„Wir suchen die grössten Talente der Welt“

Als Sportdirektor der Red Bull Foiling Generation will der zweifache Olympiasieger, Hans-Peter Steinacher (AUT), den jungen Segeltalenten das Fliegen beibringen. Um die grössten Segeltalente der Welt ausfindig zu machen, haben er und sein Partner, Roman Hagara, 2015 die Red Bull Foiling Generation ins Leben gerufen. Die Saison 2017/18 ist bereits deren dritte Ausgabe.

Was möchten Sie und Roman Hagara mit diesem Programm erreichen?

Die Red Bull Foiling Generation soll Segler zwischen 16 und 20 Jahren ansprechen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die talentiertesten Segler der Welt finden, sie als ihre Mentoren und Trainer unterstützen und zur Weltspitze begleiten. Die Red Bull Foiling Generation setzt das Alter herunter und bietet somit jungen Talenten eine Chance auf eine aussergewöhnliche professionelle Laufbahn. Viele „Abgänger“ der Red Bull Foiling Generation nehmen heute bei der Extreme Sailing Series teil. Ein weiterer Vorteil ist, dass diese Alterskategorie ideal für die Olympischen Spiele ist. Foiling ist heute eine fixe Olympische Disziplin und mindestens 40 unserer ehemaligen Teilnehmer bereiten sich auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio vor.

Roman und Sie haben den Flying Phantom, ein Katamaran, der über die Wasseroberfläche fliegt, als Bootsklasse für die Red Bull Foiling Generation gewählt. Wieso?

Der Flying Phantom ist der erste serienmässig hergestellte Foiling-Katamaran der Welt. Als wir ihn testeten, war es fantastisch. Jeder Segler, der mit uns einen Testlauf machte, kam mit einem riesen Lächeln zurück. Unser Ziel war schon immer möglichst hohe Geschwindigkeiten zu erreichen und mit dem Flying Phantom erreichen wir unglaubliche Geschwindigkeiten. Bei den Testläufen vor der Saison 2015 erreichten wir Geschwindigkeiten von bis zu 30 Knoten (56km/h), noch heute ist das Boot das schnellste in dieser Grösse. Wir hatten bereits in den ersten beiden Saisons viel Erfolg mit diesem Boot, es gibt also keinen Grund zu wechseln.

Es ist aber auch ein sehr anspruchsvoller Extremsport. Sind junge Segler dieser Herausforderung gewachsen?

Der Flying Phantom ist nicht einfach zu steuern, das stimmt – man muss bereits ein sehr guter Segler sein, einen professionellen Ansatz haben. Wir suchen Segler, die bereits bei Skiff-Regatten oder anderen Katamaran-Rennen teilgenommen haben. Die Segler der Red Bull Foiling Generation müssen extrem gut vorbereitet sein – auf technischer und körperlicher Ebene. Wir wollen diesen vielversprechenden und ambitionierten Athleten eine Plattform bieten, wo sie ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen können.

Foiling wird immer bekannter und dennoch kommen die meisten Teilnehmer der Saison 2017/18 erst mit der Red Bull Foiling Generation in Kontakt mit dieser Segeltechnik.

Ja, das stimmt. Foiling-Katamarane sind sehr teuer und nicht alle Eltern können ihren Kindern das Segeln auf solchen Booten ermöglichen. Wir wollen den Zugang erleichtern und stellen Flying Phantoms und unser Coaching zur Verfügung – wir laden junge Menschen ein, die bereits auf günstigeren Booten gute Segler sind, die verschiedenen Möglichkeiten zu erkunden. Alle sind willkommen.

Wie helft ihr den Newcomern beim Umstieg auf diese neue Generation von Segelbooten?

Roman und ich sind die Sportdirektoren dieser Serie. Zudem coachen und trainieren wir die Teilnehmer bei jeder Regatta. Wir wissen genau wie man diese Boote in den Griff bekommt und wie man deren ganzes Potential ausschöpft. Ein talentierter Segler braucht nicht mehr als drei einstündige Trainingseinheiten und ein detailliertes Feedback, um die richtige Geschwindigkeit bei idealem Wind zu erreichen.

War das auch bei den Saisons 2015 und 2016 so?
Ja, die Athleten, die da mitmachen, haben bereits ziemlich viel Erfahrung für ihr Alter. Mit ihren Fähigkeiten, ihrer körperlichen Fitness und Konzentrationsfähigkeit – ganz zu schweigen von ihrer Leidenschaft – lernen sie schnell trotz steiler Lernkurve. Viele teilten uns mit, dass nach dem Training bei uns ihr Niveau nochmals drastisch gestiegen sei – egal, mit welcher Bootsklasse sie segeln. Und das ist es genau, was wir erreichen wollen.

Wird es in der Saison 2017/18 neue Etappen geben?

Ja. Eine ganz neue Etappe ist zum Beispiel Achensee in Österreich, ein Bergsee.

Traditionelle Regatten können manchmal für die Zuschauer etwas langweilig sein. Welches Format habt ihr bei euren Rennen?

Die Rennen werden im Knockout-System gesegelt – ein Format, welches es bei Regatten so nicht gab und das wir mit der Red Bull Foiling Generation einführten. Bekannt ist das K.O.-Verfahren eher aus beliebten neuen Sportarten wie Boardercross und die Ice-Cross Downhill Weltmeisterschaft. Bei jedem Durchgang treten vier Zweierteams gegeneinander an. Jeder Katamaran ist mit einer Farbe markiert: rot, gelb, blau oder grau. Die zwei Top-Teams kommen automatisch in die nächste Runde. Die anderen zwei Teams haben dann die Möglichkeit sich während der Lucky Loser Round zu qualifizieren. So bleibt das Rennen von Anfang bis Ende super spannend.

Wie können sich die Teams für das Weltfinale qualifizieren?

2017/18 finden auf der ganzen Welt Regatten statt. Die jeweiligen nationalen Gewinner gehen dann ans Weltfinale, das im November 2018 in Miami (USA) stattfindet.

Können nur Männer bei der Red Bull Foiling Generation teilnehmen?

Überhaupt nicht! Wenn Frauen die Kriterien erfüllen, das heisst körperlich fit und über die nötigen Segel-Kenntnisse verfügen, sind sie herzlich willkommen. Das Team von Olivia Mackay aus Neuseeland gewann 2016 das Weltfinale der Red Bull Foiling Generation. Seitdem nimmt sie bei den Extreme Sailing Series teil.

Wie hat die Segelwelt die Red Bull Foiling Generation aufgenommen?

Als wir die Red Bull Foiling Generation ins Leben riefen, sprach sich das schnell herum. Die Segler und Segelverbände zeigten viel Interesse. Bereits für die erste Ausgabe in Frankreich bewarben sich über 300 Segler. Eine der schönsten Folgen der Foiling Generation ist, dass wir die Bekanntheit der Foiling-Technik voranbringen konnten. Es ist wunderbar zu sehen, wie viele Menschen sich für diesen Sport und das Foiling interessieren. Ich denke, dass der Segelsport eine vielversprechende Zukunft hat.