Sie haben den Sitz von OSM in Lausanne eingerichtet. Was hat die Stadt, was Sie in London, Barcelona oder Paris nicht gefunden hätten?
Bedingt durch meine Aufgabe für die Olympischen Spiele in London komme ich nun seit zehn Jahren regelmässig hierher. In Lausanne befindet sich nicht nur der Sitz des Olympischen Komitees, sondern auch derjenige von rund vierzig Sportverbänden. Das bedeutet, dass in dieser Stadt eine echte Sport-Business-Kultur anzutreffen ist. Wir werden die vielen Kompetenzen für die Weiterentwicklung unserer Firma gut gebrauchen können. Dieser Standortvorteil ist auch der Grund für unsere Wahl. In Lausanne sind zudem mehrere grosse Segelprojekte entstanden und hier lässt es sich gut leben.

Sir Keith Mills, Gründer von Air Miles und Präsident der Olympischen Spiele in London, ist ein Selfmademan. Er will mehrere Millionen in die IMOCA investieren. © Vincent Curutchet
Welche Erfahrung, die Sie bei den Olympischen Spielen in London gewinnen konnten, ist für OSM am wertvollsten?
Bei Olympia sind die Athleten in Bezug auf die Marken, die sie zeigen können, stark eingeschränkt. Die Sponsoren dürfen während der gesamten Dauer der Spiele nicht sichtbar sein. Trotzdem ist es möglich, für erhöhte Medienaufmerksamkeit zu sorgen, was sich positiv auf die Partner der Sportler auswirkt. In dieser Hinsicht sind Hochseeregatten ähnlich, denn die Konkurrenten befinden sich auf dem Meer und sind dort kaum sichtbar. Wir können die Mediatisierung erhöhen, auch wenn die Sponsoren nicht auf traditionellen Werbeträgern erscheinen.
Das Volvo Ocean Race und die MOD haben ihre finanziellen Ziele und die angestrebte Teilnehmerzahl nicht wirklich erreicht. Was veranlasst Sie zu der Annahme, dass es der IMOCA-Klasse besser ergehen wird?
Ich denke, dass wir uns in einer günstigeren Situation befinden als die anderen, da bereits rund zwanzig Teams startbereit sind. Es haben zwar noch nicht alle das nötige Geld aufgetrieben, aber sie sind da. Und es gibt auf jeden Fall noch sechs, sieben weitere Teilnehmer, die sich der Tour gerne anschliessen würden. Die IMOCA erzählt Geschichten von Menschen und ich glaube, dass die Öffentlichkeit genau danach sucht. Das Image, das die Einhand- und Zweihandsegler ausstrahlen, übersteigt das Vorstellbare bei weitem. Das haben auch die Zuschauerzahlen der letzten Vendée Globe gezeigt. Ich bin überzeugt, dass wir einen viel höheren Stellenwert haben als das Volvo Ocean Race.
Sie verfolgen ein kommerzielles Ziel. Die IMOCA ist aber eine Seglervereinigung, die auf demokratischem Weg Beschlüsse fasst. Kann die Klasse angesichts Ihrer Erwartungen überhaupt unabhängig bleiben?
Sicher bleibt sie unabhängig. Das zeigen auch die jüngsten, an der Generalversammlung getroffenen Entscheidungen. Wichtig ist, dass wir eng zusammenarbeiten. Die Skipper wissen genau, dass sie zur Verwirklichung ihrer Projekte Mittel benötigen und wir brauchen starke Rennställe, um die Klasse zu fördern. Wir verfolgen die gleichen Interessen und ziehen am gleichen Strang. Wir müssen richtig kommunizieren und sowohl mit den Seglern als auch mit den Eventorganisatoren, die ebenfalls unabhängig bleiben, zusammenarbeiten. Wir sind Partner.

IMOCA-Preisverleihung im Beau-Rivage Palace in Lausanne einen Tag vor Bekanntgabe der Part-nerschaft zwischen OSM und der Bootsklasse. © Vincent Curutchet
Halten Sie die jüngste Entscheidung, die Kiele und Masten zu standardisieren, für richtig?
Sie ist hervorragend. Für eine Klasse zu werben, bei der viele Boote die Regatten beenden, ist ein Vorteil. Die Sicherheit wird verbessert und die Kosten können unter Kontrolle behalten werden. Was könnten wir uns Besseres wünschen?
An der Pressekonferenz haben Sie verkündet, dass Sie ein Telekommunikationsunternehmen für eine Partnerschaft suchen, damit Ihnen jederzeit Bilder von Bord zur Verfügung stehen. Heisst das, dass Sie die Bilder auch ohne das Einverständnis des Skippers ausstrahlen können?
Unser Ziel ist es, die Regatten besser zu vermarkten und das, was sich auf dem Wasser abspielt, so zu nutzen, dass die Zuschauer auf ihre Kosten kommen. Wir suchen einen Technologiepartner, der uns beim Aufbau eines leistungsstarken Systems hilft. Die Segler haben allzu oft Besseres zu tun, als Bilder oder Texte zu übermitteln. Wir möchten ihnen diese Arbeit abnehmen, ihnen aber nichts aufzwingen. Natürlich müssen die Segler aber selbst über ihre Kommunikation bestimmen können. Wenn ein Skipper aus persönlichen, taktischen oder anderen Gründen nicht wünscht, dass etwas ausgestrahlt wird, hat er das gute Recht dazu.

V.L.N.R.: SIR KEITH MILLS, GEMEINDERAT VON LAUSANNE MARC VUILLEUMIER, FRANÇOIS GABART, STÄNDERAT PHILIPPE LEUBA UND IMOCA-PRÄSIDENT LUC TABOURDET © Vincent Curutchet
Einhand- und Zweihand-Hochseeregatten sind stark französisch geprägt. Glauben Sie wirklich, dass Sie Angelsachsen für die IMOCA begeistern können?
Alex Thomson hat an der letzten Vendée Globe gezeigt, dass sich auch ein Brite einen Platz in der Klasse verschaffen kann. Ich kenne im Übrigen mindestens fünf angelsächsische Teams, die sich uns anschliessen möchten. Es liegt an uns, die Klasse so attraktiv zu gestalten, dass wir ihr Interesse wecken. Der Amerikaner Ronnie Simpson hofft zum Beispiel, dass er für die Vendée Globe 2016 ein Projekt aufgleisen kann und seine Teilnahme wird der Entwicklung der Klasse in den USA bestimmt Auftrieb geben. Die Amerikaner lieben solche Stories. Ich bin überzeugt, dass sie sich für das neue Programm interessieren.[:en]
You chose Lausanne as OSM’s headquarters. What’s there that you might not find in London, Barcelona or Paris?
I have been coming here regularly for the last ten years because of my involvement with the London Games. Not only is Lausanne the headquarters of the Olympic Committee, but there are also some forty sports federations that are based here. It means that there is a real culture of sports business in this city, and subsequently many skills that we will need to develop our company. This is the main reason for our choice. Furthermore, Lausanne is home for several large sailing projects, and the place is rather nice too.
What part of your London Games experience is most important for OSM?
The Games are very particular insofar as athletes are very limited in terms of brand advertising; they are not allowed to display their sponsors’ logos during the whole event. It is nevertheless possible to create visibility around them, which is beneficial for the athletes’ partners. Offshore racing is somewhat similar, given that the competitors are at sea and not very visible. We can therefore bring a lot to promote sponsor visibility, even if not with traditional means.
The Volvo or the MODs have actually not achieved their goals, both in terms of financing and number of entries. What makes you think that IMOCA will do better?
I think we are in a more favourable position than the others, because there are some twenty existing teams ready to sail. They may not all have a budget for later events, but they are there. I would say that there are still at least six or seven who would like to join the circuit. IMOCA tells stories of men, and I think that’s what the public wants. Whether single-handed or with two-man crews, the image those competitors convey goes far beyond what you can imagine. The last Vendée Globe’s number of viewings has proved it. I am convinced that we have much more value than the Volvo Ocean Race.
Your goal is commercial while IMOCA is a racers association taking democratic decisions. Given this perspective, will the class keep its independence?
Of course it remains independent. The latest decisions taken in the AGM show it. The important thing is that we work closely together. The skippers are very well aware that they need means to be able to achieve their projects, and we need high performance teams to promote the class. Our interests are the same; we are playing the same tune. The important thing is to communicate and collaborate, both with the racers and event organizers, who are also independent. We are partners.
Do you think the recent decision to standardize keels and masts is right?
It is excellent. To promote a class where many more boats finish the races is an advantage. Safety is increased and costs are better controlled. What more could we hope for?
You have revealed in a press conference you were seeking a significant partnership with a telecommunications company, in order to be able to have on board images at all times. Does this mean that you can broadcast what you want without the skipper’s agreement?
Our goal is to promote the races better, and exploit what happens at sea so that the public can get more. We are looking for a technology partner who can help us implement an efficient system. Too often, sailors have better things to do than to transmit images or texts. The aim is for us to be able to take care of that without it being a hinderance for them. But it is clear that the sailors must remain masters of their communication. If for some personal reason, tactics, or other, a skipper does not wish to broadcast something, it will always be his choice.
Offshore racing, single or short-handed, is still a very French thing. Do you really think you can attract other Anglo-Saxon nations to IMOCA?
Alex Thomson showed during the last Vendée Globe that a British man has his place in the class. I know at least five Anglo-Saxon teams wishing to join us. It’s up to us to make the class most attractive for them. In particular, the American Ronnie Simpson hopes to build a Vendée Globe 2016 project, and his commitment will help the development of the class across the Atlantic. Americans like this kind of thing. I’m sure they will be interested in the programme that we have set up.