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Wassersportler vereinigt euch!

von Quentin Mayerat

© Sabine Plathen

Neben unzähligen, wunderschönen Classics sorgten auch fünf Rennkatamarane für Aufsehen. © Sabine Plathen

„Never change a running system!“, hatte Robert Hallmann letztes Jahr gesagt. Auf den ersten Blick scheint der erfahrene Segler und Organisator, der 2009 die Bodenseewoche pünktlich zu ihrem 100 Jahr-Jubiläum aus der über 35-jährigen Versenkung geholt hatte, seinem Motto treu geblieben zu sein.

Erneut schlenderten um die 70‘000 Besucher den diversen Verkaufsständen des Maritim- und Kunsthandwerksmarkts entlang, begutachteten die von Händlern an der InWaterBoatShow ausgestellten Einheiten, die klassischen Automobile sowie Segel- und Motorboote und kamen in den Genuss zahlreicher Darbietungen und Platzkonzerte, während sie via Lautsprecher über das Geschehen auf dem Wasser informiert wurden. Auch die Wasserskifahrer, Modellbootbauer und Ruderer waren wieder mit von der Partie und präsentierten in verschiedenen Shows und Wettbewerben zuschauernah ihre Sportarten.

Auffällig allerdings: Die Showmeile war im Vergleich zum Vorjahr um einiges länger geworden und spätestens ein Blick in die Meldeliste bestätigte, dass die Bodenseewoche dieses Jahr erneut gewachsen war – und dies ganz entgegen den von Hallmann im Vorjahr geäusserten Absichten. Damals war noch von „Kapazitätsgrenzen“ die Rede gewesen und davon, dass ein weiteres Wachstum wohl nur auf Kosten der Qualität zu erzielen wäre, was man unbedingt vermeiden wolle.

Die IMX 38 Mecki Messer, Ruthli und Tintenfass unter sich. © Sabine Plathen

Vielfältiges und eindrückliches Teilnehmerfeld

Die hohe Qualität des Anlasses, der sich an mediterranen Vorbildern orientiert, den Vergleich mit diesen aber längst nicht mehr zu scheuen braucht, hat sich mittlerweile weit herumgesprochen. Anfragen von interessierten Klassen abzulehnen scheint hingegen nicht die Stärke von Robert Hallmann und seinen Helfern aus den total 18 in die Organisation involvierten Vereinen zu sein.

So kam es, dass am ersten Juniwochenende bei weitaus besseren Bedingungen als vom Wetterdienst vorausgesagt anstatt der 122 Einheiten im Vorjahr über 160 klassische und moderne Boote und damit über 1000 Segler auf fünf Regattabahnen und unterteilt in 15 Klassen um Ruhm und Ehre kreuzten. Neu mit von der Partie – und mit 16 Einheiten gut vertreten – war beispielsweise die über 100 Jahre alte Klasse der J-Jollen. Aber auch die 30er Schärenkreuzer machten bei ihrem 60-jährigen Jubiläum eine gute Figur, genauso wie die 45er und 75er Nationalen Kreuzer, die ihren 100. Geburtstag feiern. Ebenfalls mit dabei waren die X99, die ihre Schweizer Klassenmeisterschaft austrugen, und mit ihnen zahlreiche weitere nach ORC gewertete Regattaboote. Für Fans von Hightech interessant waren neben den Racern aus den ORC-Klassen auch die fünf Rennkatamarane, die beim Publikum mit ihren spektakulären Manövern für Aufsehen sorgten.

© Sabine Plathen

Erfreulich aus Schweizer Sicht war, dass sich bei den Katamaranen die für die Seglervereinigung Kreuzlingen startende M2 Sonnenkönig genauso durchsetzen konnte wie in der ORC 1 Klasse die neu am Bodensee stationierte, gleichnamige Farr 400. Peter Fritischi, Steuermann der Farr 400 und Koordinator des Sonnenkönig-Teams, zeigte sich nach der letzten Wettfahrt denn auch erfreut über den Doppelerfolg des Teams, schien damit aber noch nicht ganz zufrieden: „Wir wollen auch an der Rund Um und an der ORC Europameisterschaft in Punta Ala vorne mit dabei sein“, sagte er und wirkte dabei so, als ahne er den erneuten Doppelschlag der Sonnenkönige an der Rund Um bereits voraus.

© Tobias Störkle

Begeisterte Reaktionen

Für die Bodenseewoche hatte Peter Fritschi fast nur lobende Worte übrig: „Es ist wirklich ein toller Event und es macht Spass hier zu segeln. Nur am ersten Tag hätte die Wettfahrtleitung schneller starten sollen.“ Tatsächlich hat sich die Angst, dass die gestiegene Teilnehmerzahl die Qualität des Anlasses wie von Robert Hallmann im letzten Jahr befürchtet, gefährden könnte, als unbegründet erwiesen. So war denn auch kein Segler aufzuspüren, der sich kritischer über den Event äussern mochte als Fritschi. Im Gegenteil: Der bekannte Bodenseesegler Eckhard Kaller etwa, der gerade etwas abgekämpft, aber mit dem breiten Grinsen eines Siegers im Gesicht von der 49-Fuss-Karbon-Schwenkkieljacht Wild Lady stieg, zeigte sich sogar begeistert: „Wir hatten zwar nicht viel Konkurrenz, aber wie dieser Grossanlass, an dem man unglaublich viele interessante Menschen trifft, gemanagt wird, das ist fantastisch.“

Dass Segler unterschiedlicher Klassen zusammenkommen, sich untereinander und mit Ausstellern austauschen, dabei gleichzeitig mit anderen Wassersportlern zusammenfinden und sich einem breiten Publikum präsentieren können, das macht wohl tatsächlich den Reiz der Bodenseewoche aus. Und bestimmt werden auch vom 23. bis 26. Mai 2013 viele wieder diesem Reiz erliegen.

Die Segler kamen trotz unterschiedlicher Windverhältnisse genauso auf ihre Kosten wie die Wasserskifahrer, die mit ihren Showeinlagen das Publikum unterhielten. © Markus Speissegger

Resultate unter: www.bodenseewoche.com

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