Gemeinsam für den Schutz des blauen Planeten

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Vor vier Jahren hat die Fleur de Passion in Sevilla den Anker gehievt. Auf dem grössten Segelschiff unter Schweizer Flagge koordiniert die Fondation Pacifique eine multidisziplinäre Expedition mit wissenschaftlichem, sozialem und kulturellem Ansatz.

496 Jahre, nachdem Ferdinand Magellan sich anschickte, als erster die Gewürzstrasse von West nach Ost zu durchqueren, machte sich Skipper Pietro Godenzi am Steuer der Fleur de Passion auf, es dem grossen Entdecker gleichzutun. Die Expedition verfolgt mehrere Ziele. Sie will dazu beitragen, die Weltmeere zu schützen, die Jugend zu sensibilisieren, Wissen zu vermitteln und Erfahrungen auszutauschen. Anders als Magellan, der auf halbem Weg auf der philippinischen Insel Mactan starb, wird Pietro Godenzi am 6. September, 500 Jahre und einen Monat nach der Abfahrt des Portugiesen in Sevilla, hoffentlich wohlbehalten in den Heimathafen zurückkehren. Nach vier Äquatorüberquerungen kann die gemeinnützige Organisation eine erste Bilanz ihrer vielfältigen Aktionen ziehen, neue Energie tanken und Pläne für die Zukunft schmieden.

Wertvolle Beiträge für Forschungszwecke
«Eines unserer Ziele bestand darin aufzuzeigen, dass ein Schiff wie die Fleur de Passion durchaus geeignet ist, wissenschaftlich auswertbare Daten zu sammeln», erklärt Samuel Gardaz, Vizepräsident der Fondation Pacifique. Wie gross dieses Potenzial ist, wurde bereits bei der Partnerschaft mit Ocean Eye deutlich. Die Fleur de Passion hat für den wissenschaftlichen Verein auf der ganzen Welt über 200 Meerwasserproben entnommen, damit er die Konzentration von Mikroplastik in den Ozeanen untersuchen konnte. «In knapp 90 Prozent der Proben haben wir Kunststoffrückstände gefunden. Besonders hoch war die Plastikkonzentration in Südostasien», kommentiert Samuel Gardaz die Ergebnisse, fügt aber hinzu: «Die Wissenschaft verfügt noch nicht über ausreichend Daten, um die Logik der Verbreitung und Anhäufung von Mikroplastik zu verstehen. Diese Wasserentnahmen müssten daher systematisiert werden.» Zeitgleich wurde ein innovatives Programm zur Klangkartografie der Ozeane gestartet. Über die durch den Menschen verursachte Lärmbelastung in den Meeren ist zwar noch wenig bekannt, es wird aber vermutet, dass sie katastrophale Auswirkungen auf die Tiere hat.

Die Fleur de Passion hatte mit einem für zwei Jahre gesicherten Budget und einer Fülle Projekte den Anker gelichtet. Unterwegs ergaben sich dann weitere Gelegenheiten, das Schiff für Forschungszwecke einzusetzen. 2017 wich das Team absichtlich etwas von Magellans Route ab. Es stationierte ein paar Monate vor Cairns in Australien, am Krankenbett des Great Barrier Reef, wo es sich an der grössten je durchgeführten Kartografie von Korallenriffen beteiligte. Die dabei gesammelten Daten sind im Internet im Allen Coral Atlas kostenlos abrufbar. Kurz darauf wurde die Fleur de Passion mit einem Gerät ausgestattet, das für das Monitoringprogramm «The Winds of Change» der Universität Genf laufend die CO2- und Methankonzentration an der Wasseroberfläche mass. Dabei ging es darum, die Rolle der Ozeane im Kohlenstoffkreislauf besser zu verstehen. Die Auswertung der von Jakarta bis Maputo und von Kapstadt bis Dakar gesammelten Daten verhalf den Wissenschaftlern zu wertvollen Erkenntnissen, die sie zur Hypothese veranlassten, dass die Ozeane nicht nur Treibhausgase ausstossen, sondern sie auch speichern. Daraus ergeben sich neue Gefahren, wie Professor Daniel McGinnis, Leiter der Gruppe Aquatische Physik der Universität Genf und verantwortlich für das Programm «The Winds of Change», betont: «Je höher die Methankonzentration im Wasser, desto höher ist der Sauerstoffverbrauch, d.h. der Ozean und die flachen Gewässer ersticken, Pflanzen und Tiere gehen ein.»

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Gut geteilt ist halb gewonnen
Die bei all diesen Projekten gewonnenen Erkenntnisse liefern der Gesellschaft, der Forschung und den Institutionen fundierte Diskussionsgrundlagen für das weitere Vorgehen. Die Fleur de Passion hat sich als mobile Plattform in das Geschehen der besuchten Orte eingebracht. In Kapstadt hiess sie im Rahmen von Aufklärungsmassnahmen viele hundert Besucher an Bord willkommen, darunter Vertreter von NGOs, Schulklassen und Regierungsmitglieder. Sogar Bundesrat Ignazio Cassis stattete dem Schiff einen Überraschungsbesuch ab. Grund für diese Anerkennung ist der unglaublich breite, weit über den wissenschaftlichen Bereich hinausreichende Aktionsrahmen der Expedition. Im Rahmen des kulturellen Teils haben 20 Comiczeichnerinnen und -zeichner – zehn Frauen und zehn Männer, darunter Stars wie Zep und Pierre Wazem – als Residenzkünstler die Expedition im Licht der Entdeckungsreise von Magellan skizziert. Der sozialpädagogische Teil bestand darin, Jugendlichen in Schwierigkeiten Fondation Pacifique Fondation Pacifique Fondation Pacifique für zwei Monate oder länger die Möglichkeit zu bieten, sich als Besatzungsmitglieder zu engagieren und neues Selbstvertrauen zu erlangen. 60 Schulabbrecher nutzten die Chance, auf dem Meer ihre Gedanken zu ordnen und dank der dort gewonnen Erfahrungen einen Neuanfang ins Auge zu fassen. Auf die Frage, was er auf dem Schiff als besonders schwierig empfunden habe, antwortete ein Schiffsjunge: «Im ersten Monat die anderen.» Und was war positiv? «Im zweiten Monat die anderen!» Ein paar dieser Abenteuer, Anekdoten und Entdeckungen werden in einem Buch zusammengefasst, dass bei der Rückkehr der grossen Ketsch am 6. September in Sevilla druckfrisch vorliegen wird.