Sponsoren attraktiv.

Wie viele Teams erachten Sie für die nächste Ausgabe des VOR als realistisch?

Das ist eine schwierige Frage. Einerseits ist das VOR momentan stärker positioniert als je zuvor, andererseits aber haben wir eine sehr schwierige Wirtschaftslage. Darum hoffe ich, dass wir bei diesem Race zumindest ein paar Boote mehr als acht zusammenbekommen. Meine persönliche Zielsetzung liegt aber noch höher.

Gibt es abgesehen von Team New Zealand, mit dem die Verhandlungen schon weit fortgeschritten sein sollen, noch andere bekannte Namen, die Sie als Interessenten nennen können?
Das ist vertraulich. Wir haben aber über 50 Projekte, die Interesse angemeldet haben und darunter sind einige starke Teams und bekannte Namen. Für das nächste Rennen planen auch schon einige Teams des aktuellen VOR. Das ist sehr positiv.

Woher stammen diese Interessenten?

Aus verschiedenen Ländern. Etwa aus Spanien, Italien, Neuseeland, Australien, Südafrika, aber auch aus der Schweiz. Und aus Frankreich und dafür haben wir sehr hart gearbeitet.
Hat ein Schweizer Boot denn realistische Chancen?
Das ist schwer zu sagen. Aber mit Pierre Fehlmann war die Schweiz in unserem Rennen lange Zeit sehr erfolgreich vertreten und mit ihm ha-ben auch schon viele andere Schweizer Segler daran teilgenommen.

An Kooperation auch mit anderen Stopover-Häfen vorstellen?

Ein Heimteam zu haben ist immer gut. Deshalb werden alle Häfen, die einen Stopover des VOR haben wollen, ein Team unterstützen müssen. Nicht unbedingt zu 100%, aber zumindest zu einem gewissen Teil. Für die Hafenauswahl sind aber noch andere Kriterien entscheidend. Etwa die geografi sche Lage, die Windsicherheit, der Willen und die Kooperationsbereitschaft der Behörden sowie das Konzept und die Kapazitäten der Hafenanlage.