Text: BRICE LECHEVALIER

Zum 20-jährigen Bestehen des Skippers-Magazins und den letzten 20 Jahren Schweizer Segelsport möchten wir 20 grossartige Schweizer Seglerinnen und Segler würdigen, die diese Zeit mit ihren Erfolgen geprägt haben. Um es gleich vorwegzunehmen: Die Liste ist nicht vollständig. Alle porträtierten Athleten haben aber etwas gemeinsam: Sie sind mindestens seit der Jahrtausendwende feste Grössen der Schweizer Segelszene und verteidigen die Farben unseres Landes entweder auf unseren Binnenseen oder auf den Weltmeeren – meist mit beachtlichen Ergebnissen. Zusammen repräsentieren sie einen Grossteil der Segeldisziplinen. Ihr Talent ist bei allen grossen Segelnationen anerkannt und hat die Schweiz aus ihrem Schattendasein befreit. Die meisten feiern weiterhin grosse Erfolge und bescheren uns hoffentlich noch lange Zeit viel Freude! Die Liste im nachfolgenden Kapitel ist umfangreicher: Sie enthält die Schweizermeisterinnen und Schweizermeister aller Klassen von 2000 bis 2020. Einige Namen sind Ihnen sicher bekannt. Ein riesiges Bravo an sie alle!

STEVE RAVUSSIN

Text: Vincent Gillioz

Enfant terrible aus Epalinges

Er gilt als eigenwillig und draufgängerisch. Seine Erfolgsliste aber zeigt, dass hinter dem Hitzkopf ein überlegter und grossartiger Segler steckt.

Als er 1998 mit einer hochseetauglich getrimmten Formel-40-Jacht (ex-Triga IV) vom Genfersee die Route du Rhum gewann, wurde Stève Ravussin in der Schweiz mit einem Schlag bekannt. Internationale Berühmtheit erlangte er mit der Kenterung des Open 60’ vier Jahre später am gleichen Rennen. Wir alle erinnern uns noch daran, wie er frisch von der Leber fluchte: «Couillon que je suis» (Was bin ich doch für ein Idiot). Das turbulente Kind aus Epalinges bei Lausanne gehört zu den wenigen Schweizern, die auf eine lange Einhand- und Zweihandkarriere auf Hochseemultis zurückblicken können. Trotz einiger Rückschläge, die ihn mehrmals fast das Leben gekostet hätten, konnte er viele Erfolge feiern, für die er bei Seinesgleichen grosse Anerkennung geniesst. Zu seinem eindrücklichen Palmarès gehören unter anderem Siege an der Transat Jacques Vabre und der Jules Verne Trophy. Als er 2010 zusammen mit seinem Teamkollegen Franck Cammas die «Trophée Marco Landolt» der Association des Multicoques de Compétition entgegennehmen durfte, meinte Stève: «Marco hat mir in meiner Karriere enorm viel geholfen, ich verdanke ihm eine Menge.»

Als Verfechter von One-DesignBooten hat sich Stève Ravussin aktiv an der Weiterentwicklung von baugleichen Offshore-Bolide beteiligt. Als die ORMA-Multis 2008 das Zeitliche segneten, startete er einen ersten Versuch, die Skipper um ein gemeinsames Projekt zu vereinen und den Rüstungswettkampf in der Hochseeseglerei zu unterbinden. Doch die Zurückhaltung der Investoren und das ausgeprägte Ego gewisser Akteure bremsten ihn aus. Kurz danach entwickelte er zusammen mit Marco Simeoni die MOD70. Sie starteten 2012 zu einer Europatour, die Wirtschaftskrise in Kombination mit weiteren Faktoren bereiteten dem Abenteuer aber ein vorzeitiges Ende. Trotzdem ist es in die Annalen des Segelsports eingegangen.

Stève Ravussin mischte mehrmals an der D35-Meisterschaft mit, unter anderem auf Zen Too, dann als Steuermann der Veltigroup. Und er legte stets Wert darauf, lokale Segler auszubilden, um den Nachwuchs auf dem Genfersee zu sichern. Aus Liebe zu den Meeren startete er Projekte, mit denen er die Vermüllung der Ozeane bekämpfte, und war mit Mike Horn in der Antarktis unterwegs. Inzwischen hat er sich aus der Hochsee-Regattaszene zurückgezogen, ist aber noch immer einer der populärsten Segler der Schweiz.


Highlights

1998 : Sieger der Route du Rhum auf einem 40-Fuss-Trimaran
2001 : Sieger der Transat Jacques Vabre mit Franck Cammas
2010 : Rekord an der Jules Verne Trophy, Teammitglied auf Groupama 3