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Zebrabox stellt Ottocinque in den Schatten

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Seriensieger Alain Marchand kassierte auf dem Bodensee eine bittere Niederlage. Paul Ambroise Sevestre holte nicht nur in überlegener Manier den Meistertitel, er schnappte Marchand auch den Esse IC Cup weg. 

Wer in der Esse-850-Klasse eine Regatta gewinnen will, der muss erst einmal die Ottocinque schlagen. Seit sieben Jahren segelt Alain Marchand mit dem gleichen Team und sechsmal in Folge hat er den IC Cup, eine internationale Regattaserie der Esse-850-Klasse, gewonnen. Nur mit dem Meistertitel tut er sich schwer: Er stand zwar immer auf dem Treppchen, aber erst einmal, nämlich 2013, durfte er sich auch Schweizermeister nennen.

Verständlich also, dass er sich vor den Swiss Championships 2015 Anfang Oktober in Romanshorn am Bodensee nicht in die Favoritenrolle drängen lassen wollte. „Wir haben starke Konkurrenz, die Spitze ist sehr eng geworden, es sind etwa fünf Boote, die den Titel unter sich ausmachen werden. Besonders das Team der Zebrabox ist uns dicht auf den Fersen“, prophezeite er vor der Regatta.

Tatsächlich war es Zebrabox in dieser Saison an der European Open auf dem Gardasee gelungen, Marchand zu schlagen. Ihr Eigner Philippe Gaillard hatte auf diese Saison hin ein neues Team zusammengestellt. Neben Ivan Staub, dem Clubkollegen vom CV Lausanne, hatte er Paul Ambroise Sevestre, der mit drei Olympiakampagnen (Star, Laser, Tornado) ein reiches Palmares vorweisen kann, als Steuermann geholt. Um an das Gewichtlimit heranzukommen, wurde das Team mit dem erst zwölfjährigen Arnaud Butty ergänzt.

skippers.ch Zebrabox Esse 850

© Jürg Bollier

Zebrabox setzt zum Showdown an 

Bevor es zum erwarteten Duell kam, war erst einmal Warten angesagt. Fünf Tage lang hatte eine herrliche Bise zum Segeln auf dem Bodensee eingeladen, aber just am Morgen des ersten Regattatages schlief der Wind ein. Es blieb den Seglern nichts anderes übrig, als sich bei einem Sonnenbad am Ufer die Zeit zu vertreiben. Tags darauf gab es wenigstens ein paar Startversuche, die jedoch nichts Zählbares einbrachten. Erst am Samstag meldete sich der Wind zurück. Und Marchand legte mit einem Laufsieg standesgemäss los. Er schien sein Pulver aber schnell verschossen zu haben. Mit drei aufeinanderfolgenden Laufsiegen setzte Sevestre neue Massstäbe, während Marchand kein Podestplatz mehr gelang.

Entsprechend geladen erschien Marchands Team am Sonntagmorgen. Schon vor dem Start fightete es in bester Mach-Race-Manier mit Zebrabox, was prompt zu einem Frühstart beider Teams führte. Während Zebrabox die Startlinie nochmals passierte, fuhr Marchand weiter und fing sich einen OCS ein. Es blieb bei diesem einzigen Lauf am verregneten Sonntagmorgen und damit gab es für Marchand keine Chance mehr, sich zu rehabilitieren. Team Ottocinque fiel auf den ungewohnten vierten Platz zurück und musste sich auch im IC Cup knapp geschlagen geben, eine bittere Niederlage für Marchand. Philippe Gaillard meinte glücklich: „Der Aufwand hat sich gelohnt. Wir haben viel gemeinsam trainiert und konnten uns bei den Manövern kontinuierlich verbessern. Es ist uns gelungen, in der Esse-Klasse neuen Druck zu machen. Der Schlüssel zum Erfolg war aber sicher Paul Ambroise am Steuer des Bootes.“

Lokalmatador Daniel Schroff mit Team Sail North glaubte nicht an einen Heimvorteil, trotzdem zeigte er mit fünf ausgeglichenen Läufen, dass er mit den kniffligen Verhältnissen gut zurechtkam. Das reichte zum Vize- Meistertitel. Schroff war zufrieden: „Team Zebrabox hat sehr clever regattiert war auch in puncto Bootsgeschwindigkeit überlegen. Wir waren zu wenig schnell, um sie zu gefährden, konnten aber die Probleme mit den Segeln beheben und haben endlich den Bootsspeed wiedergefunden, der uns den ganzen Sommer gefehlt hat.“ Der überraschende Ausgang dieser Meisterschaft deutet auf eine spannende nächste Saison hin. Ottocinque musste sich zwar dieses Mal geschlagen geben, sinnt aber bestimmt auf Revanche.