Swiss Sailing Super League Finals: Zittersieg für den RCB

Nach drei Saisons hat sich an der Spitze der Swiss Sailing League so gut wie nichts verändert. Vier Teams teilen sich unangefochten die vorderen Plätze… und am Schluss gewinnt der Regattaclub Bodensee (RCB). Am Saisonfinale in Versoix (GE) wäre die etablierte Hierarchie allerdings beinahe durcheinandergewirbelt worden.

43395040950_3bc2994ce9_oVor dem letzten Act der Swiss Sailing Super League wies der RCB um Julian Flessati fünf Punkte Vorsprung auf die zweitplatzierte Société Nautique de Genève (SNG) auf. Ein schönes Polster, um gelassen ins Saisonfinale zu starten, zumal das schlechteste Resultat des St. Galler Teams in dieser Saison ein vierter Platz war. Um den RCB doch noch vom ersten Platz zu verdrängen, hätte die SNG diese letzte Runde gewinnen müssen und der RCB hätte höchstens Siebter werden dürfen. Angesicht dieser auf dem Papier so klaren Ausgangslage hätte niemand auch nur einen Rappen auf ein solches Szenario gewettet. Nicolas Anklin, der Teamleader der SNG, machte sich nichts vor: „Der RCB ist seit Jahren so konstant, dass es schwierig wird, ihn dieses Wochenende noch zu stoppen.“ Zur allgemeinen Überraschung wäre es aber beinahe dazu gekommen. Die Endrunde wurde für die Favoriten zur Zitterpartie und zeigte einmal mehr, wie dicht die Flotte beieinander liegt.

Kein Raum für Fehler

180901_PM_SCL_stMoritz_82506_9957Der letzte Act der Schweizer Segel-Nationalliga schien also reine Formsache. Am ersten Tag langweilte sich sogar der Wind. Auf dem spiegelglatten Genfersee, der diese Saison ansonsten meist für hervorragende Segelbedingungen gesorgt hatte, konnte kein einziger Lauf ausgetragen werden. Nach langem Warten setzte am Nachmittag des zweiten Finaltages dann endlich ein leichter Westwind mit 1 bis 2 Windstärken ein. Die Wettfahrtleitung liess sich nicht zweimal bitten. Sie wertete insgesamt 16 Läufe. Da diese in Sechsergruppen gesegelt werden, bestritt jedes Team acht Rennen. Die jeweils nur rund fünfzehnminütigen Wettfahrten setzen ein flottes Tempo und viele Teamwechsel voraus. Bei einem solch durchgetakteten Programm hatten die Segler praktisch keine Zeit, sich zwischen zwei Läufen abzukühlen. Sie boten den Zuschauern eine packende Show. Für Regattafans ist es eine Augenweide, den technisch versierten Teams aus nächster Nähe zuzusehen, wie sie scheinbar mühelos wenden, mit perfektem Timing die Bojen runden und auch sonst praktisch fehlerfrei segeln. Die meisten Regatten werden daher mit hauchdünnem Vorsprung gewonnen. Jonas Schumacher, dem die an der Liga eingesetzten J/70 gehören, kennt die Schweizermeisterschaft der Segelclubs wie kein anderer: „Hier zu gewinnen ist ganz einfach: Man muss gut starten, ein eingespieltes Team sein und vor allem die richtige Seeseite wählen“, lautet sein Erfolgsrezept. Auf so kurzen Strecken rächt sich sogar der kleinste Fehler und Rückstände sind kaum noch wettzumachen.

Schuss vor den Bug

44296856315_6f7ebc8395_oDen heftigsten Angriff startete dann aber nicht die SNG, sondern der Regattaclub Oberhofen (RCO), der einen Punkt hinter den Genfern auf Platz drei lag. Die Segler vom Thunersee hatten einen regelrechten Lauf, verbuchten einen, zwei und dann auch noch einen dritten Sieg und gewannen die Finalrunde souverän. Dahinter fuhr die SNG Achterbahn. Sie konnte dem RCO nichts entgegensetzen, zu unbeständig war ihre Leistung. Einmal ging sie als Siegerin ins Ziel, dann bildete sie wiederum das Schlusslicht. Der Realität ins Auge sehend meinte Nicolas Anklin: „Manchmal kämpfen wir eher gegen uns selbst als gegen die anderen.“ Er wisse, dass die Genfer konstanter werden müssen, wenn sie sich ernste Siegeshoffnungen machen wollen. Schreckensminuten Genau diese Konstanz ermöglichte es den Lokalmatadoren vom Club Nautique de Versoix mit Victor Casas am Steuer, sich zwischen den RCO und die SNG auf den zweiten Platz zu schieben. Gesamtleader RCB kam indessen nicht auf Touren und mussten seine schärfsten Gegner ziehen lassen. „Der Druck wurde immer grösser“, bekannte Skipper Julian Flessati. „Wir haben nicht so oft trainiert wie geplant und mussten das Team in letzter Minute umstellen. Dadurch sind uns ungewohnte Fehler unterlaufen. Ausserdem waren die drehenden Winde schwierig zu lesen. All das hat es uns schwer gemacht. Dieser Sieg war hart erarbeitet. Da das Niveau der Teilnehmer kontinuierlich steigt, stellen wir uns auf eine schwierige nächste Saison ein.“ Beim Schlusspfiff dieser Endrunde aus 16 Wettfahrten (bei guten Bedingungen lagen auch schon über 40 drin) ging ein Aufatmen durch die Reihen des Teams vom Bodensee. Es hätte nicht viel gefehlt und der RC Bodensee hätte den Gesamtsieg an den RC Oberhofen abgeben müssen. Der hatte dem alten und neuen Schweizermeister einen gehörigen Schrecken eingejagt. Punktgleich mit dem RCO konnte der RCB seinen Sieg dank besserer Platzierungen dann doch noch über die Runden retten. Mit der SNG auf dem dritten und dem SV Kreuzlingen auf dem vierten Platz war das Führungsquartett exakt das gleiche wie 2017.
Welche Clubs wohl das Zeug dazu haben, die scheinbar feste Hierarchie nächstes Jahr zu kippen? Die SNG und der RCO werden den RCB garantiert noch mehr unter Druck setzen, aber auch andere Clubs wie der CN Versoix haben bewiesen, dass sie durchaus mit den Spitzenteams mithalten können. Was fehlt, ist lediglich noch etwas mehr Konstanz. Zudem haben sich die Aufsteiger aus der Challenge League – der Zürcher Segel Club, der Segel Club Cham und der Club Nautique de Pully – bestimmt ebenfalls Grosses vorgenommen.

Die Société Nautique de Genève schrammt nur knapp am WM-Titel vorbei

Manchmal fehlt dem Team der SNG einfach nur ein Quäntchen Glück, so geschehen Anfang September in St. Moritz. Dort kämpften am Final der Sailing Champions League die besten Segelclubs der verschiedenen Landesmeisterschaften um den WM-Titel. „Wir haben den Sieg auf dem letzten Vorwindkurs im letzten Lauf verloren, nachdem der Wind komplett zusammengebrochen war. Ob das Finale fair war, lässt sich diskutieren, aber das sind nun mal die Spielregeln“, kommentierte Nicolas Anklin, Teamleader der SNG. Kurz vor dem Ziel führten die Genfer noch, blieben dann aber in einem Windloch hängen und mussten machtlos zusehen, wie die Italiener vom Circolo della Vela Bari an ihnen vorbeizogen. „Es war eines jener Rennen, bei denen man nicht das Gefühl hat, man habe einen Podestplatz gewonnen, sondern den Sieg verpasst“, bedauerte Nicolas Anklin, der für die Schweiz immerhin WM-Silber holte!