TF35 Trophy
An der TF35 Trophy werden die Abstände zwischen den Teams immer geringer. In einem packenden Kampf setzte sich Sails of Change 8 mit Yann Guichard gegen die fünf gegnerischen Boote durch. 2025 sollen zusätzliche Teams dazukommen.
Im Vorfeld der diesjährigen Saison war eine gewisse Unruhe zu spüren. Alinghi Red Bull Racing hatte Forfait gegeben, weil sich Ernesto Bertarelli wie schon 2003 und 2007 auf den America’s Cup konzentrieren wollte. Die Eigner der anderen TF35 konnten seinen Entscheid nachvollziehen und liessen sich die Freude am Wettkampf nicht verderben. Die Organisatoren nahmen den Verzicht weniger gelassen: «Wir hatten befürchtet, dass nur zwei, höchstens drei Teams um den Sieg kämpfen würden», gestand Serie Master Bertrand Favre. Es kam zu Glück anders. «Die Rennen waren hart umkämpft und oft sehr eng.»
Dass die Teams leistungsmässig näher zusammengerückt sind, liegt grösstenteils an den technischen und technologischen Fortschritten. Letzten Winter wurden die Flugkontrollsysteme umfassend verbessert, das hat sich ausgezahlt. «Die Boote sind noch einfacher zu steuern», bestätigt Favre. «Vor allem aber sind sie viel zuverlässiger. Wir hatten praktisch keine technischen Probleme mit der Flugsteuerung. Dadurch hat sich der Abstand zu Realteam verringert. Realteam hatte das System in seiner alten Version eindeutig besser im Griff als die anderen Teams und dadurch einen erheblichen Vorsprung.»
Weniger technische Probleme bedeuten mehr Segeltage. Jüngstes Beispiel: der Youth America’s Cup in Barcelona. Die dort engagierten Teams wurden zu Kollateralopfern des katastrophalen Flottenmanagements. Die Organisatoren der vierten TF35 Trophy waren deshalb bedacht, die Zahl der Reparaturen möglichst gering zu halten. Schliesslich sollten die Teilnehmer der diesmal ausschliesslich auf dem Genfersee ausgetragenen Meisterschaft Spass haben. Insgesamt machten sechs Teams den Titel unter sich aus. «Alle waren zufrieden», verrät Bertrand Favre. Das habe das^Debriefing nach dem letzten Grand Prix, der vom 20. bis 22. September vor der SNG stattgefunden hat, gezeigt. «Die Teams wünschen sich für das kommende Jahr sogar einen Event mehr. Für mich ein klares Zeichen, dass die Klasse gut aufgestellt ist!»
Sails of Change 8 im Hoch
Im Gegensatz zu 2023, als Realteam die Meisterschaft fast nach Belieben dominierte, waren die Podestplätze dieses Jahr besser verteilt. Am Eröffungsrennen, dem TF Nyon Cup, gewann Sails of Change mit seinem Boot Nr. 1 souverän. Yann Guichard wusste, wie wichtig dieser fulminante Auftakt für das Team war. «Er hat uns das nötige Selbstvertrauen gegeben. Mit vielZuversicht konnten wir die Erfolgssträhne fortsetzen und auch die beiden Langstreckenrennen, die Genève-Rolle und die Bol d’Or Mirabaud, für uns entscheiden. Der Meistertitel war dann die Krönung.»
Die diesjährige Meisterschaft war bis zum Schluss eine hochspannende Angelegenheit. Erst am letzten Saisonevent sollte sich zeigen, ob Realstone seinen Titel verteidigen konnte oder sich seinem stärksten Rivalen, Sails of Change 8, geschlagen geben musste. Am Realstone Cup for Leman Hope blieb keine Zeit zum Aufwärmen, der Saisonsieger stand wetterbedingt bereits am Freitag fest. Am Samstag und Sonntag herrschte hoffnungslose Flaute, der See war spiegelglatt. An eine Regatta war gar nicht erst zu denken, da nützten auch die Bemühungen Wettfahrtleitung nichts. Es blieb dabei: Die drei Rennen am Freitag entschieden über die Saison 2024.
Davon profitierte vor allem Zen Too. Das junge Team von Guy de Picciotto errang seinen allerersten Sieg in der Geschichte der TF35. Skipper Loic Forestier versagte beim anschliessenden Interview fast die Stimme: «Wir haben in dieser Saison etliche Stunden trainiert und sind immer besser geworden. Die Saison so zu beenden und sogar in der Meisterschaftswertung aufs Podest zu steigen, ist wirklich genial!» Zen Too belegte hinter Realteam und Sails of Change 8 den dritten Platz. Die Teams um Jérôme Clerc und Yann Guichard lagen am Saisonende punktgleich an der Spitze. Durch das bessere Abschneiden am letzten Grand Prix stand dann aber Sails of Change 8 als Gesamtsieger fest.
Neue Dynamik im Jahr 2025
Jérôme Clerc blieb trotz der verpassten Titelverteidigung positiv. «Uns ist an diesem letzten Wochenende nicht viel gelungen», räumte der Steuermann von Realteam ein. «Sails of Change 8 und wir haben uns die ganze Saison hindurch einen harten Kampf geliefert. Das hat uns gezwungen, stets unser Bestes zu geben und unser Leistung zu hinterfragen.» Jérôme Clerc denkt vermutlich schon an die nächste Saison. Mit der Rückkehr von Alinghi Red Bull Racing und einem achten Team dürfte sie noch einen Tick heraufordernder werden. Art Explorer steht zum Verkauf und mehrere Interessenten prüfen einen Einstieg in die Meisterschaft.
«Erfreulich ist, dass sich alle Teams im Laufe der Saison kontinuierlich gesteigert haben», befand Bertrand Favre. «Ich sehe keinen Grund, warum das nicht so weitegehen sollte. Die jungen Teams waren gut organisiert, sie haben ihr Ding konsequent durchgezogen und werden auch in der nächsten Saison antreten. Vielleicht kommen neue Seglerinnen und Segler dazu, denn nach dem Ende des America’s Cups werden mehrere Nachwuchstalente mit Foiling-Erfahrung frei, die sich in ein TF35-Team integrieren könnten. Aus all diesen Gründen wird die nächste Saison bestimmt noch härter umkämpft sein und das allgemeine Niveau weiter steigen.»
Mit insgesamt acht Teams am Start ist wohl auch die Unruhe der Organisatoren verflogen. Sie brauchen sich keine Sorgen um die TF35 Trophy 2025 zu machen.