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Wer sind die Umpires?

Wer bei einem Match Race als Unparteiischer amtet, der muss die kom- plizierten Regeln genauestens kennen. Viele Umpires haben früher selbst an Regatten teilgenommen oder als Trainer gearbeitet. Sie müs- sen einen langen Weg zurücklegen, bevor sie das erste Mal an einem internationalen Event als Schiedsrichter eingesetzt werden. Anwärter auf diesen Job fangen auf regionaler Ebene an und klettern dann in 3-Jahres-Etappen, in denen ihre Kenntnisse jeweils von der ISAF geprüft werden, die Karriereleiter hoch. Ein langer, aufwändiger, aber ungemein bereichernder Weg.

 

Ein Match im Match
Jedes Duell wird von zwei Umpires auf einem Motorboot beobachtet und verfolgt. Manchmal wird als zusätzliche Hilfe ein Wing Boat hin- zugezogen. An Bord des Schiedsrichterbootes, das über VHF mit dem Wing Boat verbunden ist, wird rege diskutiert. Jeder Umpire ist für ein Boot zuständig und verfolgt in Echtzeit, was sich an Bord abspielt. Dabei sind alle Aspekte wichtig, die Steueraktionen ebenso wie die Geschwin- digkeit, die Manöver und der Raum, der dem Gegner gegeben wird. Der Dialog hilft den Umpires eine Situation und ihre Entstehung besser zu verstehen und so schnellstmöglich richtig zu beurteilen. Schwierig ist die Aufgabe vor allem deshalb, weil alles in Echtzeit abläuft und eine Ak- tion der anderen folgt. Legt ein Team Protest ein, äussert jeder Umpire seine Sicht der Dinge. Bei Einigkeit kassiert der fehlbare Gegner eine Strafe, ansonsten wird keine Strafe verhängt. Es kann auch vorkommen, dass beide Boote bestraft werden, weil beide einen Fehler begangen haben. In einem solchen Fall heben sich die Strafen gegenseitig auf.

 

Wilde Gesten
Nach einem Match wird auf dem Anlegesteg oft heftig diskutiert und gestikuliert. Ein Laie versteht hier vermutlich nur Bahnhof. Die Situatio- nen werden nicht nur mit Worten beschrieben, sondern es werden die Hände zu Hilfe genommen, um mal ein Boot, mal einen Gegner darzu- stellen. Es werden Hände gekreuzt, entkreuzt und imaginäre Bojen ge- rundet. Doch das wilde Herumfuchteln hat System: So werden Situatio- nen nachempfunden, analysiert und unter die Lupe genommen.

In der geschlossenen Welt des Match Racing ist es wichtig, dass zwi- schen Regatteuren und Umpires eine gute Stimmung herrscht. Das bes- sere Verständnis eines Urteils, einer Situation oder eines gefährlichen Manövers bringt die Disziplin weiter: Die Konkurrenten lernen, mit mehr Finesse vorzugehen und bei engen Manövern den Gegner nicht zu be- hindern und die Schiedsrichter erhalten einen besseren Überblick und können so Verstösse besser beurteilen. Die Konkurrenten bringen den Umpires übrigens viel Respekt entgegen. Sie führen die Strafen sogar bei einer Niederlage noch aus und beweisen damit viel Fairplay.

Wie in vielen anderen Sportarten sind Täuschmanöver auch beim Segeln gang und gäbe. Es wird geschrien, bevor überhaupt etwas passiert ist. Manipulieren gehört dazu, doch die Umpires lassen sich immer seltener hinters Licht führen und je länger sie einige besonders gewiefte Skipper kennen, desto besser durchschauen sie sie.

Ein Beruf mit Zukunft
Ohne Umpires gäbe es keine Match Races. Trotzdem fehlt es bisher an einer Dachorgani- sation für diesen Beruf. Jeder Umpire wird für jeden Wettkampf separat engagiert. Je bedeu- tender der Event ist, desto mehr Nationalitäten müssen vertreten sein, damit eine maximale Unparteilichkeit gewährleistet ist. Einzig Bill Edgerton (GBR) ist als Umpire Chef ganzjährig für die World Match Racing Tour angestellt.

Die Schiedsrichtmethode des Match Race hat bei vielen anderen, teilweise olympischen Bootsklassen Nachahmer gefunden. Dass der Sieger am Ende des letzten Laufs sofort fest- steht, macht den Sport für die Zuschauer in- teressanter. Im Medal Race, dem Finallauf ei- ner olympischen Regatta, wird bei Protesten unmittelbar auf dem Wasser entschieden, um nachträgliche Reklamationen zu vermeiden. Auch bei kleineren Flotten wie den RC44 oder den D35 macht der direkte Schiedsspruch das Regattageschehen flüssiger. Ausgleichssyste- me gibt es keine, so dass die Wettfahrten in Echtzeit entschieden werden.

Wichtig ist auch, dass Umpires und Jury nicht miteinander verwechselt werden. Letztere verfolgt die Regatten zwar auf dem Wasser, kann aber keine Strafen aussprechen. Bei Flottenregatten sind sie aber direkte Zeugen des Geschehens und wissen im Fall eines Pro- tests nach dem Rennen, was tatsächlich vor- gefallen ist.

2010 wurde am Korea Match Cup eine Kame- ra als Hilfsmittel getestet, doch im Gegensatz zum Fussball oder Rugby gibt es keine Mög- lichkeit, eine Regatta zu stoppen, um die Bil- der auszuwerten. Ausserdem verfälschen die Kameras die Distanzen, weshalb solche tech- nischen Hilfsmittel beim Segeln wohl keine Zukunft haben und die Umpires noch lange gebraucht werden.

Herzlichen Dank an Philippe Michel (FRA), Umpire International, dass er uns über den besonderen Beruf aufgeklärt hat.