Yacht Racing Forum: Weichenstellung für die Zukunft des Segelsports

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Das Yacht Racing Forum ist eine weltweit einzigartige Plattform, an der die Entscheidungsträger des internationalen Segelbusiness über die Herausforderungen des Regattasports debattieren. Es wird jedes Jahr vom Schweizer Bernard Schopfer organisiert und stellt die Weichen für die Zukunft. Auch dieses Jahr diskutierten Konstrukteure, Clubvertreter, Segler, Designer, Eventorganisatoren und Sponsoren am 22. und 23. Oktober 2018 lebhaft über die Entwicklungen des Hochseesegelns. Skippers fasst für Sie die wichtigsten Themen und Neuheiten des diesjährigen Forums zusammen und schliesst die Zusammenfassung mit den 20 besten Bildern des Fotowettbewerbs Mirabaud Yacht Racing Image.

America’s Cup: Labor für Forschung und Entwicklung

Photo-qui-va-avec-paragraphe-GunboatAlle Referenten zu diesem Thema waren sich einig: Der America’s Cup bündelt auch mit nur drei Challengern so viele finanzielle und personelle Ressourcen, dass bei jeder Kampagne spektakuläre Fortschritte in Technologie und Design erzielt werden, von denen anschliessend der Segelsport profitiert. Die Syndikate verfügen über beispiellose Kompetenzen und viel Zeit, um verschiedene Szenarien zu testen, die sonst nicht erforscht werden könnten.

Technologischer Fortschritt vs. menschlicher Faktor: die Suche nach dem richtigen Gleichgewicht

Laut Quentin Lucet vom Designbüro VPLP sollte es theoretisch möglich sein, an der Vendée Globe mit den IMOCA der neusten Generation vier Tage zu gewinnen. Die Frage sei jedoch, ob der Segler körperlich in der Lage ist, mit dem Tempo Schritt zu halten. Ähnliche Fragen wirft der elektronische Trimm der Foils auf. Der Konstrukteur Renaud Bañuls sieht darin ein philosophisches Problem: „Akzeptieren wir, dass der Segler zugunsten der künstlichen Intelligenz immer mehr an Bedeutung verliert?“ Er selbst hat dazu eine klare Meinung: „Es ist durchaus möglich, ein autonomes Boot zu bauen, aber der Segler sollte das Kernelement einer Regatta bleiben.“

Umstrittener Einsatz der IMOCA am Ex-Volvo Ocean Race

Das Volvo Ocean Race wird in seiner neuen Form nicht mehr nur auf VOR65, sondern auch auf IMOCA 60 gesegelt. Für die Einhandboote eröffnet sich dabei eine völlig neue Dimension. Bruno Dubois, der ehemalige Manager von Dongfeng, gibt sich skeptisch: „Es prallen nicht nur zwei unterschiedliche Klassen aufeinander, sondern zwei grundverschiedene Seglermentalitäten“, kritisiert er die Fusion. Bei einem fünfköpfigen Team verzichtet man bei den Manövern auf den Navigator, denn er ist am Kartentisch nützlicher. Faktisch bleiben also nur vier Segler übrig. In der angelsächsischen Welt bezeichnet man das nicht als Teamregatta!“

Star Sailors League: Trainingsbasis für die Segel-WM in der Schweiz

Die Gründer der Star Sailors League wollen nach dem Modell der Fussball-WM eine Segel- Weltmeisterschaft der Nationen ins Leben rufen. Am Yacht Racing Forum gab der polnische Finn-Olympiasieger Mateusz Kusznierewicz bekannt, dass sich 40 Teams für die Finalphase des National Gold Cups im Jahr 2021 qualifizieren können. Die Jachten werden von den Organisatoren gestellt. Sie dürften zwischen 45 und 50 Fuss lang sein und Ähnlichkeiten mit den RC44 haben. Stationiert sind sie an einer eigens dafür erworbenen Trainingsbasis am Neuenburgersee, die 2019 ihren Betrieb aufnehmen soll. Für den Aufbau ihrer Nationalteams erhalten die Regatteure Unterstützung von der Star Sailors League. Robert Scheidt und Torben Grael sollen bereits damit begonnen haben, eine brasilianische Mannschaft zusammenzustellen. Wer wohl für die Schweiz antreten wird?

Lorient – Les Bermudes – Lorient

Die 1979 erstmals ausgetragene Zweihand- Transatlantikregatta ohne Zwischenstopps hätte am 5. Mai 2019 ihr Comeback feiern sollen, wurde aufgrund der für die Ultimes und einige Imocas extrem zerstörerischen Route du Rhum aber auf ein späteres Datum verschoben. Die mit den neusten Technologien vollgepackten Speedboote dürften keine Mühe haben, auf den 5780 Seemeilen des strategisch offenen Kurses die alte Bestzeit von 34 Tagen zu unterbieten.

Von Virtual Regatta zum Clipper Round the World

An den grossen Regatten wie der Route du Rhum spielen jeweils hunderttausende virtuelle Regatteure das 2006 lancierte Multiplayer- Online-Game. Entwickler Philippe Guigné hört immer wieder von Spielern, die über Virtual Regatta zum Segeln gefunden haben, obwohl sie zuvor nie ein Boot gesteuert hatten. Einige brachten es sogar bis zur Teilnahme am Clipper Round the World. Videofilmer Stan Thuret untermauerte die Aussage am Forum: „Ich habe mit Virtual Regatta segeln gelernt und mir dann eine Mini-Jacht angeschafft.“

YRF18_RT0804Gunboat: auf dem neusten Stand der Technologie

Die seit zwei Jahren französische Werft Gunboat hielt am Forum einen Vortrag über die Erwartungen der Eigner an die Performance und die Sicherheit der Katamarane. Unter den Delegierten befanden sich der Besitzer eines Gunboats sowie mehrere Vertreter interessierter Käufer, was Managing Benoit Lebizay natürlich freute, aber nicht erstaunte. Er selbst lobte die Qualität der Referenten am Design- und Technologie- Symposium. Besonders beeindruckt habe ihn die Demonstration zur Strömungsmechanik. „Mir wurde deutlich vor Augen geführt, wie wichtig der Strömungswiderstand und seine Exponentialkurve auf Foilern sind, sobald sich das Boot aus dem Wasser hebt und die hydrodynamischen Kräfte nicht mehr wirken.“

Werden die Interessen des Segelsports schlecht vertreten?

Der Segelsport müsse sich besser verkaufen, lautet die Diagnose von Nathalie Quéré. Die Leiterin der AkzoNobel-Kampagne am Volvo Ocean Race und ehemalige Mitarbeiterin des früheren Alinghi-Sponsors Infonet ist überzeugt, dass Segeln in Sportmarketing-Foren und -Plattformen wie Sport Leaders oder Sport Industry vertreten sein müsste, um internationale Sponsoren zu gewinnen. Denn die braucht der Sport, um sich weiterzuentwickeln. Ein weiteres Problem sieht sie bei den vielen parallelen Regattatouren. Sie würden ein verzerrtes Bild des Segelsports vermitteln und bei möglichen Sponsoren unnötige Verwirrung stiften, so Nathalie Quéré.

SAIL in Festival in Bilbao

„Ich mag keine einfachen Sachen, ich mache sie aber gerne einfacher“, sagte Loïck Peyron an einem Workshop am SAIL in Festival in Bilbao. Das Segelfestival ist weder Regatta noch Messe, sondern zelebriert den kulturellen Wert des Segelns. Es beruht auf vier Pfeilern: Workshops, Diskussionen, Ausstellungen und Filme. Ein guter Vorwand, um im März einen Ausflug nach Bilbao zu unternehmen! sailinfestival.com