Französisch-Polynesien
Französisch-Polynesien ist flächenmässig etwa so gross wie Europa, besteht aber zu weniger als zehn Prozent aus Landfläche. Der Rest sind Meer und Lagunen. Wegen des allgegenwärtigen Wassers ist die Inselregion im Südpazifik seit der Entdeckung durch europäische Seefahrer Sehnsuchtsort vieler Ozeanreisenden. Die Postkartenregion mit ihrer jahrtausendealten Kultur gilt als ultimatives Törnparadies.
Französisch-Polynesien ist ein französisches Überseegebiet mit einer Landfläche von lediglich 4200 Quadratkilometern, verteilt auf 118 Inseln und Atolle, von denen die meisten unbewohnt sind. Sie liegen weit verstreut über nahezu 5 Millionen Quadratkilometer rund um den Wendekreis des Steinbocks, mitten im Pazifischen Ozean. In einem Umkreis von etwa 6500 Kilometern gibt es nichts als Wasser, erst dann trifft man im Westen auf Australien, im Nordosten auf Kalifornien und im Südosten auf Chile. 16 000 Kilometer trennen die Hauptstadt Papeete auf Tahiti von Paris, von wo aus die fünf Archipele der «Collectivité d’outre-mer» zentralistisch verwaltet werden. Jeder von ihnen besitzt eine eigene Identität. Ebenso vielfältig wie die Kultur ist die geologische Beschaffenheit der Inselwelt und folglich ihre Natur. Sie erzählen auf ein-drückliche Weise die Entstehungsgeschichte der Vulkaninseln und Atolle.



Den Norden Französisch-Polynesiens bilden die sagenumwobenen Marquesas, wo Jacques Brel und Paul Gauguin ihren Lebensabend verbrachten. Südlich davon befindet sich der Tuamotu-Archipel mit den geografisch dazugehörigen Gambierinseln. Sie erstrecken sich über fast 1500 Kilometer vom Nordwesten Tahitis nach Südosten. Daran grenzen die Gesellschaftsinseln, unterteilt in die Inseln über dem Winde und die Inseln unter dem Winde. Zu Ersteren gehören Tahiti, Moorea und Tetiaroa, zu Letzteren Bora Bora, die «Perle des Pazifiks», die Vanilleinsel Taha’a und die heilige Insel Raiatea, die lange als Wiege der polynesischen Kultur galt. Ganz im Süden schliesslich liegen wie auf einer Perlenschnur aufgereiht die sieben Austral-Inseln.
Teil des polynesischen Dreiecks
Im Grunde genommen ist Französisch-Polynesien nur ein «künstlicher» Ausschnitt des weit grösseren Polynesiens, auch bekannt als polynesisches Dreieck. Eckpunkte dieses Kulturareals, das auf einer gemeinsamen Abstammung und damit auf einer geteilten Identität beruht, sind Neuseeland, Hawaii und Rapa Nui, besser bekannt als Osterinsel. Die Bevölkerungen dieses zusammenhängenden Siedlungsgebiets fühlen sich angesichts ihrer gemeinsamen genetischen, sprachlichen und kulturellen Wurzeln eng miteinander verbunden. Da sie sich dennoch in vieler Hinsicht voneinander unterscheiden, hat jede Kultur im Lauf der Zeit ihre eigene Ausprägung gefunden.
Heute weiss man, dass sich die Ausbreitung der polynesischen Bevölkerung über mehrere Jahrhunderte hinweg in verschiedenen Wellen vollzogen hat und in den weit auseinanderliegenden Regionen eigenständige Kulturen entstanden sind. Auch in Französisch-Polynesien entwickelten sich eigene gesellschaftliche Strukturen und Traditionen, die sich nicht zuletzt aufgrund der grossen Entfernungen von Archipel zu Archipel deutlich unterscheiden können.
Kulturelles Kaleidoskop
Um diese Unterschiede zu verstehen, muss man wissen, dass die Region vor der Ankunft der Europäer alles andere als homogen war. Obwohl die ersten Seefahrer bereits im 16. Jahrhundert auf den Inseln landeten – Magellan stiess 1521 zufällig auf die Tuamotu-Insel Puka Puka – wurde Tahiti offiziell erst 1767 durch den Briten Samuel Wallis entdeckt. Kurz darauf erreichten auch Bougainville (1768) und Cook (1769) die Inseln. In der Folgezeit rivalisierten die grossen europäischen Kolonialmächte um Einfluss auf die verschiedenen einheimischen Clans und «Königreiche», die über das Gebiet herrschten. Erst nach jahrzehntelangen Machtkämpfen zwischen den Besiedlern entstand die geografische Einheit Französisch-Polynesien, wie wir sie heute kennen. 1880 fiel Tahiti offiziell an Frankreich, 1901 wurde schliesslich ganz Französisch-Polynesien administrativ in das französische Kolonialreich integriert. Die im neuen Überseegebiet vereinten Kulturen sind bis heute einzigartig geblieben und machen noch immer seinen wahren Reichtum aus.
Der Ozean als starkes Band, die Geschichte als Kompass
Die untrennbar mit dem Meer verbundene Kultur Französisch-Polynesiens konnte sich dank der grossen Entfernung zu den westlichen Metropolen bis heute bewahren. Obschon sich die Fachwelt noch immer über Ursprung und Chronologie der grossen Migrationsbewegungen streitet, herrscht Einigkeit darüber, dass die paradiesischen Inseln einst von einem aussergewöhnlichen Seefahrervolk besiedelt wurden. In ihren Doppelrumpf-Pirogen, ohne moderne Instrumente, allein ge-
leitet von Sternen, Vögeln, Wolken und Wellen, überquerten sie unermessliche Distanzen und schufen über Millionen von Quadratkilometern hinweg ein faszinierendes, durch den Ozean verbundenes Netz kleiner Gemeinschaften, das Abenteuerhungrige und Menschen mit Fernweh in seinen Bann zieht. Die Polynesierinnen und Polynesier haben dieses wertvolle Erbe über die Jahrhunderte hinweg lebendig gehalten. Mit zeitgemässer Infrastruktur und Technologie setzen sie den Dialog mit dem Meer fort. Diese einzigartige Lebensader und Inspirationsquelle eröffnet Segelnden ein unvergleichliches Revier: ein Mosaik aus türkisblauen Lagunen, üppig bewaldeten Bergen und schiffbaren Riffpassagen.



Faszinierende Unterwasserwelt
Zu den Naturschätzen, die Polynesien zu einem Segelparadies machen, gehört zweifellos die faszinierende Tierwelt. In den Gewässern des Archipels tummeln sich 23 verschiedene Wal- und Delfinarten. Neben Orcas, Schweins-, Schnabel- und Zwergwalen begegnet man hier Auch dem grössten Meeressäuger der Welt, dem Blauwal. Der unbestrittene Star bei Touristen und Einheimischen ist jedoch der Buckelwal. Zwischen Juni und November ziehen die Giganten in die warmen Küstengewässer Polynesiens, um sich zu paaren und ihren Nachwuchs zur Welt zu bringen. In dieser Zeit sind die majestätischen Tiere gut zu beobachten.
Traumhafte Segelbedingungen
Segeln in Französisch-Polynesien ist eine der reizvollsten Möglichkeiten, das pulsierende Herz des Südpazifiks abseits der Touristenmassen und der klassischen Routen zu erleben. Das gemässigte tropische Klima sorgt das ganze Jahr über für angenehme Bedingungen. Die beste Zeit für gemächliche Segeltörns ist die Trockenzeit von Mai bis Oktober, wenn der Südostpassat für beständige Winde sorgt und das Wetter stabil bleibt. In der Regenzeit von November bis April ist etwas mehr Vorsicht geboten, denn dann besteht das Risiko von Wirbelstürmen, Auch wenn diese meist moderat ausfallen. Viele Fahrtensegelnde beschränken sich auf die Gesellschaftsinseln Tahiti, Moorea, Raiatea, Huahine, Taha’a und natürlich Bora Bora. Da sie maximal 50 Seemeilen voneinander entfernt liegen, kann je nach Erfahrung auf Sicht oder zwischen den geschützten Lagunen gesegelt werden. Sie bieten nicht nur Schutz vor Schwell, sondern auch viele Ankerplätze. Ein Törn durch dieses zauberhafte Inselreich ist für Neulinge ebenso reizvoll wie für erfahrene Segelnde. Es verspricht eine Fülle unvergesslicher Zwischenstopps vor idyllischer Kulisse. Besonders lohnenswert ist Tupai. Die unbewohnte Insel in Herzform gehört zur Gemeinde Bora Bora und gilt als romantischstes Atoll der Welt, darf aber nur mit Sondergenehmigung betreten werden. Die grössten Jachthäfen und Clubs befinden sich auf Tahiti, Moorea, Bora Bora und Raiatea, doch auch auf anderen Inseln wie Huahine und Taha’a gibt es gute Ankermöglichkeiten und kleinere Hafenanlagen. Raiatea gilt als «Segelhauptstadt» Französisch-Polynesiens. Ihr gut angebundener Inlandflughafen macht sie zum idealen Ausgangspunkt für einen Törn zu den Inseln unter dem Winde. Hier konzentriert sich die grösste Zahl nautischer Dienstleister und Versorgungsmöglichkeiten. Neben Werften, Segelmachereien, Tankstellen und Supermärkten werden mehrere Charterbasen betrieben. Besonders gut ausgestattet und sicher ist die Marina Apooiti bei Uturoa. Wer sich eine Auszeit gönnen möchte, sollte dem Kraftort Marae Taputapuātea einen Besuch abstatten. Dem spirituellen Zentrum Polynesiens wird nachgesagt, dass es die Energiereserven wieder füllt.
Die Perlen der Gesellschaftsinseln
Nicht weit entfernt liegt Bora Bora, der Inbegriff des Tropenparadieses. Überragt vom Mont Otemanu birgt die «Perle der Karibik» mehrere Ankerplätze. Man kann sein Boot vor dem Hauptort Vaitape, am Motu Toopua oder an der Ostküste gegenüber den auf Pfählen erbauten Luxusbungalows vertäuen. In der Lagune ist jedoch Vorsicht geboten: Wer unbeschadet durch die zahlreichen Korallenriffe und engen Passagen navigieren möchte, sollte sich nicht allein auf das GPS verlassen, sondern zusätzlich die Seekarten zu Rate ziehen. Bestimmte Bereiche sind zudem Privatbesitz oder geschützt. Zufahrtsverbote und andere Vorschriften müssen unbedingt beachtet werden, denn nur so bleibt das empfindliche Ökosystem erhalten. Weniger bekannt, aber ebenso lohnend sind Huahin, Taha’a und die anderen Inseln des Archipels. Sie konnten ihre Ursprünglichkeit weitgehend bewahren und werden daher bei Segelnden, die Authentizität suchen, als Geheimtipp gehandelt. Huahine und Fare begeistern durch grossartige Liegeplätze, Taha’a, die ihre Lagune mit Raiatea teilt, durch viel lokalen Charme und ruhige Ankermöglichkeiten zwischen Vanilleplantagen und Perlenfarmen. Nur 17 Seemeilen von ihrer Schwesterinsel Tahiti entfernt entzückt Mooreau mit unberührter Natur. Sie ist weniger gut erschlossen als die Hauptinsel und wegen ihrer spektakulär schönen Ankerplätze besonders beliebt. Ihre grossen Buchten Cook und Opunohu bieten selbst bei starkem Wind sicheren Schutz. Opunohu mutet dabei besonders friedlich an. Umgeben von steilen Felshängen und üppiger Vegetation wirkt sie wie aus einem Werbeprospekt.





Grenzenlose Entdeckungen
Ein Törn in Französisch-Polynesien, egal ob auf den Gesellschaftsinseln oder anderen Archipelen, zwischen denen rund zwanzig Schoner und zahlreiche Kreuzfahrtschiffe verkehren, ist eine zutiefst sinn liche und spirituelle Erfahrung. Jede Insel hat ihren eigenen Rhythmus, ihre eigenen Traditionen und von Göttern geschaffene Landschaften und doch sind alle vom gleichen Geist beseelt. Er kommt in der gelebten Gastfreundschaft, dem Respekt vor dem Ozean und der lebendigen Erinnerung an die Vorfahren zum Ausdruck.
Nützliche Infos
Beste Reisezeit
Die trockene, kühlere Jahreszeit dauert von Mai bis Oktober. Während des restlichen Jahres herrscht feuchtes, heisses Klima, mit gelegentlicher, aber moderater Wirbelsturmgefahr.
Anreise
Die klassische Anreise erfolgt per Flugzeug zum internationalen Flughafen Tahiti-Faa’a. Er wird aus Paris oder aus den USA mehrmals wöchentlich von Air France, Air Tahiti Nui und French Bee angeflogen. Natürlich erreichen Sie Französisch-Polynesien auch mit dem Boot.
Segeln
In Französisch-Polynesien sind die Gezeiten schwach ausgeprägt, die Strömungen hingegen stark, vor allem in den sogenannten «Passes». Besondere Vorsicht ist bei hohem Wellengang geboten. Meist sind die Riffpassagen gut markiert und mit aktuellen Karten, einem zuverlässigen GPS und der nötigen Vorsicht gut befahrbar.
Heiva i Tahiti
Der 1881 ins Leben gerufene Tanz- und Gesangswettbewerb ist eines der ältesten Festivals der Welt und der kulturelle Höhepunkt im polynesischen Kulturkalender. Er findet alljährlich im Juli statt und wird von Ende Juni bis Mitte August von zahlreichen weiteren Veranstaltungen wie Wettkämpfen traditioneller Sportarten, Pirogen-Regatten und Kunsthandwerk-Ausstellungen begleitet.
Vorbereitung auf einen Polynesien-Törn
- Formalitäten: Einreisehäfen sind Papeete (Tahiti), Raiatea oder Bora Bora. Sofort nach der Ankunft muss man sich bei der Wasserpolizei und beim Zoll melden.
- Karten: Der GPS ist zuverlässig, trotzdem gilt es wachsam zu bleiben. Die Riffpassagen sind in der Regel gut markiert. Der Katalog des französischen hydrografischen Amts (Service Hydrographique et Océanographique de la Marine, kurz Shom) umfasst 81 Karten für Französisch-Polynesien. Sie sind auf data.shom.fr abrufbar. Der Sehr umfassende maritime Führer für Französisch-Polynesien Moana, guide de la mer wird seit 1996 in einer jährlich aktualisierten Version vom Creaprint-Verlag herausgegeben. Er erscheint zwar nur auf Französisch, ist aber am vollständigsten und wird in Papierform aufgelegt. Die älteren
Ausgaben sind bis 2023-24 zudem digital auf creaprint.pf erhältlich. - Versorgung: In Tahiti, Raiatea, Moorea und Bora Bora kann man sich mit allem Nötigen eindecken. Für die kleineren Inseln sollten Sie genügend Proviant und Ersatzteile mitnehmen.
- Umwelt: Achten Sie darauf, keine Riffe zu beschädigen und möglichst wenig CO2 zu produzieren. Machen Sie wo vorhanden an Ankerbojen fest. Viele Gebiete stehen aufgrund ihrer Artenvielfalt unter Naturschutz.
- Internet und Kommunikation: Lokale SIM-Karten von Vini oder Vodafone bieten eine gute Netzabdeckung, insbesondere rund um die grossen Inseln.
- Sicherheit: Im Notfall verwenden Sie den mobilen Seefunkdienst, Kanal 16. Sie werden direkt mit der Such- und Rettungsdienststelle JRCC oder anderen Booten in der Nähe verbunden
Für – massgeschneiderte Reisen und/oder Törns: