Nelson Mettraux, Administrator des CER

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Fotos : ©Francesco Ferri, ©Didier Hilaire und ©zVg

Das Genfer Centre d’Entraînement à la Régate (CER) ist in der Westschweiz eine feste Institution und geniesst weit über die Sprachgrenzen hinaus einen hervorragenden Ruf. Viele grosse Namen, angefangen mit Dominique Wavre, haben hier das Regatta- und das Hochseesegeln erlernt. Seit Januar führt Nelson Mettraux die Geschicke des Vereins. Er möchte mit der Tour de France à la Voile den Sprung in die Katamaranszene schaffen.

A86Y6902Sie sind seit Kurzem Administrator des Centre d’Entraînement à la Régate. Was möchten Sie in dieser Funktion erreichen?

Als erstes mache ich mich auf die Suche nach Sponsoren, die uns bei der Teilnahme an der Tour de France à la Voile unterstützen und mir helfen, ein starkes Team auf die Beine zu stellen. Das ist mit viel Arbeit verbunden, aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Das CER hat zur J/70 gewechselt und die Tour de France à la Voile wird auf Diam 24 gesegelt. Öffnet sich da ein neues Kapitel?

Die J/70 ist mit der Surprise vergleichbar, mit dem Diam 24 gehen wir aber einen grossen Schritt weiter. Es ist kein einfaches Boot. Wir segeln es zu dritt und bislang waren alle, die darauf trainiert haben, mit sich unzufrieden. Sie hatten alle das Gefühl, es nicht im Griff zu haben. Das bedeutet aber, dass wir gerade viel dazulernen und das ist sehr positiv. Auf so kleinen Booten gibt es viel zu tun, alle Teammitglieder müssen mit anpacken. Dabei lernt man auch entsprechend viel. Für den CER bricht mit dem Wechsel zum Katamaransegeln eine neue Ära an.

Im Segelsport setzen sich Mehrrümpfer und Foilerboote immer mehr durch. Inwiefern beeinflusst diese Entwicklung das CER?

Technisch sind die Diam 24 nicht sehr anspruchsvoll, aber das CER kann die jungen Segler so ausbilden, dass sie gut für den Wechsel auf schnellere Boote gerüstet sind. Unsere Aufgabe besteht darin, sie so weit zu bringen, dass sie auf den neuen Racern mithalten können, auch wenn die Boote, die wir zur Verfügung haben, eindeutig nicht in diese Kategorie fallen.

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Heisst das, der Nachwuchs soll im CER langfristig die nötigen Grundlagen für „technologischeres“ und schnelleres Segeln erwerben?

In meinen Augen gehört dieser Aspekt eindeutig dazu. Das CER soll den Nachwuchs auf eine Profikarriere vorbereiten und ihnen das nötige Rüstzeug dafür mitgeben. Mehrere im CER ausgebildete Segler haben den Sprung schon geschafft. Wer Segeln nicht zum Beruf machen will, kann bei uns Regattaluft schnuppern, schnell Fortschritte machen und ein konkurrenzfähiges Niveau erreichen. Für mich ist es wichtig, dass diese beiden Aspekte im richtigen Gleichgewicht bleiben.

Race Day 3Und wie gelingt Ihnen das?

Genau das ist die grosse Frage. Ich vertraue auf eine Mischung aus Genferseeregatten, die allen offen stehen, zum Beispiel die Genève-Rolle, die Bol d’Or Mirabaud oder die Surprise-Punktemeisterschaft, und leistungsorientierten und selektiveren Projekten wie die Tour de France à la Voile. Die Hoffnung ist natürlich, dass wir uns dort eines Tages in den vorderen Rängen klassieren. Wer Regatten segelt, muss den ersten Platz anstreben. Parallel dazu können wir auf der J/70 Jugendliche ausbilden. Ein Beispiel: Wir haben mit zwei Neuzugängen, die erst letztes Jahr zum CER gestossen sind, an den Winter Series in Monaco teilgenommen und dort im 50 Boote starken Feld den 5. Platz erreicht. Das zeigt uns, dass wir in diese Richtung weiterarbeiten müssen.

Was unterscheidet das CER von den anderen Ausbildungsangeboten in der Schweiz?

Wir sind sehr leistungsorientiert, machen den grossen Rennställen aber keine Konkurrenz und verfügen trotzdem über viel Regattaerfahrung. Finanziell ist eine Profikarriere im Segelsport nach wie vor schwierig. Wenn sich jemand trotzdem dafür entscheidet, muss er einen grossen Kosten- und Zeitaufwand in Kauf nehmen. Im CER kann man mit einem Jahresbeitrag von 150 Franken für wenig Geld viel erreichen. Wir erwarten als Gegenleistung sowohl im Training als auch bei den Regatten volles Engagement. Nur so können wir gemeinsam Fortschritte erzielen. Es ist ein Geben und Nehmen. Damit unsere Einrichtung funktioniert, brauchen wir Mitglieder, die uns unterstützen. Für eine ganze Saison im CER muss ein Segler, der an Regatten in anderen Revieren teilnimmt, alles in allem weniger als 1000 Franken aufbringen, Unterkunft, Verpflegung, Transport und Anmeldegebühren inklusive. Diese geringe Selbstbeteiligung verdanken wir unter anderem der starken Unterstützung durch die Stadt Genf. Für die Tour de France à la Voile suchen wir zusätzlich nach privaten Finanzierungsquellen, damit wir etwas mehr Spielraum haben, uns leistungsmässig steigern und in gutes Material investieren können.

Wie sieht Ihr Führungsstil aus?

Ich lasse den Personen, mit denen ich zusammenarbeite, gerne viele Freiheiten, damit sie eigenständige Projekte auf die Beine stellen können. Wir müssen den Jungen, die im Match Race, Fleet Race oder Katamaransegeln ihr eigenes Team aufbauen und im Segelsport hoch hinaus wollen unter die Arme greifen. Unsere Mitglieder sollen bei uns lernen, alle Aspekte eines Regattaprojekts erfolgreich zu meistern. Ich möchte, dass die verschiedenen Szenen – auch das Offshore Sailing – zusammenfinden und die Beteiligten ihre Erfahrungen mit allen Seglern in Genf teilen. Das CER soll inklusiv sein und alle Bereiche des Segelsports vereinen. Es soll zu einer gemeinsamen Plattform werden, die unseren Mitgliedern hilft, bei anderen Projekten mitzumischen oder diese zu unterstützen. Ausserdem möchte ich besonders die 15- bis 20-Jährigen fördern und ihnen im CER mehr Verantwortung übertragen, denn sie werden in den nächsten zehn Jahren unsere Nachfolge antreten.