Daycruiser und Runabouts
Immatrikulationen von Motorbooten auf Schweizer Seen haben in den letzten vierzig Jahren konstant zugenommen. Seit den 1980er-Jahren, als klassische Runabouts das Bild prägten, hat sich die Flotte stark diversifiziert.
Im Gegensatz zu den Segelbooten, deren Immatrikulationen seit gut vierzig Jahren zurückgehen, zeigt die Kurve der zugelassenen Motorboote in der Schweiz seit den Achtzigern leicht, aber stetig nach oben. Motorboote werden immer beliebter. Der Markt begegnet diesem Trend mit einem zunehmend breiteren und vielfältigeren Angebot.
Zeitlose Holzboote
Auch wenn Verbundstoffe seit der Einführung von GFK-Harzen Holz im Bootsbau weitgehend verdrängt haben, ganz ersetzt haben sie es nicht. Kenner mit Sinn für Ästhetik schwören noch immer auf Mahagoni und andere Edelhölzer. Laut Markus Boesch, der in vierter Generation die gleichnamige Traditionswerft am Zürichsee
führt, ist die Nachfrage nach Holzbooten stabil.
Zwar produziert die Werft heute zehnmal weniger als noch vor fünfzig Jahren, sie hat es aber verstanden, sich dem Zeitgeist anzupassen und sich mit Präzisionshandarbeit und höchsten Qualitätsansprüchen zu be-haupten. «Wir bauen nach wie vor zwischen zwölf und fünfzehn Boote pro Jahr, alle auf Bestellung», sagt Boesch, dessen Werft in 95 Jahren über 4000 Einheiten gefertigt hat. «Für viele sind sie ein Stück Familiengeschichte und mit Emotionen verbunden. Wer mit einem solchen Boot aufgewachsen ist, führt die Tradition fort und begeistert sich meist auch für das Handwerk, das dahintersteckt.» Dass dieses Marktsegment Nischencharakter hat, bestreitet der Werftchef nicht. Doch gerade in einem wirtschaftlich starken Land wie der Schweiz ist diese Nische ökonomisch tragfähig. Holzboote seien langfristig nicht zwingend teurer als andere Boote, betont er. «Sie lassen sich restaurieren und behalten ihren Wert, ganz im Gegenteil zu Booten aus Verbundstoffen, die nach dreissig Jahren schrottreif sind. In unserer Refit-Abteilung schenken wir alten Booten neues Leben und haben alle Hände voll zu tun.»
Die ebenso namhafte und exklusive Schweizer Werft Pedrazzini produziert seit vier Generationen ausschliesslich Runabouts aus Holz. Mit nur drei Modellen im Portfolio ist sie im gleichen Nischensegment tätig wie Boesch. Pedrazzini stellt jährlich rund acht solcher Sportboote ohne Kabine her und beschäftigt dazu rund dreissig Mitarbeitende. In die gleiche Sparte ist Riva einzuordnen. Die italienische Marke hat unter anderem mit ihrem legendären Aquarama weltweite Bekanntheit erlangt. Seit 1996 produziert sie zwar keine Holzboote mehr, betreibt jedoch eine Abteilung, in der sie sich noch immer fachkundig den Riva-Klassikern aus Holz annimmt.



Neue Designs
Ausserhalb dieses traditionsbewussten Nischenmarkts hat sich in puncto Design in den letzten zehn Jahren viel getan. Die neu-en Boote sind meist sehr vielseitig einsetzbar und entsprechen dem Zeitgeist. Gerade oder negative Steven ersetzen die schlanken Stufenrümpfe klassischer Sportboote. Ebenso sind die abgeschrägten Dächer grosszügigen Panorama-Aufbauten gewichen, in denen man gut geschützt ist und über mehr Platz und Komfort verfügt. «Diese neuen Designs erlauben eine bessere Raumnutzung», erklärt Balthazar Witzig, Geschäftsführer des Genfer Motorboothändlers Genevaboats. «Mehrere Marken sind auf den Trend aufgesprungen. Fjord (Anm. d. Red.: eine ursprünglich norwegische Werft, die um die Jahrtausendwende vom deutschen Sportboot- hersteller HanseYachts übernommen wurde) war Vorreiter dieses Stils. Saxdor, Pardo und De Antonio zogen nach. Sie alle haben Week- ender und Kabinenkreuzer im Sortiment, die aus dieser Bewegung hervorgegangen sind.» In jüngster Zeit hat sich ein weiteres Gestal- tungselement breit durchgesetzt: Bei immer mehr Modellen lassen sich die Bordwände des Cockpits vor Anker zu einer grossen Badeplattform herunterklappen.
Verbrennungsmotoren bleiben die Regel
Im Gegensatz zur Autoindustrie haben sich bei Motorbooten alternative Antriebe bislang nicht durchgesetzt. Dank leichterer Materialien und optimierter Rumpfdesigns sind Verbrenner heute allerdings deutlich sparsamer als früher. Balthazar Witzig weiss, wo der Schuh drückt. Er führt die die Dominanz der klassischen Antriebe auf zwei Probleme zurück: «die Reichweite der Elektromotoren und die fehlende Infrastruktur in den Häfen». Für Kanäle oder Gewässer mit Tempolimit seien E-Motoren durchaus sinnvoll, betont er, «für andere Anwendungen stossen sie jedoch an ihre Grenzen.»
Wie diese Beispiele zeigen, passt sich die Motorbootbranche den Erwartungen der Kundschaft an. Sie entwickelt sich dem Zeitgeist entsprechend weiter, ohne ihre Grundprinzipien zu verleugnen. Foiler, an denen vor allem für den gewerblichen Einsatz geforscht wird, sind noch nicht in den Katalogen zu finden.
Aber die Dinge könnten sich schneller ändern als gedacht.
Eine Auswahl an spezialisierten Werften:
Genfersee
Chantier naval de Corsier Port: corsier-port.com. In dieser Traditionswerft am Genfersee sind in den 1950er-Jahren zahlreiche Motorboote vom Stapel gegangen. Sie baut und restauriert heute noch fachkompetent Motorboote, verfügt über ein Trockenlager und bietet Wartungsarbeiten an.
Prestige Marine: prestigemarine.ch. Der Westschweizer Händler von Boesch-Booten kümmert sich um deren Unterhalt und betreibt ein Trockenlager.
Zürichsee
Boesch Motorboote: boesch.swiss. Hauptaktivität von Boesch ist der Verkauf ihrer prestigeträchtigen Runabouts. Ausserdem führt die Werft fachkundige Restaurationen in bester Qualität durch. Sie kümmert sich ausschliesslich um Holzboote, entweder aus eigener Fertigung oder anderer Marken wie Riva.
Yachtwerft Portier: portier-yachts.com. Das breite Dienstleistungsspektrum der Werft reicht vom Verkauf vieler verschiedener Bootsmodelle, auch mit alternativem Antrieb, über die Restauration sämtlicher Boote bis hin zum Trockenlager.
Zugersee
Weiss Yachts: weissyachts.ch. Das Team um Damian Weiss geniesst in der Segelszene hohes Ansehen, restauriert und wartet aber auch klassische Motorboote.
Neuenburgersee
Bois Marine: bois-marine.ch. Eggers Nachfolger Stéphane Allemano, hat mit einigen äusserst gelungenen Restaurationen von Motorbooten wie Riva-Runa-bouts auf sich aufmerksam gemacht. Er betreibt ebenfalls ein Trockenlager.

