75 Jahre SGYC: Zuhause im Club

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Die Suche nach einem Clubhaus hat den St. Gallischen Yachtclub Rorschach (SGYC) ein halbes Jahrhundert beschäftigt. Obwohl Heimathafen und Clubraum lange auf sich warten liessen, hat der Ostschweizer Segelclub doch stets eine besondere Kultur gepflegt und mit Humor und Kreativität Feste gefeiert.

„Ihr seid kein Jachtclub, ihr seid eine Seglerfamilie“, soll Peter Cunningham von den Kaimaninseln anlässlich der Schweizermeisterschaft 2014 der Drachenboote zum organisierenden SGYC gesagt haben. Er brachte es damit auf den Punkt. Der SGYC glänzt nicht unbedingt mit sportlichen Erfolgen überragender Segler und zeichnet sich auch nicht als wahnsinnig aktiver Regattaorganisator aus. Sein Markenzeichen ist das besondere Vereinsleben, bei dem sich Mitglieder und Gäste wohl fühlen, eben wie zu Hause in der Familie.
Damit ist der Club den Zielen treu geblieben, die schon die Gründerväter an einem lauen Sommerabend im August 1942 in ihrem ersten Protokoll festgehalten hatten: „Pflege echter Kameradschaft und Förderung des Segelsportes durch Geschwader und Tourenfahrten“. Bereits in seinen Gründerjahren mitten im Krieg zählte der Club ein beachtliches Feld von zehn Clubjachten und zehn Jollen, die im Schlosshafen und dem Hafen der Spezialbeton Staad stationiert waren.

Suche nach Hafenplätzen

SGYCNach dem Krieg wuchs die Anzahl Boote rasant an und die Suche nach Bootsplätzen entpuppte sich als Mammutaufgabe. 1955 griff man gar selber zur Schaufel und baute den Gröblihafen in Fronarbeit, weil der Schlosshafen zugeschüttet wurde. Bereits wenige Jahre später plante die Stadt Rorschach einen Gondelund Segelhafen. Um hier dabei zu sein, änderte der Club sogar seinen Namen. Aus dem Yachtclub Staad wurde der St.Gallische Yachtclub Rorschach. Doch für das Vorhaben war sehr viel Geduld gefragt. Mal lag es am Baugrund, dann an fehlenden Konzessionen und nicht zuletzt waren es auch Umweltverbände, die sich querstellten. Gut zwanzig Jahre dauerte es schliesslich, bis 1978 der Hafen der Genossenschaft Rorschach fertiggestellt war.

Geselligkeit steht über allem

Noch weitere fünf Jahre vergingen, bis der Club über ein eigenes Vereinslokal und damit über eine Basis für ein gemeinschaftliches Clubleben verfügte. Dieses hat sich seither prächtig entwickelt. Zum Saisonauftakt findet jeweils das traditionelle „Standerhissen“ statt. In einem Ritual werden im Hafen Flaggen der drei Landesfahnen und der Clubstander gesetzt. Dazu wird auf eine erfolgreiche und gemütliche Saison angestossen. Originalität und Humor haben bei Vereinsanlässen einen hohen Stellenwert. Der Samichlaus kommt mit der Pirat-Jolle übers Wasser und Bootstaufen finden auch mal auf einem Floss mitten auf dem See statt. Manche Events scheinen gar etwas verrückt, so zum Beispiel der Appenzeller 3-Seen-Cup, bei dem eine Crew mit Vorstandsmitglied Stefan Manser einen aufblasbaren Katamaran zu Fuss zu drei kleinen Bergseen hinaufschleppte, um diese segelnd zu überqueren.
Josef Müller, seit sechs Jahren Präsident des SGYC, hat das Potenzial des Vereins erkannt und mit neuen Ideen weiterbelebt. Neue Clubmitglieder werden seit 2012 beim Frischlingsevent in den Club aufgenommen. Bei dieser humorvollen Feier gibt es keine Berührungsängste. Ferner hat Müller die Präsident-Trophy lanciert, eine Auszeichnung, die jedes Jahr an eine verdiente Persönlichkeit oder Organisation vergeben wird.
Natürlich wird beim SGYC auch gesegelt. In traditionellen Klassen wie den Drachen oder den 6mR, in denen eigene Mitglieder aktiv sind, werden Regatten organisiert. Ein prominentes Beispiel ist die Midweek- Regatta. An diesem Plauschwettkampf wird in den Sommermonaten jeweils am Mittwoch gemütlich gesegelt. Es wäre nicht der SGYC, wenn da nachher keine Zeit bliebe, Geselligkeit zu pflegen.