Fotos : © Pierrick Garenne

Unglaubliche Entstehungsgeschichte
Die Geschichte der touristischen Erschliessung der Küste ist einmalig und hebt sich deutlich von der Entwicklung der restlichen Insel ab. 1962 erwarb Prinz Karim Aga Khan IV im Nordosten der Insel einen 30 km2 ha grossen und 25 km langen Küstenstreifen für 25‘000 Dollar. Er soll nicht gewusst haben, was er da kaufte, sondern dem Rat eines Freundes gefolgt sein, der die Region als Geheimtipp anpries und auch schon eine Idee im Kopf hatte. Man könnte doch an dieser zerklüfteten, mit Calas, Inseln und kleinen Eilanden übersäten Küste ein Paradies für die Reichen errichten… Damals waren die klassischen Wünsche der VIPs noch ziemlich einfach gestrickt. Sie wollten Strände, schöne Hotels, Boutiquen und hohe Temperaturen, weshalb vor allem die italienische Westküste und die Côte d’Azur hoch im Kurs standen. Karim Aga Khan, das geistige Oberhaupt der ismailitischen Schiiten, Sohn von Prinz Ali Khan und 49. Imam der religiösen Gemeinschaft, investierte die Bagatelle von 600 Millionen Euro in den Bau gigantischer und luxuriöser Hotelkomplexe. Dazu engagierte er die besten französischen und italienischen Architekten wie Jacques Couëlle, der das Hotel Cala di Volpe mit seinen 121 Zimmern entwarf (Zimmerpreis pro Nacht ab 1800 ¤) oder Luigi Vietti, den Designer der Privatvilla des Investors und des Feriendorfes Porto Cervo. Für die damalige Zeit war der Stil recht modern. Auf Anweisung des Bauherrn mussten die eher niedrigen ockerfarbenen Gebäude vollständig in die Granitlandschaft des Küstenstrichs integriert werden. Wenn wir ehrlich sind: Das Resultat ist doch sehr gelungen. Keine Umweltsünden, keine grellen Farben, aber dafür eine Architektur mit geschwungenen, harmonischen Linien, versteckten, schattigen Gässchen und einer überall präsenten Vegetation mit Kakteen, Palmen, Yuccas und Eukalyptusgewächsen. Das Konzept stimmte und lockte Stars wie Elizabeth Taylor, Daphné Guinness, Ringo Starr, Prinzessin Grace von Monaco, Aristoteles Onassis und die Familie Agnelli an. Ein letztes, aber sehr wichtiges Detail: Der Jetset liebt das Strandleben und kristallklares Wasser, aber noch mehr liebt er das Cala-Hopping. Deshalb wurden in dieses touristische Konzept die beiden Marinas Porto Cervo und Porto Rotondo integriert. Und auch hier ist Masslosigkeit die Regel. Je grösser und protziger, desto besser!
Von Cala zu Cala

Ich war da!

Die Costa Smeralda muss man wirklich gesehen haben. Prinz Aga Khan IV hatte einen guten Riecher, als er diesen scharfen Cocktail aus den Gaben der Natur, gezielt integrierten Gebäuden und geschützten Parkanlagen mixte. Die Calas lösen durch ihre Schönheit jene Unbekümmertheit aus, die Wohlhabenden eigen ist. Viele lassen sich von diesem Gefühl berauschen und legen sich eine eigene Jacht zu. Es ist nicht unangenehm, in diese Welt der Superlative einzutauchen. Die Costa Smeralda steht unbestritten für das Bilderbuchsardinien aus dem Reisekatalog mit seinen weissen Sandstränden und vom Wind geformten Felsen. Wer ein paar Kilometer ins Landesinnere vordringt, entdeckt aber ein anderes Sardinien. Eines mit riesigen Weinbergen, sagenumwobenen Nuraghi (Steinbefestigungen aus der Bronzezeit), Korkeichenwäldern und Granitbergen. Auch das gehört zur Costa Smeralda! Und da gewesen zu sei, lohnt sich allemal.

PORTO CERVO, HOCHBURG DES JETSET UND DER LUXUSJACHTEN © Pierrick Garenne