Das Musto Performance ist das Skiff der Stunde

Kleine, flache Rümpfe, viel Segelfläche, möglichst wenig Gewicht und ein langer Bugspriet mit überdimensioniert wirkendem Gennaker. So in etwa könnte man sie beschreiben, die gängigsten, unter dem Oberbegriff “ Skiff ” vereinten Boote für sportliche und geschwindigkeitshungrige Segler. Im Trapez, knapp über der Wasseroberfl äche hängend, erreicht man mit ihnen Geschwindigkeiten, von denen man auf einer konventionellen Jolle kaum zu träumen wagt. Allerdings ist dieser Traum auch mit Mühen verbunden. Skiff-Segeln ist nicht ganz einfach. Wer damit beginnt, muss bereit sein einige Kenterungen und blaue Fle – cken in Kauf zu nehmen. Diese Sportgeräte bekommt man nur auf die harte Tour in den Griff. Wenn man sie aber erst einmal beherrscht und ihrer Faszination verfallen ist, sind einem bereits bei moderaten Winden glückliche Stunden und neidische Blicke sicher.

Grosse Vielfalt – kleine Felder

Skiffs sieht man zumindest in der Schweiz eher selten in grossen Feldern regattieren. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Auffällig ist aber die grosse Anzahl verschiedener Modelle, die in den letzten 10 bis 20 Jahren in kurzen Zeitabständen entwickelt wurden. 29er, 29erXX, 49er, 59er, Laser3000, Laser4000, Laser5000, Laser EPS, RS400, RS600, RS700, RS800, MX Ray, B14, Buzz, ISO, Boss, Spice – alles unter die Kategorie Skiff einzuordnende Ein- oder Zweimannboote, meist spezifi sch auf ein ganz bestimmtes Kundensegment zugeschnitten, aber doch mit ungefähr vergleichbaren Grundeigenschaften und Preisen. Von den meisten Typen wurden auch in der Schweiz ein paar Exemplare verkauft, aufgrund des breiten Angebots waren es aber nie sehr viele. Kaum einem der genannten Modelle ist es längerfristig gelungen eine Klasse mit ansprechenden Regattafeldern aufzubauen. Selbst die Klassen der 49er und des entsprechenden Jugendbootes 29er bekunden trotz Olympiastatus des 49ers nach anfänglich schnell vorangehendem Flottenaufbau und ansprechenden Regattafeldern mittlerweile Mühe. Nachdem in der letzten Saison stets nur 2-3 Boote an nationalen Regatten aufgetaucht waren und auch die Durchführung einer gültigen SM scheiterte, haben sich Florian Stoll und Stephan Zurfl uh, der Präsident und der Regattaverantwortliche der Swiss 49er Association, entschlossen 2009 nur noch eine nationale Regatta auszuschreiben. Die noch aktiven Teams werden ins Ausland ausweichen müssen, wo grössere Felder anzutreffen sind. In der Schweiz ist die Klasse, wie selbst Stoll gesteht, “ mehr oder weniger tot ”. Die Gründe dafür sieht er aber nicht unbedingt in der Pluralität des Angebots : “ Die Meisten, die nicht mehr dabei sind, haben nicht auf ein anderes Boot gewechselt, sondern einfach mit dem Segeln aufgehört. Ausserdem gibt es sehr viele Boote, die zwar aktiv gesegelt werden, die aber nie an den Regatten auftauchen. ” Dennoch macht sich Stoll Hoffnungen für die Zukunft. Nachwuchsteams, die mit einer Teilnahme bei Olympia spekulieren, könnten die Wende bringen, auch wenn gerade jetzt eine von oben aufdiktierte Änderung am Rigg zusätzliche Unsicherheiten schafft.

Das Skiff der Stunde

Was auch immer die Zukunft der olympischen 49er-Klasse der Schweiz bescheren mag, das Skiff der Stunde ist mit dem Musto Performance Skiff defi nitiv ein anderes. Über 30 Exemplare des im Jahr 2000 vorgestellten und äusserst gut durchdachten Einhandskiffs wurden bisher in der Schweiz verkauft. Seit 2007 gibt es eine Klassenvereinigung, seit fünf Jahren Regatten. 12-20 Einheiten, auch aus Deutschland und Italien, sind jeweils am Start. Damit stellt die Swiss Musto Skiff Association die grösste und aktivste Flotte ausserhalb Grossbritanniens. 2008 fand auf dem Silvaplanersee sogar die WM statt. 53 Mustos aus 10 Nationen hatten sich eingefunden. “ Ein super Event ”, schwärmt Stephan Züllig, Präsident der Klassenvereinigung, noch heute. Für ihn ist das Segeln auf einem Musto Skiff mit “ Adrenalin pur” verbunden. Seit sechs Jahren segelt er auf dem Gerät, das nur 55 kg wiegt, mit Gennaker aber 27 m2 Segelfl äche vorzuweisen hat. Und : “ Es ist schon nicht ganz einfach zu lernen, aber es lohnt sich. Musto-Segeln bringt einen an seine Grenzen. Mit bis zu 20 Knoten übers Wasser zu gleiten ist phänomenal, man fühlt sich dabei frei und ist völlig unabhängig, weil man ja alleine segelt ”, sagt Züllig. Aber wie sieht die Zukunft aus ? Technologisch sind die Mustos bereits heute nicht mehr auf dem neusten Stand. Die Motten, die sich als Konstruktionsklasse ständig den technischen Entwicklungen anpassen können, sind längst auf Foils unterwegs und fl iegen seither auf der Erfolgswelle übers Wasser. Sie erreichen schon bei wenig Wind Geschwindigkeiten, von denen auch Musto-Segler unter ähnlichen Bedingungen nur träumen können. Dazu Stephan Züllig : “ Uns geht es um den Spass. Wir sind eine gute Truppe, aber nicht so sehr auf das Musto Skiff fi xiert und deshalb schauen wir uns immer noch etwas um. Wir sind ja nicht nur mit diesem Boot gesegelt, die meisten kommen vom Contender. Die Motten sind mir aber zu wenig robust und zu mühsam beim Aufriggen. Aber wenn eine Mehrheit von uns den Spass am Musto Skiff verliert, dann machen wir halt etwas anderes. Wir sind da fl exibel. ” Eine gewisse Flexibilität scheint beim Skiff-Segeln tatsächlich gefragt zu sein. Dank ihr werden die schnellen Boote wohl auch in Zukunft auf unseren Seen an Regatten zu sehen sein. Auf welchem Modell spielt dabei offensichtlich eine untergeordnete Rolle.