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Voiles de Saint-Tropez: Eine Schweizer Passion

Fotos : ©Gilles Martin-Raget

Am 8. Oktober fiel der Vorhang der Voiles de Saint-Tropez 2017. 4000 Segler und Jachteigner feierten dort den krönenden Saisonabschluss der Mittelmeer-Regattatour.

Die Voiles de Saint-Tropez erfüllten einmal mehr sämtliche Erwartungen. Bei abwechslungsreicher Witterung trugen die über 300 klassischen und modernen Boote in der schönen Herbstsonne Südfrankreichs spektakuläre Regatten aus. Die Schweizer waren in praktisch allen Kategorien vertreten. Sie hinterliessen sowohl bei den modernen als auch bei den klassischen Jachten einen hervorragenden Eindruck.

Nautisches Klingenkreuzen der klassischen Jachten

VST17-D6_5311Bei den klassischen Jachten konnten sämtliche Läufe gewertet werden. Während die Oiseau de Feu als 10. bei den Marconi-Jachten A gegen eine Rowdy in Bestform nichts ausrichten konnte, belegte die Carron II in der Kategorie der Marconi-Jachten B nur einen Punkt hinter der Siegerin Cholita den 2. Platz. „Das Team freut sich jedes Jahr auf die Regatten in Saint-Tropez, denn hier ist die sportliche Herausforderung am grössten“, sagte Angelo Mazzarella, der Besitzer der Carron II. Der in Genf ansässige Italiener ist ein passionierter Segler. „Ich segle schon seit vielen Jahren. Bei meinem Beitritt zur Genfer Société Nautique habe ich eines der schönsten klassischen Schiffe der Genferseeregion gekauft und dann gemeinsam mit Europ’sails ein Team aufgebaut. Die Segelmacherei kümmert sich jetzt schon seit sieben Jahren um alles Technische und um die Regatten.“ Stolz fügte er hinzu: „Die Carron II hat drei der vier letzten WMs der 8mR-Klasse gewonnen.“

Ein weiterer Achtungserfolg gelang der Tofinou 9.5 (SUI 18) Jolt von Peter Harrison. Sie landete bei den modernen Marconi-Jachten auf dem herausragenden 2. Platz, fünf Punkte hinter der Siegerin Camomille. „Ich bin zum achten Mal in Folge an den Voiles dabei. Der Anlass ist ein idealer Saisonabschluss. Ich freue mich, dass ich mit meiner Tofinou daran teilnehmen kann. In der Klasse herrscht eine tolle Stimmung und es wird auf hohem Niveau regattiert“, sagte der CEO von Richard Mille Europa, der vor acht Jahren von London mitsamt seiner Jolt in die Schweiz gezogen ist. Segeln ist sein grosses Hobby: „Ich segle ab und zu vor der Isle of Wight, wo ich ein Haus besitze, auf Schweizer Seen sowie in anderen Revieren der Welt auf einer TP 52 und einer TP 72“, so Peter Harrison.

Mariska Siegerin der Rolex Trophy

Mit vier von sieben möglichen Siegen liess Mariska von Christian Niels der Konkurrenz keine Chance und konnte die Rolex Trophy verdient nach Hause nehmen. „Ich habe die Voiles seit 2009 nicht ein einziges Mal verpasst“, betonte der Lausanner, dessen Boot in Saint-Tropez stationiert ist. „Da es sich um den letzten Saisonanlass handelt, versuchen alle, ihre Position zu festigen oder noch fehlende Punkte wettzumachen. Saint-Tropez ist wirklich ein spezieller Ort und das Spektakel auf dem Wasser einzigartig.“

Hochkarätige moderne Flotte

VST17-D7_6673Bei den modernen Jachten war die Flotte einmal mehr erstklassig besetzt. Zahlreiche Match-Race-Spezialisten und grosse Namen aus der Hochseeszene legten die Latte sehr hoch. Die Skipper trieben ihre Gegner zu Höchstleistungen an. Bei den Wallys konnten schliesslich sechs, bei den IRC vier Läufe gewertet werden.
Die Schweizer schafften es nicht in die vorderen Ränge. Inouï konnte in der IRC-A-Klasse gegen die von Franck Cammas gesteuerte Babsy nichts ausrichten und auch David Estoppey erging es auf der Ninotchka IV bei den IRC D mit einem 15. Platz nicht besser. „Als wir das erste Mal teilgenommen haben, hiessen die Voiles de Saint-Tropez noch Nioulargue. Segeln hat bei uns Familientradition“, erklärte David Estoppey. „Dieses Jahr sind drei Generationen auf dem Schiff vertreten. Mein Vater und meine Familie sind mit an Bord. Wir nehmen an vielen Regatten in der Region teil, denn das Boot hat seinen Heimathafen in Port Grimaud, aber die Voiles de Saint-Tropez gehören zu unseren Lieblingsanlässen. Durch die zunehmende Professionalisierung können wir zwar kaum noch vorne mitmischen, Freude am Segeln haben wir aber immer noch. Wir sind reine Amateure und segeln durch das Jahr hindurch auch auf dem Neuenburgersee.
“ Philipp Häfelfinger, der sich auf seiner Monique Anne IV in der Kategorie der IRC mit dem 29. Platz begnügen musste und somit deutlich hinter dem anderen Schweizer Boot der Kategorie lag (Cochise, 15. Platz), nahm es mit Philosophie: „Ich nehme seit neun Jahren mit dem gleichen Boot an den Voiles teil. Es gehörte einer älteren Person, die das ganze Leben lang gesegelt ist und von den Voiles träumte. Ich schlug ihr vor, ein Team zu bilden und ihren Traum wahr zu machen. Nach drei Ausgaben trat sie mir das Boot ab. Wir können zwar nicht an der Spitze mitsegeln, aber wir haben viel Spass. Das restliche Jahr segle ich in der Schweiz, wo ich mich stark in der Segelszene engagiere.“

Die Trophée Edmond de Rothschild geht an Renata

VST17-D6_5458Renata hatte da deutlich mehr Glück. Orel Kalomeni hatte die Jacht für die Voiles gemietet und damit sowohl die Trophée Edmond de Rothschild als auch die Trophée de la Ville de Saint-Tropez gewonnen. Wirklich überraschend kam sein Sieg nicht, denn der in Monaco wohnhafte Schweizer hatte sich mit Sébastien Col und Dimitri Deruelle prominente Verstärkung an Bord geholt. „Ich wollte einmal auf einer TP52 segeln und Saint- Tropez ist ideal dafür. Sébastien Col ist ein Freund und ein herausragender Segler. Er hat ein solides, internationales Team gebildet“, meinte Orel Kalomeni, der sonst mit seinem Team Arcora bei den Melges 20 engagiert ist. „Dieses Jahr haben wir an der EM den 4. Platz geholt und nächstes Jahr nehmen wir an der WM teil, bevor wir wieder nach Saint- Tropez kommen. Mit welchem Boot weiss ich aber noch nicht.“ Auch dieses Jahr haben die Voiles de Saint-Tropez die Erwartungen der Schweizer erfüllt. Die Resultate stimmten und die Stimmung war wie immer hervorragend. Zwei gute Gründe, nächstes Jahr wiederzukommen.


Gstaad Yacht Club Centenary Trophy: exzellenter Jahrgang Im Rahmen der Voiles de Saint-Tropez wurde wie jedes Jahr in der ersten Oktoberwoche die vom Gstaad Yacht Club organisierte Centenary Trophy ausgetragen. 16 über hundertjährige Jachten trugen die Regatta als Verfolgungsrennen aus. Darunter waren neben Stammgästen auch einige Neulinge wie die Chips, das Schwesterschiff der Olympian. Gewonnen hat die Sonderklasse Tilly XV vor Titelverteidigerin Spartan. Auf Rang 3 folgte die Linnet von Patrizio Bertelli. Er hatte eine Woche zuvor die Régates Royales de Cannes für sich entschieden.