Fünfzehn Kats in den Calanques

Die Werft in Bordeaux hat in den letzten 25 Jahren 2000 Katamarane in die ganze Welt ausgeliefert. Entgegen dem Prinzip „aus den Augen, aus dem Sinn“, hält sie den Kontakt mit der Kundschaft auch nach der Auslieferung aufrecht. Bei einem Begrüssungscocktail an Bord eines Dreimaster-Restaurants bedankte sich der Geschäftsführer von Lagoon bei den knapp hundert anwesenden Teilnehmern und legte die Karten gleich von vornherein auf den Tisch: „Mit diesem Anlass können wir einerseits den Geist der Lagoon-Familie pfl egen, andererseits aber auch Informationen und Eindrücke sammeln, um das zu verbessern, was noch zu verbessern ist“, stellte Yann Masselot klar und betonte auch gleich, wie wichtig das Feedback der Kundschaft ist. Er unterhielt sich die ganzen drei Tage angeregt mit den Teilnehmern und erfuhr dabei viel über ihre Ansprüche und Erwartungen. Und die könnten unterschiedlicher nicht sein. Eigner eines 38-Fuss-Bootes oder einer Lagoon 620, dem Flaggschiff der Werft, haben nämlich nicht zwingend die gleichen Prioritäten. Allen ist aber viel an der Lagoon-Familie gelegen. Das war auch an dem dreitätigen Event deutlich zu spüren.

Gediegenes Ambiente

Malerisch liegt der alte, mit 600 Booten prallvolle Hafen von Marseille in der wärmenden Sonne. Fischverkäufer schreien sich die Kehle aus dem Hals. Auch sonst herrscht auf den Kais Hochbetrieb. Es wird bereits alles für den Audi Med Cup vorbereitet, der die kommende Woche hier Station macht*. Auf die Teilnehmer wartet ein perfekt organisiertes Programm, das so einiges zu bieten hat. Die Organisatoren haben Glück, denn ihre Charmeoffensive erhält einen wertvollen Verbündeten: Sonnenschein lässt die südfranzösische Landschaft in ihrer ganzen Schönheit erstrahlen, und auch Äolus hat sich zur Stelle gemeldet. Per Funk wird auf Kanal 72 das Startsignal zur Rallye gegeben. Fünfzehn Katamarane segeln bei fünfzehn Knoten Wind in Richtung Îles du Frioul. Bei auffrischendem Wind und Böen von bis zu 25 Knoten ist der richtige Trimm entscheidend. Hier zeigt sich die Erfahrung der Skipper! Tatsächlich haben einige Teams ihre liebe Mühe mit den Bedingungen. Zur Belohnung wartet in einer kleinen, nach Paradies duftenden Felsbucht  ein köstliches Mittagessen. Die Teilnehmer sind von dem Ankerplatz so angetan, dass beschlossen wird, die Rückfahrt um eine Stunde zu verschieben. Die Freude steht den Teams ins Gesicht geschrieben. Auch am Abend an der traditionellen Fotoshow strahlen die Eigner jene für Segler so typische Zufriedenheit aus. Wie es das Schicksal so wollte, fiel der Samstag mit dem letzten Tag der französischen Fussballmeisterschaft zusammen, bei der die Entscheidung zwischen Marseille und Bordeaux um den Meisterschaftstitel auf dem Spiel stand. Bordeaux benötigte für den Titel nur ein Unentschieden gegen Caen und Marseille musste nicht nur Rennes schlagen, sondern zusätzlich auf eine Niederlage von Bordeaux hoffen, wenn es den Meisterpokal noch an sich reissen wollte. Auf der berühmten Cannebière war die Hölle los! Die Gäste der Lagoon-Werft sassen vor einer gigantischen Bouillabaisse im oberen Stock des Club du Vieux Port und hörten, wie der Lärmpegel bei jedem der vier Tore von OM anschwoll. Gereicht hat es dann aber doch nicht, denn Bordeaux konnte ebenfalls einen Sieg verbuchen.

Engagierte Eigner

Die Beweggründe für die Organisation der ersten Escapade Lagoon liegen auf der Hand. Wie aber sieht es bei den Eignern aus? Einige sind von der spanischen Südküste angereist, andere haben die Überfahrt von Korsika unter den Kiel genommen. Ein Paar machte sogar auf seinem Heimfl ug von den Bahamas, wo es den Winter auf seiner Lagoon 380 verbracht hatte, in Marseille Halt, bevor es wieder in die australische Heimat ging. François aus Savoyen wollte die Möglichkeit, im alten Hafen von Marseille direkt vor dem städtischen Rathaus festzumachen, nicht verpassen, denn „so etwas ist sonst unmöglich“, betonte er. Er war begeistert und hatte auch keine Mühe ein paar Freunde zu überreden, ihn zu begleiten. Die Lagoon 440 ist sein erster Katamaran. Bevor seine Wahl auf die 440er gefallen war, hatte er bei Chartertörns verschiedene Mehrrümpfer getestet. „Ich habe auch Einrümpfer gechartert, doch wenn man den Komfort eines Katamarans erst einmal kennengelernt hat, möchte man ihn nicht mehr missen“, meinte er überzeugt. Ebenfalls positiv gewertet wurde die Möglichkeit, sich mit anderen Lagoon-Eignern austauschen zu können. „Einfache Dinge, wie die Schoten vor oder hinter den Wanten hindurchzuführen, können das Leben an Bord erheblich erleichtern und es ist immer interessant, die eigenen Erfahrungen mit denen der anderen zu vergleichen“, hielt Jean-François fest. Er war mit Frau und Kindern aus Montpellier angereist und hatte seine 420 in Sète in Besitz genommen. Er freute sich, mit seinem Kat zu regattieren. „Es ist mein erster Katamaran, vorher bin ich nur Jollen gesegelt!“ erzählte er und stellte gleich etwas richtig: „Komfort und Siegesgelüste schliessen einander nicht aus. Wie Sie sehen konnten, habe ich an diesem Nachmittag nicht ein einziges Mal gerefft, obwohl ein starker Wind ging.“ Frédéric und Pascale aus Sainte-Maxime holen ihre 440 abwechselnd mit ihrer Suspens und ihrer J 105 aus dem Hafen von Port Grimaud. Er trug eine Panerai aus Titan, sie eine reich mit Edelsteinen besetzte Cartier. „Wir haben gerade die Croisière Bleue von Antibes nach Calvi beendet und dabei einen 8-stündigen Schlag unter Spi gesegelt!“, bemerkte Frédéric. Weniger begeistert war der Regattafan von der Funk-panne, wegen der er am Morgen den Start verpasst hatte: „Wir ha-ben aber trotzdem die halbe Flotte von hinten aufgerollt und sind als Dritte durchs Ziel gegangen. Es war ja glücklicherweise keine richtige Regatta, denn die 500 hat beim Anluven nicht reagiert. Wenn es eine echte Wettfahrt gewesen wäre, wäre ich in den Steinen gelandet!“ John und seine Frau kamen mit einem ganz klaren Ziel nach Marseille: „Wir segeln sechs Monate im Jahr auf unserer Lagoon 380 und wollten die 400 testen. Das konnten wir dann auch zur Genüge!“ Die Lagoon 400, auf der die Wettfahrtleitung mitfuhr, wurde von allen Teilnehmern auf Herz und Nieren geprüft.

Ein grosser Wurf: die Lagoon 400

Die an der Pariser Bootsmesse vom Dezember vorgestellte Lagoon 400 hat bereits über dreissig Käufer gefunden. Preislich liegt sie in einem interessanten Segment (225‘000.- exkl. MwSt.) und auch sonst spricht sie die Eigner an. John hatte sofort einen Narren an dem Katamaran gefressen: „Er ist gerade bei so heftigen Bedingungen wie heute viel schneller und auch viel komfortabler als unser 38-Fuss-Boot. Wir segeln viel und ich werde auch nicht jünger. Ich fühle mich mit der 400 viel sicherer und wohler.“ Yann Masselot geht diese Bemerkung runter wie Honig, denn genau dieses Verkaufsargument hat er vor seinem Team und der Presse immer von neuem wiederholt. Die Schlagwörter des Konzepts sind „Leben in Harmonie“ und „Gleichgewicht“ – Gleichgewicht zwischen Grösse und Leistung, zwischen Salon und Cockpit, zwischen Kabinen und Nasszellen, zwischen innen und aussen. Im geräumigen achteren Bereich kann man sich sicher und frei bewegen, das in einer Linie mit dem Roof verlaufende Bimini-Deck bietet einen besseren Schutz, im Steuerstand läuft alles für die Bedienung notwendige zusammen, das mit einer „Lazy boy“-Öffnung versehene Cockpit bietet Platz für geselliges Beisammen sein und vom praktischen Heck gelangt man ungehindert zum Dinghi. Auch unter Deck wurde auf Effizienz und Komfort geachtet. Die drei bis vier Kabinen verfügen über viel Stauraum und sind sehr hell. Und, wie die Regatta gezeigt hat, bringt die Lagoon 400 auch auf dem Wasser Leistung. Man könnte fast meinen, die Lagoon-Werft hätte einen krisenfesten Katamaran erfunden.