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Lagoon-Eignertreffen in Porquerolles: Die Lagoon 42 als Guest Star

von Quentin Mayerat

Text | Emmanuel Van Deth

Fotos | Emmanuel van Deth & Nicolas Claris

Die Eigner von Lagoon-Katamaranen waren vom 3. bis 6. Juni nach Porquerolles geladen. Dabei entdeckten die Teilnehmer bei lockerer Stimmung und geselligem Beisammensein die traumhafte Insel.

skippers-ipad-fr-60-64614 Katamarane und 70 Personen hatten sich zum letzten Lagoon- Eignertreffen eingefunden. Ihnen wurde im Hafen von Porquerolles sprichwörtlich der rote Teppich ausgerollt, denn die Aussenmole war grösstenteils für die Flotte reserviert. Die Insel mit ihren eindrücklichen Calanques wurde deshalb ausgewählt, weil sie für die vielen am Mittelmeer stationierten Lagoon-Katamarane einfach und schnell zu erreichen ist. Noch eine Woche zuvor hatte sich der Mistral die Lunge aus dem Hals geblasen, jetzt bewies er aber zur grossen Erleichterung der Segler Einsicht und schaltete einen Gang zurück. Fünf Lagoon 400, drei Lagoon 420, je eine Lagoon 420, 440 und 450 sowie der unbestrittene Star des Jahres, die Lagoon 42, hatten an der Mole festgemacht. Die meisten Skipper konnten der Versuchung, das Schmuckstück aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen, nicht lange widerstehen. Zugegeben, in seiner grau metallisierten Version ist der Katamaran ein echter Hingucker mit schnittigem Design. Zusätzlich zu dem bereits bei den Vorgängermodellen (52 und 39) nach hinten versetzten Rigg überzeugt er mit einem feineren Roof und aggressiveren, auch im oberen Teil voluminöseren Rümpfen. Weniger sichtbar, aber nicht minder effizient ist die Gewichtsreduktion. Schluss mit schweren Verstrebungen! Die Werft hat neue Verarbeitungsverfahren entwickelt, um die vor allem in den oberen Bereichen wie dem Roofdach, den Stützen des Aufbaus und dem Bimini doppelten Dicken zu vermeiden. Grosse, senkrechte Bullaugen geben einen wunderbaren Blick nach draussen frei und eine schöne U-förmige Küche lädt zum Kochen ein.

Performance oder Gemütlichkeit?

skippers-ipad-fr-60-647Eignertreffen sind natürlich in erster Linie eine Gelegenheit, ausgiebig zu segeln, aber auch Gleichgesinnte zu treffen und gemeinsam zu feiern. In diesem Sinne startete das Treffen auch: Die geladenen Gäste fanden sich zu einem grossen Buffet ein und eine Band sorgte für musikalische Unterhaltung.

Am Tag darauf fand ein kurzes Briefing gefolgt vom traditionellen Fotoshooting statt. Danach wurden gut gelaunt die Leinen gelöst. Die Strecke war einfach. Es galt die Insel zu umrunden, was ungefähr 15 bis 25 Seemeilen entspricht. Ich welcher Richtung spielte dabei keine Rolle. Der Wind wehte aus Westsüdwest mit 6-8 Knoten Stärke. Die gesamte Flotte entschied sich für den Gegenuhrzeigersinn – mit einer einzigen Ausnahme. Der Ausreisser krebste aber schon nach kurzer Zeit zurück und schloss sich der Mehrheit an. Beim Amwindstart setzten einige den Gennaker, um schnell wegzukommen, andere gingen mithilfe der Genua auf Position. Während eine 380er die Frechheit besass, sich an die Fersen der 440er und der 42er zu heften (die 42er wurde vom transaterprobten Jean-Pierre Fréry und vom erfah renen Regatteur und Verkaufsleiter der Werft Christophe de Kerdel gesegelt) hüllte sich die Insel plötzlich in dichten Nebel. Die Inseln Petit und Grand Langoustier verschwanden von der Bildfläche. Eine Sichtweite von weniger als 50 Metern ist in der Region höchst selten. Porquerolles ist einer der sonnigsten Orte Frankreichs. Die Situation war so ungewohnt, dass sich Fischer ohne Navigationsgerät und Smartphones nicht mehr zurechtfanden. Die Teams versuchten, ihnen aus der Patsche zu helfen und ihnen die Richtung in ihren Hafen zu weisen. Fast zwei Stunden wähnten sie sich in Irland, am Fusse furchteinflössender Klippen. Dann drehte der Wind langsam nach Süden und die Sonne kam so schnell hervor, wie sie verschwunden war. Die Lagoon, die sich nahe am Ufer befanden, waren deutlich langsamer als jene, die sich für das offene Meer entschieden hatten. Bei dieser Jagd nach frischer Brise baute die 42er ihren Vorsprung mehr und mehr aus. Während sie bei weniger als sechs Knoten Wind mit ihrer Selbstwendefock etwas Mühe bekundet, erweist sie sich bei mittelstarken Winden als äusserst spritzig und unter Gennaker sogar als schnell. Das schroffe Cap de Mèdes rundete sie deutlich vor ihren Verfolgerinnen. Nach sechs weiteren Seemeilen Kreuzen am Wind war bereits der Hafen in Sicht. Einige Segler gaben nicht auf, andere starteten den Motor und die letzten ankerten in einer Felsbucht, wo sich die Heissblütigsten ins 16 °C kalte Wasser stürzten. Auch am zweiten Abend wurden die Lagoon-Eigner wieder nach Strich und Faden verwöhnt. Nach einem gediegenen, musikuntermalten Abendessen wurden die Preise verliehen. Die meisten Teams feierten bis in die frühen Morgenstunden weiter. Am Sonntagmorgen verteilte das Team der Chemins d’Océans Croissants an die übernächtigten Segler, bevor sich diese auf den Heimweg machten. Ein Wiedersehen gibt’s nächstes Jahr, am gleichen Tag, zur gleichen Stunde und im gleichen Hafen!

Die Lagoon 42 mit Bestsellerqualitäten

Die Lagoon 42 macht viel her. Sie wirkt trotz ihrer Ausmasse weniger imposant als die 39, ist dank der nahe am Querspant verlaufenden Scheuerleiste sportlicher und besticht mit ihren „Diamant“-Steven. Seit ihrer Lancierung im Januar 2016 an der boot Düsseldorf wurde sie fast 150 Mal verkauft! Dieser Rekord lässt bisher unerreichte Absatzzahlen erahnen, ob die Lagoon aber die 800 Exemplare der 380er übertrifft, muss sich erst noch zeigen. Christophe de Kerdrel über den neuen skippers-ipad-fr-60-644Verkaufsschlager: „Die Lagoon 42 ist dank des Injektionsverfahrens leichter und somit schneller. Sie besetzt ein Nischensegment, denn die meisten Modelle sind 40 oder 44-45 Fuss lang. Ihr Volumen aber ist das eines 44-Füssers.“ Vom Aufbau der Lagoon 42 hat man einen wunderbaren Blick aufs Wasser und die drei oder vier XXL-Kabinen bieten viel Platz und Staumöglichkeiten. Auch das Deckslayout ist gelungen. Es ist aufgeräumt und überzeugt mit viel Bewegungsfreiheit und ebenen Flächen. Da der Katamaran stattliche 12 Tonnen wiegt, braucht es das durchgelattete Grosssegel und den Gennaker, um richtig in Fahrt zu kommen. Dafür erfüllt die Tragfähigkeit die Anforderungen von Hochseetörns. An den ersten Testfahrten erreichte die Lagoon 42 aber mehrmals über 16 Knoten. Für einen so komfortablen Katamaran ist das ein ziemlicher Run.

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