Luc Dubois

Sie gehören zu den zehn weltbesten A-Cat-Seglern. Welche Faktoren entscheiden, ob es jemand in der Weltelite aufs Podest schafft oder nicht?

Während meiner Lehrjahre in Australien war ich mit der harten Realität konfrontiert. Wenn ich dabei eines gelernt habe, dann das: Wir müssen einfach viel mehr trainieren. Die Australier segeln aus Leidenschaft und das ganze Jahr bei Starkwind. Sie verstehen es perfekte Schläge zu segeln, zu manövrieren und die Führung zu halten. Es kommt deshalb nicht von ungefähr, dass die Podestplätze ausschliesslich von Australiern besetzt wurden und sich sieben von ihnen unter den Top Ten platziert haben. Obwohl bei den A-Cats Technologie auch eine Rolle spielt, haben sich konventionelle Boote nach vorne abgesetzt. Das zeigt, dass es doch immer noch in erster Linie um Sport geht. An der WM haben viele erfahrene Regattasegler mitgemischt. Ich fuhr punktgleich mit James Spithill auf den siebten Rang. Dabei ist anzumerken, dass der Sieger Glenn Ashby gerade vier Jahre olympische Vorbereitung hinter sich hat. Er dominierte seine Verfolger so souverän, dass er bereits zwei Läufe vor Schluss als Sieger feststand. Dahinter war das Niveau zum Glück etwas ausgeglichener. Auch die Dritt- und Viertplatzierten beendeten die WM punktgleich. Die Europäer hatten etwas Mühe sich den Starkwindbedingungen anzupassen.

Sind die Australier überrascht, dass auch Schweizer in der Weltelite mitmischen?

Trotz der Siege von Alinghi musst du als Schweizer im Segelsport immer zuerst den Beweis deines Könnens erbringen. Einige sprechen während der ganzen WM kein Wort mit dir. Erst am Schluss, wenn sie gesehen haben, wozu du fähig bist, ändern sie ihr Verhalten. Die Australier sind dabei jedoch eine Ausnahme, sie sind sehr aufgeschlossen.

Die Schweiz war auch bei der australischen Meisterschaft der Foiler-Moth vertreten. Was halten Sie als Sportler und als Geophysiker vom Boom der fliegenden Boote?

Segeln ist ein fantastischer Sport, denn er ist alles andere als statisch. Im Gegenteil, er entwickelt sich ständig weiter. Es ist interessant festzustellen, dass die ersten Flugversuche mit Mehrrümpfern unternommen wurden, es schlussendlich aber die Einrümpfer sind, die sich massenhaft aus dem Wasser heben. An den Regatten segeln Boote ganze Schläge ohne das Wasser zu berühren. Mit den Motten kann man die verrücktesten Technologien ausprobieren, ohne dass es gleich ein Vermögen kostet. Das Konzept funktioniert gut und hat viele Fans. Für mich als Sportler ist das wichtig. Allerdings muss man viel trainieren, wenn man erkennbare Fortschritte machen will und leider kann ich nicht überall sein.

Sie sind an den Olympischen Spielen von 1984 in der 470er-Klasse gesegelt und haben das Abschneiden des Schweizer Olympiakaders von letztem Jahr mitverfolgt. Was hat sich geändert?

Die Tatsache, dass ich die Entwicklung aus der Ferne mitverfolgt habe, erlaubt es mir noch nicht mir eine globale Meinung zu bilden. Verändert hat sich meiner Meinung nach die Verallgemeinerung des Profi-Status an den Spielen. 1984 waren zwar bereits einige gut strukturierte Profiteams dabei, wie die Franzosen und die Spanier, doch heute scheint das die Regel zu sein. Für Amateure ist kein Platz mehr. In der Schweiz ist diese Kluft aber noch nicht überwunden und der Abstand der Schweizer Segler zu den grossen Teams ist grösser geworden. Bei uns fehlen die nötigen Mittel. Im Gespräch mit einem Glenn Ashby wird deutlich, wie ernst das Ganze genommen wird. Die mentale und die körperliche Verfassung, die Technik, das intensive Training – alles wird genauestens unter die Lupe genommen. In der Schweiz ist Segeln nicht die wichtigste Sportart und es scheint unwahrscheinlich, dass sie es eines Tages sein wird, auch wenn sie durch das verstärkte Medieninteresse in den letzten Jahren populärer geworden ist.

An welchen Touren nehmen sie dieses Jahr teil?

Da ich dem Design Team und nicht dem Sailing Team von Alinghi angehöre, muss ich mich organisieren, wenn ich seriös segeln will. Dabei muss ich mich auch nach der Intensität der Arbeit richten, die natürlich von den Entwicklungen im America’s Cup abhängt. Da ich gerne auf Katamaranen segle, werde ich an möglichst vielen A-Cat-Regatten teilnehmen. Ich bin Anfang Juni an der Europameisterschaft auf dem Bodensee mit dabei. Parallel dazu werde ich wahrscheinlich auf einer Décision 35 segeln.

Sie haben letztes Jahr mit den beiden Schweizern Pierre-Yves Jorand und Yves Detrey die Trophée Clairefontaine in Valencia gewonnen. Was hat Ihnen an dem Event am besten gefallen?

Die schönste Erinnerung an diesen Sieg ist das sportlich intensive Erlebnis. Man hatte mir vor meiner Teilnahme gesagt, dass die Regatta stets hart umkämpft und bis zum Schluss hochspannend ist. Und genau so war es auch. Wir haben von Anfang bis Ende gekämpft. Die drei letzten Wettfahrten waren so eng, dass die Entscheidung erst in der letzten fiel. Der Anlass ist wirklich angenehm, gut durchdacht und macht Spass. Es herrscht eine gute Stimmung und es sind viele Topsegler mit dabei.

Sie sind in Valencia stationiert. Arbeiten Sie bereits nach den neuen Bauvorschriften für die Class America?

Wir werden erst dann wirklich daran arbeiten, wenn das Damoklesschwert über unseren Häuptern verschwunden ist.* Zunächst werden Computerstudien erstellt, danach kommen die Schlepptank-Versuche und schliesslich werden die Tests durchgeführt. Wir haben viel Zeit mit dem Bau des von den Amerikanern aufgezwungenen Trimarans verbracht, konnten aber unsere Arbeit aufgrund der herrschenden Unsicherheit nicht wirklich zu Ende führen. Wir wären wirklich froh, wenn wir wüssten, wie es weitergeht und ein Termin feststeht, damit wir uns wie gewohnt voll uns ganz hineinknien können.

Welches sind für Sie als Designer die Hauptmerkmale der neuen Class Rule?

Bislang war ich nicht wirklich in ihre Ausarbeitung eingebunden. Die neuen Regeln sind etwas speziell, denn sie sind ein Konsens zwischen allen für den 33. America’s Cup gemeldeten Challengern und uns.* Alle Teams haben ihre Meinung eingebracht, so dass das Ergebnis eine Synthese aller Überlegungen ist. Ausserdem wurde auch die derzeitige Wirtschaftslage berücksichtigt.

Können Sie der schwierigen Zeit, den die America’s-Cup-Szene seit Herbst 2007 durchgemacht hat, trotzdem etwas Positives abgewinnen?

Ja. Ich persönlich finde positiv, dass wir unsere positive Einstellung beibehalten haben! Und wir immer interessante Projekte am Laufen hatten, an denen wir arbeiten konnten. Um genau zu wissen, was uns diese Erfahrung wirklich gebracht hat, ist es aber noch etwas verfrüht.

* Siehe Artikel über den America’s Cup auf S. 38.