Red Bull Foiling Generation: Tilt packt den Stier bei den Foilern

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Fotos: © Predrag Vuckovic

Im Juli hatten Sébastien Schneiter und Grégoire Siegwart in Genf ihr Ticket für den Weltfinal der Red Bull Foiling Generation in Newport gelöst. Dort sicherten sie sich auf Flying Phantom den zweiten Platz und machten damit einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Red Bull Youth America’s Cup. Skippers hat das junge Team auf der anderen Seite des grossen Teichs begleitet.

Newport Rhode Island, „The Ocean State“. Das 30’000-Seelen-Dorf könnte durchaus als heilige Stätte des Segelsports durchgehen. Allein schon der Name der Hauptverkehrsachse – America’s Cup Avenue – ist eine Huldigung. Als Wiege des ältesten Sportpokals der Welt, den Newport von 1930 bis 1983 nicht ein einziges Mal aus den Händen gab, bietet die kleine US-Stadt auch traumhafte Bedingungen zum Foilen. Sébastien Schneiter und Grégoire Siegwart vom Team Tilt Sailing fanden ein flaches Revier mit viel Wind, teilweise sogar zu viel Wind, vor.

Schon am ersten Tag des grossen Finals gaben die 16- bis 20-jährigen Segeltalente der 16 internationalen Teams alles. Sie wollten sich eine möglichst gute Ausgangslage schaffen, denn die Wetterprognosen hatten für das restliche Wochenende Windstärken gemeldet, denen die Flying Phantoms nicht gewachsen sind. Sébastien Schneiter hatte schon im Vorfeld den Tarif durchgegeben. Nur ein Sieg sei interessant, verkündete er selbstsicher. Er gönnte sich denn auch keine Schonfrist und legte zusammen mit seinem Teammitglied und Cousin Grégoire Siegwart Vorwindstarts hin, bei denen die Konkurrenz vor Neid erblasste. Das Regattaformat mit den Ausscheidungsrennen lässt den Teams keine Verschnaufpause. Jede Bewegung muss sitzen und jedes Manöver präzis und schnell ausgeführt werden. Da ist höchste Konzentration gefragt. Bei der Flugtechnik gelang dem Schweizer Team eine regelrechte Machtdemonstration. Weder die Amerikaner, die Italiener noch die Franzosen konnten ihnen das Wasser reichen. Nur über das neuseeländische Duo stolperten sie.

Möge der Beste gewinnen

Die Neuseeländer Olivia Mackay und ihr Vorschoter Micah Wilkinson sind wie die Youngster von Tilt die aufstrebenden Sterne des Segelsports. Als Sparring Partner der neuseeländischen Olympiapaarung auf Nacra 17 haben sie den kleinen Katamaran bestens im Griff, Foiling-Erfahrung hatten sie allerdings vor ihrer Teilnahme an der Red Bull Tour sozusagen keine. Gegen ihre in vielen hundert Trainingsstunden verinnerlichten Abläufe waren die deutlich schnelleren Schweizer machtlos. Im Halbfinal erreichten die Kiwis die letzte Luvtonne gleichzeitig mit den Schweizern, allerdings an der gegenüberliegenden Boje. Nichts schien die beiden Phantoms trennen zu können, als Mackay/Wilkinson das Regattarevier plötzlich mit einem perfekten Jibe Set verzauberten. Der Gennaker blähte sich in Sekundenbruchteilen auf, der Kat startete durch und flog geradezu auf den letzten Reaching-Kurs zu.

Als Erste und Zweite des Halbfinals waren sowohl die Neuseeländer als auch die Schweizer für den Final am Sonntag qualifiziert. Doch die Organisatoren und die Segler hatten die Rechnung ohne Äolus gemacht. Er blies mit bis zu 35 Knoten und verdonnerte die Phantoms dazu, brav im Hafen zu bleiben. „Wir sind ein wenig frustriert, denn wir wollten gewinnen und haben keine zweite Chance bekommen. Aber beim Segeln ist man eben von der Natur abhängig, das muss man akzeptieren“, meinte Sébastien einsichtig, aber dennoch etwas enttäuscht. Grégoire Siegwart, der in erster Linie auf 470er segelt, wo er eine Olympiakampagne plant, war hingegen zufrieden: „Es war unglaublich, in dieser Bucht, die schon so viele prestigeträchtige Anlässe gesehen hat, segeln zu dürfen. Hier auf diesen Booten zu fliegen ist fantastisch. Diese Erfahrung wird uns auch auf anderen Bootstypen nützlich sein“, so sein Fazit. Ihr zweiter Platz ist auf jeden Fall ein gutes Omen für den Red Bull Youth America’s Cup.

Ein weiterer Schritt in Richtung YouthP-20161024-00018_HiRes-JPEG

Während bisher kein Schweizer Syndikat Interesse an der Jagd auf die Silberkanne geäussert hat, ist Tilt fest entschlossen, den Pokal der Segeltalente 2017 von den Bermudas in die Schweiz zu holen. Sechs Monate vor dem Grossanlass scheint Sébastien Schneiter sämtlichen Regatteuren seiner Generation einen grossen Schritt voraus zu sein. Er ist zudem der einzige, der so viel Erfahrung auf GC32 mitbringt. Und wie er bei den Reaching-Starts in Newport bewiesen hat, kann er die auch erfolgreich umsetzen. Allerdings gilt zu beachten, dass der Youth America’s Cup im Gegensatz zur Red Bull Foiling Generation Seglern bis zu 24 Jahren offensteht, die Konkurrenz somit breiter ist und die Teamleistung ausschlaggebend sein wird.

Sébastien hat in Newport seine letzte Regatta der Saison 2016 bestritten. Er flog danach direkt nach Marseille zum Training auf der GC32. Wo die Weiss-Roten im Vergleich zur restlichen Flotte stehen, werden wir Anfang März in Oman wissen. Dann steigt im Sultanat die erste Klassenmeisterschaft der GC32, zu der rund 12 Boote erwartet werden.