Volvo Ocean Race

Acht Teams am Start, zehn Etappen auf fünf Kontinenten, 17 vertretene Nationalitäten und ein eindrückliches Kommunikationsbudget. Eigentlich sind fast alle Elemente vereint, damit das Volvo Ocean Race 2008-2009 dem legendären Whitbread auch erfolgsmässig das Wasser reichen kann. Aber eben nur fast alle. Denn acht Boote für eine Weltumsegelung im Team sind eigentlich ziemlich wenig, vor allem, wenn dann nur noch fünf übrig bleiben*. Fast alle auch deshalb, weil das Volvo trotz der gut aufgemachten Website, den täglich aufgeschalteten Depeschen und Filmen und dem aufwändigen Rahmenprogramm während der Zwischenstopps nicht wirklich Begeisterungsstürme auslöst. Man interessiert sich für die sportlich unbestritten ansprechende Regatta, doch irgendwie fehlt ihr das gewisse Etwas.

Unkonventionelle Streckenwahl
Am sportlichen Niveau, den ausgefeilten Klassenregeln, der Punktewertung, den In-Port-Races und der unkonventionellen Streckenführung liegt es bestimmt nicht. Und auch nicht daran, dass die Organisatoren neue Wege gehen und die Route radikal geändert haben, denn schliesslich gehört das Whitebread mit seinen fünf Etappen der Vergangenheit an. Die Organisatoren haben begriffen, dass ein von über einer Milliarde Menschen bewohnter Subkontinent für Partner interessanter ist als eine im Pazifik verlorene Insel mit vergleichsweise lächerlichen vier Millionen Bewohnern. Segelnation hin oder her, als exklusiver Absatzmarkt für Autos, Mobiltelefone und Sportbekleidung ist Australien einfach nicht gross genug.

Knut Frostad, CEO des Volvo Ocean Race und selbst ehemaliger Regattateilnehmer, schwärmt von der Weltumsegelung als „schönste Regatta der Welt“. Wahrscheinlich hat er damit sogar Recht. Seine Begeisterung ist echt und kommt von Herzen, dennoch reicht der Bekanntheitsgrad des Volvo Ocean Race kaum über Fachkreise hinaus. In einer Welt, in der jeder mit Michel Desjoyeaux oder Samantha Davis befreundet sein möchte, sind ein Torben Grael oder ein Ken Read Nobodys, die ausser Insidern niemand kennt.

Zu viele Söldner
Die meisten am Volvo Ocean Race engagierten Teams setzen sich aus internationalen Profi-Söldnern zusammen. Es gibt zwar ein paar Versuche eine nationale Identität aufzubauen, wie bei den Skandinaviern von Ericsson 3, dem russischen oder dem chinesisch-irischen Boot, aber auch dort sind in jedem Team mindestens fünf Nationalitäten vertreten. Grundsätzlich ist an dem Multi-Kulti-Prinzip nichts auszusetzen. Im Gegenteil, es hat sogar positive Aspekte, da es den bei Seglern allgemein verschmähten Lokalpatriotismus gar nicht erst zulässt und wie im America’s Cup auch Nicht-Segel-Nationen die Möglichkeit bietet dabei zu sein. Die Praxis sieht jedoch nicht ganz so rosig aus, denn die Öffentlichkeit hat Mühe, sich mit den einzelnen Crews zu identifizieren. Hinzu kommt, dass die Söldner nicht immer die besten Botschafter sind, denn sie werden bezahlt, um auf der Yacht Leistung zu bringen und für nichts anderes. Dominique Wavre, der das Whitbread viermal gesegelt ist, bestätigt diese Argumente und fügt hinzu: „Wir sollten die Regattakalender der IMOCA und des Volvo besser aufeinander abstimmen. Es ist bedauerlich, dass Weltumsegelungen teilweise parallel zueinander stattfinden. Darunter leidet natürlich auch die Medienpräsenz. Ich hoffe, dass Knut vor der nächsten Ausgabe mit uns darüber diskutiert.“

Sponsoreigene Regatta
Kritik wird auch geübt, weil das Volvo Ocean Race Eigentum des Titelsponsors und nicht eines unabhängigen Veranstalters ist. Dem Autohersteller erspart diese Konstellation die nicht immer sonderlich produktiven Verhandlungen mit verschiedenen Gesprächspartnern. Das Problem ist nur, dass dadurch nicht unbedingt alle Interessen berücksichtigt werden. Mit der Ernennung eines ehemaligen Regattaseglers zum Direktor der Regatta in der Person von Knut Frostad dürfte sich jedoch auch in diesem Bereich einiges tun. Stein des Anstosses ist aber vor allem die eigentliche Regattastruktur. Darauf angesprochen antwortete Loïck Peyron: „Ich sehe das Hauptproblem beim Preis. In Frankreich wollen die Sponsoren eine sofortige Rendite ihrer Investitionen sehen.“ Eine Einschätzung, die der ehemalige Skippers der Gitana Eighty auch gleich veranschaulicht: „Mit Regatten wie der Route du Rhum oder der Vendée Globe haben wir die Investoren daran gewöhnt, dass sie für wenig Geld viel Lärm verursachen können. Das Budget für eine Volvo-Kampagne beträgt zwischen 40 und 50 Millionen Euro. Das ist viel zu viel! Wenn die Organisatoren diesen Aspekt berücksichtigen und man bereits mit 15 Millionen ein Projekt mit echten Siegeschancen auf die Beine stellen kann, dann, so bin ich überzeugt, werden auch die Franzosen wieder vermehrt daran teilnehmen und das Rennen würde an Popularität gewinnen.“

Die aktuelle Ausgabe wird Ende Juni in St. Petersburg zu Ende gehen. Bleibt nur zu hoffen, dass die Organisatoren den diversen Meinungen Rechnung tragen und die Sache wieder ins Lot bringen, damit diese einzigartige Regatta Zukunft hat und noch lange ein Traum für jede Seglerkarriere bleibt.

www.volvooceanrace.org