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ASO bläst zum Angriff

von Quentin Mayerat

© Jean-Marie Liot

Die ASO (Amaury Sport Organisation) bringt eine Menge Erfahrung in der Organisation grosser Sportveranstaltungen wie der Rallye Dakar oder dem Velorennen Tour de France mit. Letztes Jahr hat das Sportmanagement-Unternehmen sozusagen von heute auf morgen die Durchführung der Tour de France à la Voile übernommen. Sie hat sich vorgenommen, die Segeltour zu einem Sommer-Highlight zu machen. Nach dem „Leerlauf“ im letzten Jahr wartet die ASO dieses Jahr mit vielen Verbesserungen auf und bringt auch die nötigen Mittel mit, um ihre Pläne zu verwirklichen. „Wir haben zwei Ziele“, erklärt Baptiste Kern, der Direktor des Anlasses. „Wir wollen die Qualität des Teilnehmerfelds erhöhen, indem wir Stars aus dem Segelsport dazuholen, gleichzeitig aber das Wesen der Tour, das in der Teilnahme von Amateuren, Studenten und Cracks besteht, beibehalten. Dieser Aspekt macht die Identität des Wettkampfes aus. Wir werden deshalb auch unser Möglichstes tun, damit die Schulen zurückkommen. An Land organisieren wir ein Volksfest mit einem Rahmenprogramm für Gross und Klein, Familien und Feriengäste.“ Zudem ist eine Werbekarawane wie bei der Velotour geplant und an den Stränden werden spezielle Aktivitäten angeboten. „Die Städte, in denen wir Halt machen, verfügen alle über schöne Strände. Dort sind wir dieses Jahr auch anzutreffen“, bestätigt Baptiste Kern.

Wiederholungstäter: Ville de Genève-Carrefour Addiction ist ebenso wie Bienne Voile auch dieses Jahr an der Tour de France à la Voile dabei. Videos von der Regatta auf Skipper.tv © Jean-Marie Liot

Ehrgeiziges Projekt

So beschrieben mögen die Ziele etwas hoch gegriffen erscheinen, vor allem wenn man bedenkt, dass es anderen Organisatoren mit dem gleichen Vorhaben nie gelungen ist, die Regatta zu dem zu machen, was sie verdient hätte. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass die ASO solid und erfahren genug ist, um die Dinge zu ändern und den Event von ihrem aussergewöhnlichen Fachwissen profitieren zu lassen. „Die Mobilität gehört zu unseren Stärken“, betont Baptiste Kern. „Wir wissen aus Erfahrung, wie ein qualitativ hochwertiger Event mit mehreren Etappen auszusehen hat.“ Auf dem Gebiet des Segelsports räumt der Tourdirektor bereitwillig fehlende Kenntnisse ein, präsentiert aber sogleich eine Lösung: „Da wir die Regatta zu einer Referenz machen möchten und die sportliche Glaubwürdigkeit entscheidend ist, haben wir uns für diesen Aspekt die Kompetenzen des französischen Segelverbands gesichert.“

ASO will dem Tourdorf zu neuer Dynamik verhelfen. © Jean-Marie Liot

Auch die Internationalisierung der Tour wird nicht vernachlässigt: Die Tourstopps in Breskens, Holland, und in Rosas, Spanien, dürften dazu beitragen, die stark französisch geprägte Regatta auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt zu machen.

Die Wünsche der Segler berücksichtigt

Die Teams freuen sich natürlich über den hochmotivierten Organisator. „Man spürt, dass sie sich voll für das Vorhaben einsetzen“, sagt etwa Elodie-Jane Mettraux, die Skipperin der Ville de Genève-Carrefour Addiction. „Wir haben an den meisten Regatten der M34-Saison wie am Spi-Ouest France Leute der Tourorganisation angetroffen. Das ist der Beweis, dass sie alles tun, um die Szene kennenzulernen.“ Der Wille, den Wünschen der Segler Rechnung zu tragen, sei deutlich spürbar, lobt die Leiterin des Centre d’Entraînement à la Régate. „Sie haben sich die Meinungen angehört und entsprechende Massnahmen getroffen. Weitere sollen dieses Jahr folgen. Es wird vielleicht nicht alles ideal sein, aber die Einstellung ist sehr positiv und unterscheidet sich stark von derjenigen der letzten Organisatoren.“

Von links nach rechts: Jean-Baptiste Durier, Yann Le Moenner, Daniel Souben, Franck Cammas, Thomas Coville und Baptiste Kern © P. Ballet

Das Rahmenprogramm kann sich sehen lassen. Sogar Konzerte sind geplant. © Jean-Marie Liot

Das Ziel, ein hochkarätiges Feld aufzubieten, ist bereits jetzt erreicht. Auf der Teilnehmerliste stehen Namen wie Franck Cammas, Corentin Douget, Thomas Coville oder Nicolas Troussel. Was die Teilnahme der Amateure und Studenten anbelangt, so müssen hingegen noch langfristige Lösungen gefunden werden. Nur gerade fünf der dreizehn gemeldeten Teams sind Amateure. Studententeam ist sogar gar keines dabei. Der Wechsel zur M34 vor drei Jahren hat viele Teams entmutigt. Dass das Boot nicht sonderlich beliebt ist, macht die Situation auch nicht gerade besser. Trotzdem sind die meisten der Ansicht, dass ein erneuter Wechsel zum jetzigen Zeitpunkt ungelegen käme und man sich besser damit abfinden sollte. Baptiste Kern hält „eine Tour de France mit 20 bis 25 Booten“ dennoch für vernünftig. Die Zukunft wird zeigen, ob das im Bereich des Machbaren liegt. Momentan kann sich jedenfalls kein Regattaveranstalter damit rühmen, die Teilnehmerzahl zu erhöhen. Damit steht die Tour de France mit ihren Problemen also nicht allein da.

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