Schlossherrenjacht sticht wieder in See

Text & fotos | Walter Rudin

Sechs Jahre investierte Schreiner Roger Schilter in die Restauration der Motorjacht Meggenhorn. Jetzt liegt sie wieder im Bootshaus des Schlosses am Vierwaldstättersee und kann von Gästen gemietet werden.

Schlossbesitzer Jakob Heinrich Frey liess sich nicht lumpen, als er 1926 der Bootswerft Faul in Horgen den Auftrag erteilte, eine Motorjacht zu bauen. Das 12 Meter lange, aber nur 2,5 Meter schlanke Boot wurde aus edlem Honduras-Mahagoni gebaut, die Seiten bis zur Wasserlinie gebeizt und lackiert. Alle Beschläge waren verchromt, was damals äusserst selten war. Das Deckshaus erhielt Rundbögen über den Türen und gebogene Fensterscheiben. Die Sessel im Salon waren aus feinstem Chesterfield-Leder, die Wände und Decken zierten edle Gobelins. 35 Jahre diente die Jacht dem vermögenden Seidenhändler, um seiner Familie und Gästen den Vierwaldstättersee zu zeigen. Nach dem Tod des Ehepaars Frey wurde das Schiff von der Luzerner Bootsausflugsfirma Charles Bucher gekauft, wo es vor gut zehn Jahren wegen seines schlechten Zustands ausgemustert wurde.

Voller Enthusiasmus

dsc_0091Roger Schilter kennt und liebt die Schlossherrenjacht seit seiner Kindheit. Er ist ein Enkel von Charles Bucher und hat schon vor dreissig Jahren ein Modell der Jacht gebaut. Um die Antiquität vor dem Untergang zu retten, kaufte Schilter 2009 das Boot und überführte es in eine Garage bei Mettmenstetten, wo es restauriert wurde. „Das war kein rationaler Entscheid, es war pure Leidenschaft. Die Schlossherrenjacht ist ein einzigartiges Boot, ausserordentlich schön“, schwärmt Schilter, der zugunsten seines privaten Projekts sein Arbeitspensum in der eigenen Schreinerei reduzierte. Bis auf das Skelett zerlegte er das Boot in seine Einzelteile. „Viele Holzteile am Rumpf mussten ersetzt werden. Das war nicht einfach, denn Honduras-Mahagoni steht auf der Liste der bedrohten Holzarten. Auch die vielen Kupfernieten waren schwer aufzutreiben“, so der 59-Jährige. Doch nach rund zwei Jahren und 2000 Arbeitsstunden war der Rumpf wieder zusammengebaut.

Damit war aber erst Halbzeit. Schilter musste sich jetzt entscheiden, ob er die Motorjacht nur für sich privat nutzen wollte, oder ob sie als Fahrgastschiff ausgebaut werden sollte. Ihm schwebte nämlich vor, dass die Jacht wieder auf ihren alten Platz im Meggenhorn-Bootshaus zurückkehrt, um als Gästeboot für Veranstaltungen wie Hochzeiten oder Firmenanlässe vermietet zu werden. Bei der Gemeinde Meggen, die seit 1974 im Besitz des Schlosses ist, stiess sein Vorhaben auf offene Ohren und sogar der Mieter des Bootshauses hatte ein Einsehen. Er zog sein Boot freiwillig aus dem Bootshaus ab.

Schwierige Auflagen

rumpfWer ein altes Boot als Fahrgastschiff einlösen möchte, muss die gleichen Bedingungen erfüllen wie für ein neues Boot. So will es das Schifffahrtsgesetz. Zwei Kubikmeter schwer brennbares Styropor musste Schilter im Rumpf einbauen, um das Boot unsinkbar zu machen. Die Einstiegsluken waren zu schmal und mussten aufwändig verbreitert werden – das war wahres Schreiner-Kunsthandwerk. Schilter wollte sich nicht auf die Äste hinauswagen und arbeitete früh mit den Schifffahrtsbehörden zusammen. Schon in der Garage wurde das Boot von den Inspektoren unter die Lupe genommen. „Kleine Kompromisse sind sie schon eingegangen, aber die gestellten Anforderungen waren doch hoch“, so Schilter. Für die umfangreichen Berechnungen hat er sogar einen Ingenieur beigezogen.

Unter dem Vordeck wurde ein 160 PS Yanmar Diesel-Turbomotor eingebaut. „Dieser läuft sehr ruhig, was wichtig ist, denn ein Fahrgastschiff darf nicht mehr als 70 Dezibel laut sein“, sagt Schilter. Der Antrieb erfolgt über eine acht Meter lange starre Welle und das eingebaute Bugstrahlruder hilft, dass die lange, schmale Motorjacht auch bei schwerem Wetter gut manövrierbar bleibt.

Originalzustand hergestellt

bootshaus1Roger Schilter wollte die Meggenhorn möglichst genau so herrichten, wie sie sich 1926 präsentiert hatte. Alte Fotos zeigten ihm den Originalzustand. Unzählige kleine Abänderungen wurden wieder rückgebaut. Und tatsächlich stach die Motorjacht diesen Frühling bei ihrer zweiten Jungfernfahrt beinahe so in den Vierwaldstättersee, wie sie es schon vor neunzig Jahren getan hatte.

Sechs Jahre Bauzeit, über 4000 Arbeitsstunden und mehr als 100‘000 Franken Kapital hat Roger Schilter in sein Projekt gesteckt. Lohn dafür sind die bewundernden Blicke seiner Gäste, die das Angebot nutzen und ihren Aufenthalt auf der idyllischen Schlossresidenz Meggenhorn mit einer Bootsfahrt abrunden. Schilter besitzt jetzt das Privileg, seinen Fahrgästen einen der schönsten Seen auf einer wohl einzigartigen Jacht zu zeigen – Schlossherrenfeeling inklusive.