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America’s Cup Neapel 2027: zwischen Hightech und Reformen

von Jean-Christophe Guillaumin

Der 38. America’s Cup wird 2027 in der Bucht von Neapel ausgetragen. Im Spannungsfeld zwischen technologischer Kontinuität mit den fliegenden Einrumpfbooten AC75, neuen Regeln und dem Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit will die älteste internationale Sportveranstaltung ein neues Kapitel aufschlagen. Für die teilnehmenden Teams, darunter das Schweizer Tudor Team Alinghi, beginnt die Reise nach Neapel bereits in weniger als zwei Monaten.

America’s Cup 2027: Kontinuität und neue Impulse

Vor der eindrucksvollen Kulisse des Vesuvs und der Bucht von Neapel verspricht der 38. America’s Cup ein spektakuläres Setting für einen der weltweit anspruchsvollsten Wettkämpfe. Die Ausgabe Sommer 2027 markiert eine neue Etappe in der Entwicklung dieser Regatta, die 1851 ins Leben gerufen wurde und somit die älteste noch bestehende Regatta ist.

Auch wenn die Veranstaltung nach wie vor ein einzigartiges Technologie-Labor des Segelsports ist, möchten die Organisatoren einige Auswüchse früherer Cup-Ausgaben begrenzen. Das Ziel ist klar: Innovation fördern und gleichzeitig die Kosten senken, einen ausgewogeneren Wettbewerb zwischen den Teams gewährleisten und Rechtsstreitigkeiten vermeiden, die für sämtliche Beteiligten kostspielig sind und ihrem Image schaden.

Neue Governance für mehr Stabilität

Eine der bedeutendsten Veränderungen betrifft die Governance des Wettbewerbs. Künftig arbeiten mehrere grosse Teams enger zusammen, um einen gemeinsamen Rahmen für die Zukunft des Cups zu definieren. Dieser kooperative Ansatz soll dem Cup mehr Stabilität verleihen – ein wichtiger Schritt für einen Wettbewerb, der in der Geschichte oft von komplexen Verhandlungen zwischen Titelverteidiger und Herausforderern geprägt war.

Dieser Wille zur Zusammenarbeit soll auch dazu beitragen, den America’s Cup nachhaltiger zu gestalten. Durch die gezielte Begrenzung bestimmter technologischer Entwicklungen und die verstärkte Nutzung gemeinsamer Ressourcen sollen sowohl der ökologische Fussabdruck als auch die Kosten der Kampagnen reduziert werden. In einem Sport, in dem die Jagd nach Leistung oft eine Vielzahl von Prototypen sowie eine aufwändige Logistik mit vielen Transporten bedeutet, steht dieser Ansatz für ein spürbares Umdenken.

Die AC75 bleiben das Herzstück des Spektakels

Auf dem Wasser ist die grosse Neuerung – paradoxerweise – die Kontinuität: die AC75. Dank ihrer Foils heben diese Einrümpfer aus dem Wasser ab und «fliegen» förmlich über die Wellen. Auch im letzten Teil des America’s Cup werden sie wieder zum Einsatz kommen.

Diese spektakulären Boote erreichen Geschwindigkeiten von über 50 Knoten und haben das Erscheinungsbild moderner Regatten revolutioniert. Eindrückliche Geschwindigkeiten treffen dabei auf eine neue strategische Dimension, sodass Manövergenauigkeit und ein effizientes Energiemanagement an Bord heute oft über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Um das technologische «Wettrüsten» einzuschränken, wurden die technischen Bestimmungen für die kommende Ausgabe jedoch angepasst. So werden bestimmte Komponenten standardisiert und die Entwicklungsmöglichkeiten begrenzt, um die Kosten zu senken und gleichzeitig einen faireren Wettbewerb zu garantieren.

Auch ökologische Aspekte rücken stärker in den Fokus, wie etwa der Energieverbrauch der Team-Basen oder die Logistik der internationalen Kampagnen.

Auftakt 2026 mit den AC40

May 27, 2025. Louis Vuitton 38 America’s Cup. America’s Cup trophy and Louis Vuitton trophy in Naples.

Bevor der America’s Cup 2027 in Neapel entschieden wird, beginnt die aktive Wettbewerbsphase bereits im Mai 2026. Die erste Vorbereitungsregatta findet vom 21. bis 24. Mai vor Cagliari (Sardinien) statt.

Gesegelt wird dabei auf AC40 – kleineren, aber ebenso spektakulären Foiling-Einrümpfern, die den Teams als einheitliche Trainingsplattform dienen. Diese Boote sind zwar kompakter als die AC75, ermöglichen es den Teams aber ebenso, ihre Automatismen und Strategien unter realen Wettkampfbedingungen zu trainieren.

Am 22. und 23. Mai stehen acht Flottenregatten auf dem Programm. Das Finale am 24. Mai umfasst schliesslich drei weitere Flottenregatten sowie ein abschliessendes Match Race zwischen den beiden besten Teams.

Wie bereits bei der 37. Ausgabe werden die AC40 auch diesmal den Nachwuchs- und Frauenteams die Möglichkeit bieten, sich in einem eigenen America’s Cup zu messen.

Alinghi setzt auf eine langfristige Strategie

In diesem neuen Kontext präsentiert sich Tudor Team Alinghi als eines der strukturiertesten Projekte im Feld. Nachdem es mit seinen Siegen 2003 und 2007 Geschichte geschrieben hat, strebt das Schweizer Team nun eine solide langfristige Kampagne an.

Teil dieser Strategie ist die Partnerschaft mit dem Uhrenhersteller Tudor. Ziel ist dabei nicht nur, im America’s Cup wieder ganz vorne mitzumischen, sondern ein Team aufzubauen, das sich langfristig dort etablieren kann.

Die Société Nautique de Genève, die den Schweizer Herausforderer stellt, baut dabei auf eine Kombination aus erfahrenen Kräften und jungen Talenten. In einem Wettbewerb, in dem technologisches Know-how von zentraler Bedeutung ist, werden die Stabilität der Teams und die Kontinuität der Projekte zunehmend zu Schlüsselfaktoren.

Neben den Schweizern kämpfen vier weitere Teams um den Sieg: der neuseeländische Titelverteidiger, der englische Challenger of Record, das italienische Team Luna Rossa sowie das französische Projekt Team K-Challenge.

Verfolgen Sie die Ereignisse auf www.americascup.com

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