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Victor Casas, ein aussergewöhnliches Talent

von Quentin Mayerat

Victor Casas, geboren am 28. Januar 1995, segelt seit seinem sechsten Lebensjahr. 2003, als Alinghi zum ersten Mal den America’s Cup gewann, fragte ihn ein Journalist, ob er denn auch mal bei Alinghi mitmachen wolle. Seine Antwort war kurz: „Nein, ich will an die olympischen Spiele!“
Dass er das Zeug dazu hat, bestätigt sein Trainer Benoît Deutsch, der ihn seit Beginn seiner Optimisten-Laufbahn unterstützt: „Victor hat trotz seiner jungen Jahre bereits viel Erfahrung, er ist deshalb strategisch und taktisch weiter als die anderen. Er ist trainingsfleissig, konzentriert und ausserdem hat er wie kein anderer ein traumhaftes Gespür für das Gleiten auf dem Wasser!“ Deutsch ist seit 20 Jahren Trainer und ergänzt, dass er in diesen zwei Jahrzehnten ein einzig vergleichbares Talent habe fördern dürfen: Nicolas Charbonnier aus Frankreich. Dieser hat an den olympischen Spielen in Beijing bei den 470ern die Bronzemedaille gewonnen.
Auch Matias Bühler, Optimisten-Trainer des Segelclubs Cham (und zusammen mit Felix Steiger bei den 470ern auf dem Weg nach Weymouth 2012) hat Victor schon einige Male auf dem Wasser beobachtet: „Er hat eine aussergewöhnliche Übersicht über alle Faktoren auf und neben dem Wasser. Er beobachtet alles genauer als die anderen und ist deshalb so erfolgreich.“
An den diesjährigen Weltmeisterschaften der Optimisten im brasilianischen Niterói klassierte sich Victor als bester Schweizer auf Platz 31 von 211 Segler/innen. Ein Erfolg, der nicht von ungefähr kommt: Von März bis Ende November trainiert er jeweils am Montag für drei und am Mittwoch für vier Stunden. „Niterói, das war die spannendste Regatta in diesem Jahr“, meint das Talent mit einem Lächeln.
Seine Erfolge verdankt er aber auch seiner Entwicklung im mentalen Bereich. 2006 segelte er zum letzten Mal als Benjamin. Die Regatta 2006 im holländischen Workum sei hier besonders wichtig gewesen, erklärt Deutsch. Der damals 11-Jährige sei am ersten Tag miserabel gesegelt, das habe ihm zu schaffen gemacht. Doch plötzlich habe Victor sich entschieden, anders an das Problem heranzugehen. Er gewann einen Lauf und seine diffuse Angst vor den Mitsegelnden sei verschwunden. Die Resultate aus diesem Jahr belegen seinen Fortschritt deutlich: Er hat an 13 Regatten teilgenommen und 11 davon gewonnen.

Engagement der ganzen Familie
Die Eltern sind bereit, für den sportlichen Erfolg des Sohnes tief in die Tasche zu greifen. Allein die Teilnahme an den Weltmeisterschaften kostete CHF 5’500. Das Jahresbudget für eine Regattasaison bei den Optimisten beträgt ungefähr CHF 20’000, die Kosten für den Trainer sowie die Trainings und Regatten nicht inbegriffen. Dieses Jahr fördert die Sport-Toto-Gesellschaft der Stadt Genf die Segelkarriere von Victor erstmals mit CHF 1’500. Auch sein Heimat-Segelclub, der Club Nautique de Versoix, und die Association des clubs des voiles région Léman unterstützen Victor. Seit 2009 hat er auch einen Segelsponsor: J-Sails aus Polen stellt ihm pro Saison ein Segel zur Verfügung.
Das Interesse der Familie Casas am Sport ist gross: Victor’s Schwester Berta ist eine regional erfolgreiche Springreiterin. Die Familie geniesst es deshalb doppelt, dass es auch sportliche Aktivitäten gibt, die sie gemeinsam ausüben kann, wie z.B. Rad- oder Skifahren und Tennisspielen. Und auch wenn sich Juan und Isabel Casas über die sportlichen Erfolge freuen, legen sie Wert darauf, dass Sohn und Tochter auch in der Schule erfolgreich sind. Für Victor kein Problem; dem Segeln zuliebe will er sogar vermehrt Englisch lernen.
Nächstes Jahr wechselt er ins Gymnasium und absolviert sein letztes Regattajahr bei den Optimisten. Die seglerische Zukunft ist bereits in die Wege geleitet: Ab 2011 regattiert er zusammen mit Nicolas Stevenson, mit dem er auch die Schule besucht, bei den 420ern. Wie kommt es, dass jetzt schon klar ist, mit wem er zukünftig segeln wird? Der CNV habe vor einigen Jahren einen Tag der offenen Tür durchgeführt, erklärt Victor. Alle Segler hätten die Möglichkeit gehabt, eine Person mitzunehmen. „Ich habe einfach Nicolas eingeladen
– und seither segelt er auch.“ So geht das.

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