Thomas Covill

Inzwischen hat sich die Aufregung um Ihren neuen Atlantikrekord etwas gelegt. Wie analysieren Sie ihn im Nachhinein?

Das Boot war schon am 2. Mai in New York startbereit. Ich habe aus meinem ersten missglückten Versuch im Jahr 2005 gelernt. Am 19. Juni, als ich auf das perfekte Wetterfenster wartete, war ich überzeugt, dass ich umsonst vor Ort war. Also beschloss ich einfach auf eine gute Gelegenheit zu warten. Ein erstes Tief diente mir als „Lift“. Auf dem ersten Drittel der Überquerung war ich schneller unterwegs als geplant, wahrscheinlich, weil wir das Gewicht des Bootes verringert hatten. Ich segelte in eine dichte Nebelbank, die mich bis ins Ziel begleitete. Die ersten drei Tage waren magisch. Ich hatte das Gefühl zu fliegen. Auf der Höhe von Neufundland bin ich zweimal knapp an einer Katastrophe vorbeigeschlittert. Einmal, weil ich fast mit einem Schiff zusammengestossen wäre und ein zweites Mal, weil ich mit einem Wal kollidiert bin. Mitten auf dem Atlantik hatte ich einen komfortablen Vorsprung. Dann zog das Azorenhoch über Europa auf und verbarrikadierte mir den Weg durch den Ärmelkanal. Es herrschte totale Flaute. Also bin den Küsten entlang weiter nördlich Richtung Irland gesegelt, musste dabei aber viel manövrieren. Mein Team hatte taktisch richtig reagiert; ich hatte allerdings Mühe die Entscheidung zu akzeptieren. Beim Start hatte ich mir die unterschiedlichsten Szenarien vorgestellt, doch schlussendlich entscheidet doch die Natur und dir bleibt nichts anderes übrig als dich anzupassen.

Hat das Segeln in diesen fünf Tagen trotzdem Spass gemacht?
Die Freude ist praktisch von Anfang bis Ende mitgesegelt. Ich hatte mir geschworen, dass ich die Überquerung so nehmen würde, wie sie eben kommt. Vor dem Start übt man alles bis ins Effeff. Um über sich hinaus zu wachsen, muss man dann aber etwas locker lassen und weniger berechnend segeln. Gegen Ende war ich geduldig und zuversichtlich. Als ich Irland erreichte, wusste ich nicht, ob ich gewinnen würde. In der letzten Nacht aber war mir klar, dass ich den Rekord schlagen würde. Es war ein unglaubliches Glückgefühl, das ich voll ausgekostet habe, bevor ich es im Ziel mit anderen teilte.

Was hat Sie 2005 dazu bewegt auf Rekordjagd zu gehen?
Ich wollte keine Verpflichtungen mehr haben und mich von der Orma-Klasse lossagen. Die drei Dinge, die mir am meisten Genugtuung gebracht haben, waren das Multi-Segeln, die Weltumsegelung bei der Vendée Globe und das Einhandsegeln. Was mich aber zum Segeln veranlasst hat, ist die Tatsache, dass man dabei herumkommt. Was mir eventuell fehlt, ist ein direkter Konkurrent. Doch Wettbewerb existiert auch, wenn ich gegen Segler antrete, die auf bestimmten Distanzen vor mir gesegelt sind.

Hat Ihr Duell mit Francis Joyon Sie angespornt noch mehr zu geben?
Dadurch, dass der Weg bereits geebnet ist und ich in Francis Joyons Fussstapfen trete, erhält meine Leistung erst ihre wahre Bedeutung. Der Gegner war immer jemand, der mir geholfen hat über mich hinauszuwachsen.

Welche Rolle spielt Laurent Bourgnon in Ihrer Seglerkarriere?
Ich erinnere mich an sein verschmitztes Gesicht, als er nach seiner Atlantik-Rekordfahrt im Jahr 1994 in den Hafen einfuhr. Die schwierige Aufgabe machte ihm einen Mordsspass. Mir geht es ähnlich. Er war einer der ersten, der mich am 15. Juli anrief. Als ich die Ziellinie passierte, dachte ich an ihn und an Francis Joyon. Laurent Bourgnon war für mich der Auslöser, er hat mir die Freude am Segeln vermittelt. Die Monate, in denen ich mit ihm gesegelt bin, waren für mich die glücklichste Zeit. Als ich ihm begegnete, traf ich eine Wahl fürs Leben. Seine Leidenschaft und seine Freundschaft haben mich Tag für Tag von neuem motiviert. Das Engagement, dass ich mit Leuten wie Laurent empfand, haben mir auch die Freude am Seglerberuf vermittelt.

Was halten Sie von der Entscheidung, an der Route du Rhum Boote zuzulassen?
Es ist eine echte Chance, kleine und grosse Boote teilnehmen zu lassen. Ellen MacArthur hat sie als erste gepackt. Wenn man sie sieht, glaubt man kaum, dass sie das alles geschafft hat! 60-Fuss-Boote haben genauso viel Siegeschancen wie Sodeb’O. Ich werden an der nächsten Route du Rhum mitsegeln.

Wie denken Sie über die verfahrene Situation im ORMA-Circuit?
Sie ist durch unglückliche Umstände blockiert. Die Leute, die die Macht gehabt hätten die Situation zu lösen, haben andere Prioritäten. Groupama hat das Projekt nach seinem Pech diesen Winter (Anm. d. Red.: Kenterung an der Jules Vernes Trophy) lediglich hinausgeschoben. Banque Populaire hat zwar Interesse angemeldet, baut allerdings erst sein grosses Boot. Und Monsieur de Rothschild hat beschlossen, sich an der Vendée Globe von Loïck Peyron vertreten zu lassen. Es braucht nur zwei oder drei wichtige Akteure, um ein solches Projekt zum Kippen zu bringen. Die Idee ist ausgezeichnet, allerdings bin ich mit dem angekündigten Preis nicht einverstanden. Ich denke, dass die Kosten viel höher ausfallen werden als veranschlagt. Die Teilnehmer werden durch die finanzielle Belastung ausgesiebt. Aber vielleicht ist das ja Absicht.

Wären Sie an einer Teilnahme mit (oder ohne) Sodeb’O interessiert, falls sich eine Lösung findet?
Als Segler und Sportler wäre ich zwar interessiert, aber ich bin glücklich mit dem, was ich mit Sodeb’O mache. Bis zu Route du Rhum habe ich keine Lust mich in ein neues Projekt zu stürzen. Eine der Stärken dieser Einheitsklassen würde ja gerade darin bestehen, auch Nicht-Franzosen für eine Teilnahme zu begeistern und Boote beizubehalten, die einhand gesegelt werden können. Ich bin eher dafür, dass man auch grosse Boote zulässt. Man sollte wählen können.

Sie sind auch ein begeisterter Surfer. Hätten Sie genauso viel Spass auf Booten zu segeln, die weniger gleiten als Mehrrümpfer?
Fliegende Boote sind für mich am verlockendsten. Ich mag die Geschwindigkeit und habe ein Faible für Drachen und Segelflieger. Natürliche sträube ich mich auch nicht auf Traditionsyachten zu segeln. Ich folge der angelsächsischen Philosophie, die alles respektiert, was schwimmt. Boote und Sport sind für mich ein Mittel mich zu entfalten, Menschen zu begegnen, zu reisen und gemeinsam etwas aufzubauen.