Skippers

🏛 » Eine 34. Ausgabe mit schiefen Tönen

Eine 34. Ausgabe mit schiefen Tönen

von Quentin Mayerat

Trotz der wenigen Challenger ist die Bucht von San Francisco diesen Sommer und im September Schauplatz des Louis Vuitton Cups und des 34. America’s Cups. Nach dem tragischen Todesfall im Team Artemis Anfang Mai waren Zweifel über die Austragung des Wettkampfes aufgekommen. Das Syndikat von Paul Cayard hatte sich nur schwer von der Kenterung erholt und Luna Rossa hatte sich vorbehalten, sich aus dem Rennen zurückzuziehen, falls das Reglement nicht entsprechend angepasst wird.

Ausserdem hat sich die Umsetzung der neuen, nach dem Drama im Mai eingeführten Sicherheitsmassnahmen als äusserst kostspielig erwiesen. Grant Dalton, dessen Team ETNZ von Sponsoren und nicht von einem milliardenschweren Mäzen getragen wird, kritisierte die Situation offen und machte geltend, dass er nicht die Möglichkeit habe, „den Boss anzurufen“, um einen Zuschuss zu bekommen.

© Gilles Martin-Raget

Ungünstige Wirtschaftslage

Die schwierige Konjunktur ist natürlich mit ein Grund für den fehlenden Erfolg des Cups. Und auch die Wahl des Bootes, das sich als viel teurer herausgestellt hat als erwartet, sowie die Masslosigkeit des Ganzen sind mitschuldig am mässigen Interesse. Russell Coutts höchstpersönlich musste zugeben, dass die AC72 ein Fehlgriff sind und die Kosten viel zu stark in die Höhe treiben.

In der amerikanischen Presse ist zu lesen, dass sich die Stadtregierung von San Francisco von den Organisatoren übers Ohr gehauen fühlt. Das Interesse der Zuschauer wird wegen der kleinen Anzahl Teams wohl nicht sonderlich gross sein und die von der Stadt getätigten Investitionen können bei einem geringen Zulauf nicht rentabilisiert werden.

Russell Coutts und Larry Ellison befinden sich nicht wirklich in einer idealen Ausgangslage, um ruhig an den Wettkampf heranzugehen. Sie stehen stark unter Druck. Grant Dalton und Patrizio Bertelli, die keine Gelegenheit auslassen, um mit dem Finger auf den Defender zu zeigen und zu beklagen, was aus dem AC Cup geworden ist, sind ihnen da auch keine Hilfe. Ein Blick auf die Geschichte des Cups zeigt jedoch, dass es sich nicht um einen Einzelfall handelt. Konflikte hat es in der 150-jährigen Saga schon immer gegeben. Im Louis Vuitton Cup ist der Mangel an Challengern allerdings eine Premiere.

Regattaprogramm

Round Robin: 7. Juli bis 4. August
Louis Vuitton Halbfinal: 6. bis 14. August
Louis Vuitton Final: 17. bis 30. August
Red Bull Youth America’s Cup: 1. bis 4. September
America’s Cup Final: 7. bis 21. September

© Gilles Martin-Raget

Team Tilt, ein Quäntchen Schweiz am AC Cup

Es segelt zwar kein Schweizer Syndikat am America’s Cup mit, aber das Team Tilt verteidigt die Schweiz am Youth America’s Cup, der im Vorfeld des grossen Wettkampfs Anfang September ausgetragen wird. Das von Alex Schneiter zusammengestellte und von Lucien Cujean angeführte Team profiliert sich als eine der besten Mannschaften am Start. „Unsere Stärke liegt in unserem Trainingsprogramm. Es ist sehr komplett, da wir auf D35, M2, A-Cat und Extreme 40 segeln“, erklärt Alex Schneiter, bevor er anfügt: „Wenn ich eine Schwäche nennen müsste, wären das die fehlenden olympischen und WM-Titel unserer Segler.“ Dieser Mangel ist allerdings nur beschränkt relevant, viel wichtiger nämlich ist der Teamzusammenhalt.

Die grösste Konkurrenz der Schweizer ist von den Australiern und den Neuseeländern zu erwarten. Alex Schneiter ist zuversichtlich und sehr zufrieden mit der Entwicklung des Projekts. „Das Team muss noch lernen, in gewissen Situationen seine ungestüme Energie zu zügeln, aber sonst hat es bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Wir freuen uns, diesen Sommer wieder auf einer AC45 zu segeln.“

CHALLENGERS

© Gilles Martin-Raget

Artemis Racing

– Royal Swedish Yacht Club
– Präsident: Torbjörn Törnqvist
– CEO: Paul Cayard
– Design: Juan Kouyoumdjian
– Afterguard: Iain Percy, Nathan Outteridge, Loïck Peyron

Artemis Racing ist der Challenger of Record. Er galt anfangs als seriöser Kandidat, der auch die nötigen Mittel mitbringt, um Oracle zu entthronen. Je weiter das Projekt und die Vorbereitung voranschritten, desto mehr Mängel zeigten sich aber im Team des Ölmagnats Torbjörn Törnqvist. Durch den dramatischen Tod von Andrew Simpson im Mai wurde die Situation des Syndikats zusätzlich erschwert. Obwohl Paul Cayard den America’s Cup seit über zwanzig Jahren mitprägt, wird der Kalifornier den Cup dieses Jahr wohl kaum gewinnen.

© Gilles Martin-Raget

Luna Rossa Challenge

– Circolo della Vela Sicilia
– Präsident: Patrizio Bertelli
– COO: Matteo Plazzi
– Design: Roberto Biscontini
– Afterguard: Francesco Bruni, Massimiliano Sirena, Paul Campbell-James

Luna Rossa Challenge hat eng mit ETNZ zusammengearbeitet. Das Team war während eines Grossteils der Vorbereitungen in Neuseeland stationiert. Da es als einziger Challenger nur eine AC72 gebaut hat, zählt das italienische Syndikat aber nicht zu den Favoriten. Bertelli ist und bleibt trotzdem eine der starken Figuren des America’s Cups. Er lässt keine Gelegenheit aus, seine Meinungsverschiedenheiten mit dem Defender kundzutun, wie beispielsweise nach dem tödlichen Unfall auf Artemis. Der Chef von Prada ist zu keinem Kompromiss bereit und knüpft seine Teilnahme an klare Bedingungen.

© Gilles Martin-Raget

Emirates Team New Zealand

– Royal New Zealand Yacht Squadron
– Direktor: Jim Farmer
– Generaldirektor: Grant Dalton
– Design: Guillaume Verdier/Pete Melvin
– Afterguard: Dean Barker, Ray Davies, Adam Beashel

Die zweifachen America’s-Cup-Sieger aus Neuseeland werden als haushohe Favoriten gehandelt. Sie sind als einziges Syndikat nicht von einem reichen Mäzen abhängig. ETNZ wird hauptsächlich von Sponsoren finanziert und verfügt über ein ausreichendes Budget, um den Amerikanern Konkurrenz zu machen. Das Syndikat von Grant Dalton hofft deshalb auch, die Silberkanne auf die südliche Erdhalbkugel zurückzuholen. Dalton will den America’s Cup im Fall eines Sieges mehr öffnen und wieder zu den Einrümpfern zurückkehren.

DEFENDER

© Gilles Martin-Raget

Team Oracle USA

– Golden Gate Yacht Club
– Präsident: Larry Ellison
– CEO: Russell Coutts
– Design: Mario Caponnetto/Scott Ferguson/Michel Kermarec
– Afterguard: James Spithill, John Kostecki, Darren Bundock

Nach seinem Sieg über Alinghi am 33. America’s Cup in Valencia hat Team Oracle einen gerechten und vor allem erschwinglichen Wettkampf versprochen, an dem mindestens zehn Teams teilnehmen. Mit Ausnahme des erfolgreichen Konzepts der AC45 war der Defender jedoch komplett auf dem Holzweg. Theoretisch hat er zwar noch immer einen soliden technologischen Vorsprung auf die Challenger, könnte sich aber gewaltig verspekuliert haben. Es deutet vieles darauf hin, dass er mit dem Lauf der Dinge überfordert ist.

Dans la meme categorie