Stève Ravussin

Hast du in der Schweiz schon viele Regatten gewonnen?
Mit meinem Bruder bin ich früher vor allem an den Italienischen Meisterschaften auf einer Formel 20 gesegelt. In der Schweiz fuhr ich zusammen mit meinem Vater in der Surprise-Klasse. Wir haben auch ein paar Regatten gewonnen. Auf Voile Gautier siegte ich mit Dubois an den Schweizer Surprise Meisterschaften, mit meinen Vater an den Mittelmeer-Meisterschaften. Ansonsten waren wir meistens auf den zweiten Platz abonniert, zum Beispiel in der Surprise-Klasse und auf Triga IV am Bol d’Or. An der Transvalmont hatten wir dann die Nase vorn. Das einzige Mal, dass ich an einer Regatta in der deutschen Schweiz teilnehmen wollte, wurde das Rennen wegen mangelnden Windes abgesagt.

Hattest du damals schon Sponsoren?
Mein erster Sponsor war Peak Performance im Jahr 1984. Er hat mich mehrere Saisons lang auf der Formel 20 unterstützt. Danach nahm ich mit Pierre Fehlmann am Merit Cup teil und fuhr anschliessend an der Mini-Transat mit. Beide Male haben mir regionale Sponsoren unter die Arme gegriffen (Trifty, Jallut Peinture, Départ Antilles). Zudem hatte ich das Glück, dass mir viele Freunde und Bekannte auf die eine oder andere Art halfen. Ich hatte bisher keinen grossen Hauptsponsor, sondern mehrere Co-Sponsoren, wie Kelly Services, Festina oder Compaq.

Du hast bereits an 9 Transatlantik-Rennen teilgenommen. War dir das für die Transat Jacques Vabre eine Hilfe?
Ja sicher, denn je mehr Meilen man hinter sich gebracht hat, desto grösser ist auch die Erfahrung. Man verbringt jedoch sehr viele Stunden an der Pinne, Manöver sind eher selten. An der letzten Transat sind Franck und ich 14 Tage, also je 7 volle Tage am Ruder gestanden. Ausschlaggebend für unseren Sieg war vor allem die Tatsache, dass wir uns sehr gut kennen und verstehen. Ausserdem verfügen wir über viel gemeinsame Erfahrung. Wir belegten bereits bei der Jacques Vabre von 1999 den 2. Platz.

An welche Regatta erinnerst du dich besonders gern zurück?
Da gibt es mehrere! Meine erste Transat am Merit Cup, als wir auf der Primagaz auf 10 Meter hohen Wellen surften, werde ich so schnell nicht vergessen. Auch die Mini-Transat für Einhandsegler auf einer 6.50 (ich habe bei der Entmastung viel gelernt!) und das Einhand-Rennen auf der Triga IV an der Route du Rhum gehören zu meinen schönsten Erinnerungen. Im Jahr 2000 habe ich auf Groupama Québec-St.Malo gewonnen. Alle diese Rennen haben für unvergessliche Erlebnisse gesorgt.

Du bist auf der Suche nach einer Million Euro für deinen 60 Fuss grossen Trimaran. Wohin orientierst du deine Suche?
Dieses Budget ist nötig um ein erfolgreiches Team für die nächste Route du Rhum und im Vorfeld vielleicht noch einen Grossen Preis aufzustellen. Ich suche in verschiedenen Bereichen, sowohl in der Schweiz als auch in Frankreich, wo ich dank meiner jüngsten Siege immer bekannter werde. In Frankreich sind die Sponsoren eher bereit Segelprojekte zu finanzieren

Welche Vorteile hat die ehemalige Foncia, die du Alain Gautier abgekauft hast?
Sie hat zwar bereits mehrere Grosse Preise gewonnen, aber ihr Kauf war vor allem in finanzieller Hinsicht eine gute Gelegenheit. Der Bau eines Bootes kostet heute um die 2,5 Millionen Euro. Das beeinflusst natürlich auch die Sponsorenbeträge. Mein Budget ist erheblich tiefer und deshalb auch für Sponsoren interessanter. Der Rumpf zum Beispiel ist der gleiche wie bei Groupama, ich habe ihn lediglich meinen Bedürfnissen angepasst.

Welches sind deiner Meinung nach die wichtigsten Regatten in den nächsten zwei Jahren?
Eindeutig die Route du Rhum und die Jacques Vabre im Jahr 2003. Neu wird auch eine Meisterschaft für Mehrrumpfboote mit einem ausgeglichenen Regattaprogramm ausgetragen. Die Zweihand-, Einhand- und Team-Transatlantikrennen wechseln sich ab. Darunter befinden sich pro Jahr vier Grosse Preise und zwei Hochseerennen, die abwechslungsweise im Norden oder Süden Europas stattfinden. Eine ideale Verteilung.

Gibt es ausser deinem Teamkollegen an der „Kaffeefahrt“ noch andere Segler, die du bewunderst?
Ich hatte das Glück zusammen mit Laurent Bourgnon zu segeln. Er muss niemandem mehr etwas beweisen. In jeder Disziplin sind ein paar ganz Grosse dabei, sei das nun Coutts, Cavard oder Dalton. Es gibt ein paar wirklich aussergewöhnliche Skipper, darunter auch Frauen, wie Ellen MacArthur.

Was vermisst du in der Schweizer Segelwelt?
Etwas mehr Engagement und politische Motivation zugunsten des Schweizer Sports. Man will Medaillen sehen, finanzielle Unterstützung für die Sportler ist aber sozusagen keine vorhanden. Die Sporthilfe reicht nicht aus um international vorne mitzumischen. In Frankreich werden die Hochleistungssportler entlöhnt, hier in der Schweiz ist man ganz auf sich alleine gestellt und gezwungen selbst eine Lösung zu finden…

Auf welchem Meer würdest du deine am liebsten Ferien verbringen?
Wenn ich überhaupt Ferien habe, dann verbringe ich sie eher auf Skis oder auf dem Motorrad. Für Kreuzfahrten habe ich später noch genügend Zeit! Ich bin viel herum gekommen und schon in wunderschönen Gegenden, wie in den Seychellen, gesegelt. Vielleicht werde ich eines Tages zu den Marquesasinseln reisen. Ich war auch oft als Begleiter tätig, beispielsweise für meinen Freund Mike Horn. Im nächsten Jahr bringe ich ihm sein Boot für die Arktik-Tour nach Sibirien!