Was für ein Bol d’Or Mirabaud!

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Foto : ©Loris-von-Siebenthal

Für seinen Präsidenten Rodolphe Gautier machte diese Ausgabe des Bol d’Or Mirabaud seinem «boldoresken » Ruf alle Ehre: Geduld, Hartnäckigkeit und taktisches Gespür waren mehr denn je die Voraussetzungen einer guten Platzierung.

Vom Bol d’Or Mirabaud, kurz BOM, der heuer zum 80. Mal stattgefunden hat, kann mit Fug und Recht behauptet werden, dass er die Herzen seiner Anhänger erobert hat. Trotz der eher entmutigenden Bedingungen samt angekündigter intensiver Flaute gingen 543 Mannschaften an den Start. Und wenn am Ende auch nur 186 Boote pünktlich zurückgekehrt sind, so haben die restlichen 357 doch eine grosse Entschlossenheit gezeigt, so weit wie möglich zu gehen, aus Liebe zum See und zum Segeln!

Nervenkrieg

BOM2018_Loris-von-Siebenthal_2277Beim Kanonenschuss deutete alles darauf hin, dass dieser Tag ein lang(sam)er sein würde. Dank Séchard gelang es dem Gros der Flotte, sich nach einigen Rennstunden aus dem Petit Lac (Kleiner See) zu befreien, nachdem die grossen Mehrrumpfboote angeführt von Ladycat und Safram bereits ihren Ausweg gefunden hatten. Die Verfolgungsjagd ging schliesslich im Grand Lac (Grosser See) weiter, wobei der Haut Lac (Obersee) das grosse Ziel darstellte; am Abend kam schliesslich ein wenig Vaudaire auf, ein willkommener Wind für den Grossteil der Flotte, die von Beginn an nur zaghaft Fahrt aufgenommen hatte.

Bei der Rückfahrt liessen die Winde immer mal wieder zu wünschen übrig, so dass sich die Besatzungen wiederholt über das Zusammenballen ihrer Boote ärgern mussten. Diese Bedingungen herrschten auch beim Finale der M1. Noch 300 m vor der Zieleinfahrt gab es sechs Anwärter auf den Sieg. Doch während die beeindruckenden Multis kaum vorankamen, erwischte Christian Wahls Mobimo mit einer Mannschaft junger (und talentierter) Matrosen den günstigsten Korridor und verwies so die Gegner auf die Ehrenplätze. Mit 14h 14min und 02 Sek war es der längste BOM seit 2010. Eine weitere bemerkenswerte Leistung zeigte François Thorens aus Vevey, der die ungarische Libera Raffica besiegte und den Bol de Vermeil gewann. Ein Outsider-Sieg für den Mann, der letztes Jahr das SYZ Translémanique en Solitaire gewonnen hat. In berechneter Zeit setzte sich Alain Hofer gegen Black Swan durch.

Wertvolle Surprise

BOM2018_Loris-von-Siebenthal_1285Die Flotte der 121 Surprise wurde von G. Hominal angeführt, die von Anfang bis Ende in Führung blieb. Mit Nicolas Kauffman und Nicolas Anklin an Bord gelang es der Mannschaft, den Abstand von Beginn an stetig zu vergrössern und sämtliche schwierigen Passagen, welche auf die Surprise-Segler warteten, bravourös zu meistern – in einer Zeit von 6 Stunden und 24 Minuten. Die Königsklasse der Bol d’Or Mirabaud war aufgrund der vorherrschenden Bedingungen ganz besonders auf die Probe gestellt worden: lediglich 26 Surprises konnten sich klassifizieren! Die Schwierigkeit der Aufgabe stand ihnen allen bei der Zieleinfahrt ins erschöpfte Gesicht geschrieben, wiewohl die Freude spürbar war, wieder Land unter den Füssen zu haben.

Der Bol jedenfalls bleibt sich selbst treu – und das schon seit 80 Jahren… „boldoresk“!