Swiss Sailing League: Hochspannung bis zum letzten Rennen

Fotos : ©Jürg von Allmen

Der Regattaclub Bodensee gewinnt den Swiss Sailing League Cup auch 2017. Die Entscheidung fiel erst am letzten Tag des Ligafinals vor Oberhofen am Thunersee. Die Liga hat inzwischen ein Niveau erreicht, bei dem reine Amateure kaum mehr mithalten können.

Die Spannung war bereits vor dem Finale gross. Nach vier Spielrunden lagen die drei führenden Clubs der Swiss Sailing Super League 2017 nur gerade zwei Punkte auseinander. Der Regattaclub Bodensee (RCB) führte mit einem Zähler vor dem Regattaclub Oberhofen (RCO). Die Société Nautique de Genève (SNG) lag nach einem souveränen Sieg in der vierten Spielrunde auf Platz 3 und brillierte auch am Finale der Sailing Champions League in Porto Cervo mit einem dritten Platz.
Genau in dieser Topform zeigten sich die SNGSegler zum Auftakt des Liga-Finals Anfang Oktober in Oberhofen am Thunersee. Mit zwei Siegen und einem Ehrenplatz am ersten Renntag schienen die Genfer schon alles klar gemacht zu haben: Führung im Finalevent und Gewinn des Ligacups. Doch am Samstagmittag riss der Faden. Nach einem letzten Platz in Race 12 peilten sie im folgenden Rennen eine falsche Boje an und wurden disqualifiziert. Alles war wieder offen.

Showdown RCB – SNG

Der Schlusstag musste entscheiden. Während am Sonntagmorgen alle andern Teams bei einer Tasse Kaffee am Pier 17 im kleinen Hafen von Oberhofen auf Wind warteten, wetzten Julian Flessati, Tobias Rüdlinger, René Ott und Stephan Ammann vom RCB auf ihrer J/70 mitten im See bereits die Messer. Scheinbar war dies die richtige Vorbereitung für den bevorstehenden Showdown. Im zweitletzten Rennen kam es zur direkten Begegnung zwischen RCB und SNG. Julian Flessati erinnert sich: „Wir hatten uns mit dem Laufsieg in unserer zweitletzten Wettfahrt eine super Position geschaffen, während die SNG gepatzt hatte. Ausserdem wussten wir vor dem letzten Rennen, dass uns Oberhofen rein rechnerisch nicht mehr gefährlich werden konnte und fokussierten uns komplett auf die Genfer. Wir wussten: Wenn wir vor ihnen ins Ziel kommen, sind wir Meister. Glücklicherweise konnten wir uns von Anfang an vor das SNG-Team setzen und es von diesem Moment an kontrollieren.“ Das Team vom Genfersee mit Skipper Guillaume Rigot musste sich wie schon letztes Jahr im Finale den Seglern aus St. Gallen geschlagen geben. „Wir haben zwar immer Probleme bei solchen Windbedingungen, aber wir haben unser Bestes gegeben“, sagte Teamchef Nicolas Anklin. „Die Schwierigkeit am Sonntag war das Match Race gegen den RCB. Ich glaube, wir waren aggressiv und sind viel Risiko eingegangen, aber der RCB verteidigte den ersten Platz bravourös.“ Weil die SNG den Fokus auf das Duell gegen den RCB legte und die anderen Boote ziehen liess, ging auch der zweite Platz an den RCO verloren. Dieser hatte sich nach harzigem Beginn aufgerappelt und konnte sich im Gesamtklassement noch vor die Genfer setzen. Skipper Stefan Seger vom RCO zeigt sich zufrieden: „Wir sind schlecht gestartet und haben die Windlöcher und nicht die guten Dreher gefunden. Zum Glück ist es uns gelungen, für die letzten beiden Rennen den Resetknopf zu drücken und wieder bei null anzufangen.“

Rolle, Zug und ZSC steigen ab

Gewonnen wurde das Finalevent vom Thunersee Yachtclub. Stark abstiegsgefährdet hatte er das Team des Melges-24-Weltmeisters Chris Rast ins Finale geschickt, das mit einem Sieg im letzten Rennen die Seglervereinigung Kreuzlingen noch überholen konnte. Neben den Thunern schaffte es auch der Zürcher Yachtclub, dem Abstieg zu entrinnen. Er hatte den erfahrenen Match Racer Marcel Walser zur erfolgreichen Mission Ligaerhalt an den Thunersee geschickt. Opfer dieser Verstärkungen waren die Société Nautique Rolloise, letztes Jahr noch für die Champions League qualifiziert, und der Yachtclub Zug, der die bittere Pille trotz zweier Laufsiege schlucken musste. Die beiden werden vom Zürcher Segel Club in die Challenge League begleitet.

Professionalisierung in Sicht?

Natürlich gaben die Verstärkungen diverser Clubs mit Segelkoryphäen zu reden. Ist die Super League bald nur noch Arena für einige Spitzenteams der Schweizer Segelelite? Wo bleibt da der Clubgedanke? Besonders deutlich wurde diese Entwicklung bei der SV Kreuzlingen, die das Podest knapp verpasste. An den Spielrunden, an denen Tom Rüegge dabei war, klassierte sich das Team auf den Rängen 1,2,2. Ohne Tom Rüegge resultierten ein 11. und ein letzter Platz. „Wir waren von Anfang an der Meinung, dass es sich um eine Meisterschaft zwischen Clubs und nicht zwischen Einzelteams handelt und haben daher bewusst für ein gut durchmischtes Team gesorgt“, sagte Tom Rüegge, fügte aber hinzu: „Jetzt, wo wir gesehen haben, was das bedeutet, überlegen wir uns für nächtes Jahr schon ein anderes Konzept.“ Nur auf ein Topteam zu setzen scheint allerdings auch riskant. Julian Flessati hat für den RCB offenbar die richtige Lösung gefunden: „Wir hatten wie letztes Jahr ein Kader von acht Seglern, die wir mehr oder weniger in jeder Konstellation einsetzen konnten. Aus diesem Grund haben wir wohl auch das Event in Kreuzlingen gewonnen, obwohl sich ein Teammitglied am Freitagmorgen im Training so verletzt hatte, dass wir einen Ersatz auftreiben mussten. Wichtig ist, dass wir als Team auftreten. Daran arbeiten wir unter anderem mit Teambuilding-Events.“
Klar ist jedenfalls, dass das Niveau dieses Jahr von Event zu Event höher wurde. Flessati führt diese Entwicklung darauf zurück, dass immer mehr Teams auch ausserhalb der Liga auf der J/70 segeln: „Als Folge davon steigt das Niveau in Bezug auf das Bootshandling und es ist kaum noch möglich, sich damit einen Vorteil zu verschaffen. Der Fokus verschiebt sich je länger je stärker Richtung Taktik, Positionierung und Strategie. Wir sind gespannt auf nächstes Jahr!“