Foiler wirbeln unsere Seen auf

Gegenüber ihren traditionellen Konkurrenten haben Foiler-Boote einen grossen Nachteil: Fliegend sind sie zwar unschlagbar, bei Leichtwind unter 8-10 Knoten kommen sie aber nur schleppend voran, weil sie ihre Rümpfe nicht aus dem Wasser bekommen. Sie werden durch ihre überdurchschnittliche benetzte Fläche etwa so behindert wie der Albatros von Charles Baudelaire.
Derzeit sind am Genfersee drei unterschiedlich weit fortgeschrittene Projekte in Arbeit, die diese schwierige Gleichung zu lösen versuchen. Das erste – der Tragfl ächenkatamaran Syz&Co – muss wohl kaum noch vor gestellt werden. Er ist fast aus dem Nichts entstanden und präsentiert sich als ein in vielen Belangen extremes Boot, für das eine aufwändige Ingenieurarbeit notwendig war. Das zweite Boot – der Hydroptère.ch – wird frühestens 2010 eingewassert. Wie der Name verrät, stecken die gleichen Macher dahinter wie beim Hydroptère, der das ganze letzte Jahr vor Marseille Jagd auf Rekorde gemacht hat. Der Hydroptère.ch ist auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil er ein Versuchsboot ist. Die daraus gewon nenen Erkenntnisse sollen später in ein Maxi-Boot einfliessen, mit dem die Projektverantwortlichen sämtliche Hochseerekorde, einschliesslich des Weltumsegelungsrekords, brechen wollen. Das dritte Boot soll bis Juni in der Ventilo-Werft vom Stapel gelassen werden. Ihm liegt nochmals ein anderes Konzept zu Grunde. Der Katamaran (35 Fuss) soll laut einer verlässlichen Quelle sämtliche Eigenschaften eines klassischen Mehrrümpfers aufweisen, insbesondere, was die Schwerter und die Ruder angeht, gleichzeitig aber auch die Merkmale eines Tragflächenkatamarans besitzen, da er mit T-Foils ausgestattet werden kann. Er wird als konventionelles Boot lanciert und soll erst Ende Sommer mit Foils bestückt werden.

Syz&Co am Anschlag

Die letztes Jahr eingewasserte Syz&Co hat ihre Testfahrten auf dem See wieder aufgenommen, wurde in ihrem Elan aber etwas gebremst. Ein Mastbruch Anfang März wegen allzu zerbrechlicher Wanten und andere Unzulänglichkeiten machten dem Team das Leben schwer. Doch, wie Jean Psarofaghis, einer der Väter der Syz&Co, festhält: “ Es ist leichter mit einem Flugzeug zu fliegen als mit einem Boot ”. Entmutigen lässt sich das Team dadurch nicht, unermüdlich arbeitet es auf sein hochgestecktes Ziel hin: Schon ab diesem Jahr alle Genferseerekorde brechen und natürlich an allen Regatten teilnehmen.
Dennoch ist sich Jean Psarofaghis der Schwierigkeiten des Unterfangens durchaus bewusst: “Um all diese Ziele zu erreichen, ist eine ganze Saison nicht zuviel. Ausserdem muss es uns noch gelingen ein Team aus 4 bis 5 Profis zusammenzustellen, die zueinander passen und das ganze Jahr zusammenbleiben. ”
Bei 32-Fuss-Rümpfen (9,75 m), einer Länge über alles von 11,7 m (inklusive Bugspriet) und einer Gesamthöhe von 16,3 m (15,4 m für den Karbonmast) wiegt die Syz&Co gerade einmal 800 Kilo. Auf diesem Fliegengewicht baut das ganze Projekt auf, es erklärt aber auch seine Komplexität. Der Katamaran ist ein reines Hightech-Boot, mit Stärken und Schwächen, wie dem hohen Preis, dem heiklen Material und der schwierigen Umsetzung.

Ein Hydroptère für die Binnenseen

Ingenieur Jean-Mathieu Bourgeon, der bereits seit neun Jahren zum Hydroptère-Team gehört, wartet gespannt auf die Einwasserung des in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Lausanne (EPFL) entwickelten Hydroptère.ch. “ Der Baubeginn des Hydroptère.ch hat sich hinausgezögert, weil wir zunächst ein wissenschaftlich sattelfestes Programm aufbauen und ein kohärentes Vorgehen ausarbeiten wollten, das sich mit unseren Projekten und Zielen deckt. Ausserdem haben wir nach der Kenterung des Hydroptère (Anm. d. Red.: im Dezember 2008) beschlossen, an beiden Projekten gleichzeitig zu arbeiten, auch wenn sich die beiden ursprünglichen Zeitpläne dadurch etwas verschieben. ”
Was den Hydroptère.ch betrifft, stehe die Planung, auch, was das Modell und die Strukturen angehe, sagt Jean-Mathieu Bourgeon. “ Es handelt sich tatsächlich um ein Versuchsboot, einen Vorgeschmack auf das geplante Maxi-Boot, das einmal sämtliche Hochseerekorde unterbieten soll. Unser Ziel ist es, mit Hilfe der EPFL die Vielseitigkeit des Bootes ständig zu verbessern, indem wir an der Geometrie der Plattform und der Foiler arbeiten. Dafür ist der See ein idealer Ort, da er sehr unterschiedliche Windbedingungen und Wellen bietet – etwa so wie eine Weltumsegelung in Miniaturform. ”

“ Die Mozarts unter den Kompositbauern ”

Und so soll der künftige Hydroptère.ch aussehen: Es wird ein Katamaran mit einer Art Mittelrumpf sein, wie er bei den D35 anzutreffen ist. Bei einer Länge von 35 Fuss (ca. 10,5 Me-ter) und einer Breite von 10 Metern bringt er leer 1,3 Tonnen und mit einem 5- bis 6-köpfigen Team sowie dem vollen Ballast 1,9 Tonnen auf die Waage. Er wird mit zwei Seitenrudern und langen Schwimmern in Form von Stufenrümpfen ausgestattet sein. Als offizieller wissenschaftlicher Berater des Hydroptère fungiert die EPFL. Fünf Labors arbeiten eng mit dem Team des Mehrrümpfers und vor allem mit dem Design Team zusammen. Unter anderem versuchen sie mehr über den Hohlsog zu erfahren, der sich bei hohen Geschwindigkeiten an den Schwimmern bildet. Andere Recherchen widmen sich der Verformung, der Hydrodynamik, den Verbundstoffen und den Videoaufnahmen. Der Bau des Hydroptère.ch hat begonnen. Die Werft B&B in La Trinité-sur-Mer stellt die Plattform und dann auch die Foiler her, die Rümpfe entstehen in der Schweizer Werft Décision. Jean-Mathieu Bourgeon bezeichnet die beiden Werften als “ Mozart unter den Kompositbauern ”.