Volvo Swiss Optimist Championship 2009

Wenn der Wind nicht kommen will, dann kommt er eben nicht. Und daran vermögen selbst über 180 enttäuschte Kids nichts zu ändern. Dies musste auch Wettfahrtleiter Thedi Waibel feststellen, als er sich am Sonntag Punkt 14.00 Uhr genötigt sah, die Regatta nach drei Läufen offiziell zu beenden. Viel hätte für einen vierten Lauf und eine damit gültige Schweizermeisterschaft nicht gefehlt. Doch eine Starkwindwarnung am Samstag und der einschlafende Wind am Sonntag hatten dazu geführt, dass sich der lange Tross aus Seglern, Eltern und Coaches mit einem zwiespältigen Gefühl auf den Heimweg machen musste. Zwiespältig deshalb, weil dank guter Organisation und namhafter Sponsoren auch ohne Wind zwar ein reichhaltiges Rahmenprogramm und ein randvoller Gabentisch geboten wurden, das Wichtigste, das Segeln selbst, aber doch zu kurz gekommen war.

DIRT mit sauberem Erfolg
Betrachtete man das Stimmungsbarometer nach Regattaschluss etwas genauer, so waren auf den Gesichtern der besten Deutschschweizer Optisegler durchaus auch Züge grosser Zufriedenheit und Genugtuung zu erkennen. Ein Umstand, der durch einen Blick auf die Rangliste leicht erklärt werden konnte. Mit Janina Zeder auf Rang 2, Luca Hänni auf Rang 4 und Sämi Wyler auf Rang 9 erreichten gleich drei Deutschschweizer eine Platzierung unter den Top Ten. Damit schafften sie es, die seit längerem vorherrschende Dominanz der Romands und insbesondere der SNG zu brechen. Ein Phänomen, das sich auch eine Woche später an der Punk-temeisterschaft in Zug wiederholte und deshalb nicht als „glücklicher Ausrutscher“ angesehen werden kann. Erklärbar wird das rasante Aufstreben der früher mitunter belächelten Deutschschweizer durch die in diesem Winter erfolgte Gründung der Deutschschweizer Interregionalen Trainingsgruppe – kurz DIRT genannt. Die zehnköpfige, aus den grössten Talenten der Deutschschweiz bestehende Truppe hat sich dazu verpflichtet ein intensives Trainings- und Regattaprogramm zu absolvieren, mit dem bereits im Februar begonnen wurde. Harte und zuweilen auch „schmutzige“ Arbeit soll den im Vergleich zur Westschweizer Elite eher jüngeren Deutschschweizern den Weg an die nationale Spitze ebnen und auch internationale Erfolge möglich machen. Mit der Person von Matias Bühler steht den DIRT-Seglern ein absoluter Profi als Trainer zur Seite, denn Bühler kann nicht nur eine Silbermedaille an einer Opti-WM als Segler, sondern auch eine olympische Bronzemedaille als Coach vorweisen (vgl. S. 66/67). Verantwortlich für die Gründung von DIRT sind die  beiden Deutschschweizer Vorstandsmitglieder von Swiss Optimist Hene Keller vom Thuner- und Alberto Casco vom Zugersee. Keller, der seit 13 Jahren mit den Optimisten verbunden ist, erklärt die Motivation für DIRT folgendermassen: „Weil die Welschen einfach immer einen Tick besser waren als wir, sind eben auch die Fördergelder von Swiss Sailing immer in die Westschweiz geflossen. DIRT soll jetzt das Niveau in der Deutschschweiz heben, da-mit wir künftig auf Augenhöhe sind.“ Alberto Casco, der schon der Jugendabteilung seines Heimclubs, dem SC Cham, zu professionelleren Strukturen verholfen und bei der Gründung des Sailing Teams Zentralschweiz eine tragende Rolle gespielt hatte, sieht DIRT vor allem als Teil eines Deutschschweizer Gesamtkonzepts zur Juniorenförderung. Ihm schwebt ein vierstufi ges Modell vor, wobei die Junioren zunächst in den Clubs ausgebildet und dann von den Regionen gefördert werden, bevor die talentiertesten via DIRT den Sprung in den Talentpool von Swiss Sailing schaffen. Zentral ist dabei für Casco eine verstärkte Kommunikation und Interaktion zwischen den Clubs, den Regionalverbänden und der nationalen Ebene. „Man muss immer das Ganze im Auge behalten, zusammenarbeiten und ja keine Alleingänge starten“, erklärt er.

Ersatzmeisterschaft im September
Neben den Seglern von DIRT und ihren Betreuern durfte auch Fabrice Rigot von der SNG mit seinem in Kreuzlingen erzielten Ergebnis zufrieden sein. Nach seinem knappen Sieg an der SM im letzten Jahr in Genf führte er auch nach den drei gesegelten Läufen am Bodensee die Rangliste an. Damit gelang es ihm erneut, aus dem Schatten seines erfolgreichen Clubkollegen Sébastien Schneiter zu treten und seine Stärke an nationalen Meisterschaften zu demonstrieren. Alle, die sich in Kreuzlingen unter ihren Erwartungen platziert haben oder Fabrice Rigot die Vorherrschaft an Schweizermeisterschaften doch noch streitig machen wollen, dürfen sich freuen. Vom 10.-13. September findet in Versoix am Genfersee eine Ersatzmeisterschaft statt, an der die Karten neu und hoffentlich mit mehr Wetterglück gemischt werden.
Rangliste unter: www.volvo-opti-sm.ch