Anfang Juni ertönte in Valencia der Startschuss zur Route des Princes, der neuen Europatour für Mehrrümpfer. Neun Boote hatten sich hinter der Startlinie der Regatta aufgereiht. Ihre Veranstalter haben sich in den Kopf gesetzt, sie als Referenz im Programm der Hochseeregatten zu etablieren.

Nur vier der sieben gebauten MOD70 haben diese Europatour bestritten. Eine befand sich in den USA, zwei weiteren fehlte das nötige Geld. © Mark Lloyd
Nach der Course de l’Europe, die von 1985 bis 1999 im Zweijahresrhythmus ausgetragen wurde, kommt die Route des Princes im relativ flauen Umfeld der Disziplin wie gerufen. Die letzte Austragung ihrer Vorgängerin hatte sich nach dem Aus der ORMA nie wirklich erholt und beschränkte sich fortan nur noch auf zwei Etappen: von Genua nach Benalmádena (ESP) und von dort nach Lorient. Gewonnen hatte damals Loïck Peyron auf Fujicolor II.
Darauf hatte MOD-Präsident Marco Simeoni für „seine“ Boote im Jahr 2013 ein Rennen von ähnlichem Format auf die Beine gestellt. Den Sieg holte sich kein geringerer als Michel Desjoyeaux. Trotz des unbestrittenen sportlichen Interesses schaffte es die Regatta nicht, sich zu profilieren. Da kein Hauptsponsor gefunden werden konnte, hatten die Organisatoren keine andere Wahl, als sich mit einem minimalen, aber qualitativ hochstehenden Service zufriedenzugeben.
Die nötigen Mittel für hohe Ziele
Dieses Jahr könnte sich das Schicksal wenden. Prince de Bretagne, eine Gemüsemarke, die 2500 Landwirte aus der nördlichen Bretagne vertritt, hat viel Geld investiert, um ihre hochgesteckten Ziele zu erreichen. Jean-François Jacob liess am Start seiner Begeisterung freien Lauf: „Das ist die Frucht vieler Monate Arbeit“, sagte der Vizepräsident der Firma. „Wir wollen mit dieser Regatta Seefahrer und Landwirte zusammenbringen. Beide sind typische Bevölkerungsgruppen der Bretagne. Ich glaube, dass es Sinn macht, Geschichten von Menschen verschiedener Lebensräume zu erzählen. Wir werden nach dieser ersten Ausgabe Bilanz ziehen und erst dann entscheiden, ob wir 2015 weitermachen. Unser Ziel besteht aber klar darin, den Event alle zwei Jahre zu organisieren.“
Rémi Duchemin, CEO von OC Sport, dem operativen Organisator der Route des Princes, freut sich über die Zusammenarbeit. „Der Entscheid, diese Regatta auf die Beine zu stellen, fiel relativ spät, nämlich erst an der Pariser Bootsmesse von 2012. Dadurch blieb uns sehr wenig Zeit, um das Ganze zu entwickeln.“ Es sei aber alles glatt gelaufen. „Die Geschäftsleitung von Prince de Bretagne liess uns freie Hand. Sie haben sehr hohe Qualitätsanforderungen, vertrauen uns aber. Während des gesamten Prozesses mussten wir nur zehn Sitzungen einberufen. Sie haben alle ihre Versprechen gehalten und waren unglaublich motiviert.“

Valencia wieder im Segelfieber: Die Route des Princes konnte die Infrastrukturen des America’s Cups nutzen. In Valencia profitierten die Teilnehmer bei den Inshore Races von hervorragenden Bedingungen. © Dominique Leroux
Zur Premiere, zu der MOD70, Multi50 und Ultime zugelassen waren, sind neun Boote angetreten. Michel Desjoyeaux und Stève Ravussin mussten wegen eines zu knappen Budgets auf eine Teilnahme verzichten und die MOD Nummer 2 befindet sich in den USA. Bei den Multi50 haben sich nur fünf Einheiten zur Stelle gemeldet. Berücksichtigt man die sehr uneinheitliche Klasse, ist diese Zahl aber gar nicht so schlecht. Enttäuschend ist hingegen die Beteiligung bei den Ultime. Lionel Lemonchois vertritt mit seinem neuen 80-Fuss-Maxi, der vom Namenssponsor des Rennens unterstützt wird, als einziger diese Kategorie. „Klar hätte ich mir gewünscht, dass weitere Ultime mitmischen. Doch sie sind nicht gekommen. Das ist bedauerlich, aber man muss damit leben. Unser Interesse hier zu sein wird dadurch aber nicht geschmälert. Wir sind noch dabei, das Boot zu erkunden und müssen uns steigern. Momentan sind die MOD70 bei bestimmten Bedingungen schneller als wir. Wir betrachten sie deshalb als unsere direkten Konkurrenten.“ Bei Prince de Bretagne bedauert man die Situation, nimmt sie aber mit Philosophie: „Unsere Rollen als Partner der Regatta und als Bootssponsor dürfen nicht durcheinandergeraten“, sagt Jean-François Jacob. „Unser Hauptanliegen besteht darin, einen Event zu organisieren, der nicht nur von allen Teilnehmern, sondern auch von den Zuschauern an Land geschätzt wird. Lionel Lemonchois profitiert auf jeden Fall, denn er kann das Boot verbessern und sein Hauptziel bleibt die Route du Rhum.“
Eine Chance für alle Klassen
Lalou Roucayrol sieht das Projekt ebenfalls positiv. Der Skipper der
Multi50, dem jüngsten Spross der Arkema-Klasse, über die Route des Princes: „Es ist zwar schade, dass wir nur vier sind, denn in der Bretagne segeln wir regelmässig zu fünft bis zu siebt, aber die Budgets sind sehr unterschiedlich und nicht alle haben die nötigen finanziellen Mittel für eine Teilnahme.“ Er ist der festen Überzeugung, dass die 50-Füsser in der Welt der Hochseeracer ihren Platz haben und hofft, dass die Klasse mit der Zeit einheitlicher wird. „Die Betriebsbudgets sind sehr erschwinglich. Wir hoffen, dass wir uns ähnlich etablieren können wie die Class40 bei den Einrümpfern.“
Am Start wurde den Teams ein aussergewöhnlicher Service geboten und sowohl die Segler als auch das Publikum konnten die Infrastrukturen des America’s Cups nutzen. In der Hochseeszene, in der sich noch immer viel um die Route du Rhum dreht, muss die Geschichte der Route des Princes erst noch geschrieben werden. Sie bietet den Offshore-Racern auf jeden Fall aber eine gute Gelegenheit, sich neu zu erfinden.




