RC44
Skippers konnte in Schweden auf dem Schweizer Boot Black Star Sailing mitsegeln. Fast zwanzig Jahre nach ihrer Gründung durch Russell Coutts wächst die Einheitsklasse weiter und spricht immer mehr Owner-Driver an. Wir haben nach den Gründen geforscht.
Beim Mittsommerfest schmücken sich die Schwedinnen und Schweden mit Blumen. Das nordische Volk feiert ausgelassen den längsten Tag des Jahres, die Liebe und das Leben. Auf der Insel Marstrand fällt diese Zeit traditionell mit dem Stelldichein der RC44-Flotte zusammen. «Ich freue mich sehr, die Klasse in diesem typisch schwedischen Dorf und dem besonderen Archipel von Marstrand willkommen zu heissen», begrüsste Gastgeber Torbjörn Törnqvist von Artemis Racing die Anwesenden. Zum diesjährigen Anlass vom 24. bis 28. Juni hatten sich zwölf Teams eingefunden, drei mehr als im Vorjahr. Skippers wurde von der Klassenvereinigung eingeladen, sich vor Ort ein Bild über die Dynamik der von Russell Coutts und dem Slowenen Andrej Justin initiierten RC44 zu machen. Ihr Erfolg reisst auch zwanzig Jahre nach dem Bau der ersten Einheiten im Jahr 2005 und der Lancierung der Klassenwettkämpfe zwei Jahre später nicht ab.



In Marstrand schlug sich das Schweizer Team Black Star Sailing gut. Der rote Spi mit schwarzem Stern von Christian Zuerrer trat erstmals 2019 an der GC32 Racing Tour in Erscheinung. Seit diesem Jahr mischt der Zürcher zudem bei den Cape 31 mit. Bei den RC44 ist er seit vier Jahren dabei. In dieser topbesetzten Rennserie Fuss zu fassen ist kein leichtes Unterfangen. Die Wettfahrten sind eng, jeder Patzer wird sofort bestraft. Trotz der starken Konkurrenz hatte sich Zuerrer vorgenommen, sein Team in der oberen Hälfte der Rangliste zu klassieren. Dieses Ziel vor Augen machte er vor dem Start des schwedischen Events unmissverständlich klar: «Wir müssen unsere Starts verbessern!» Offenbar hat die Ansage gewirkt. Die meisten Starts gelangen Black Star ganz gut. Dass es dann doch nicht ganz für eine obere Platzierung reichte, lag nicht an der Konstanz, sondern an einem Ausrutscher. Der elfte Platz im zweiten Lauf kam die Schweizer teuer zu stehen. Sie wurden in der Endabrechnung Siebte, punktgleich mit Ceeref Vaider (SLO). Wie gesagt: In der RC44-Klasse ist das Feld so dicht, dass schon ein, zwei Fehler mehrere Plätze kosten können. Wie anspruchsvoll die RC44 sind, zeigte sich an den Bahnmarken. Nicht selten wurden sie vom gesamten Feld innerhalb einer Minute passiert. An den Bojen wurde in reiner Match-Race-Manier gekämpft, da ging es schon mal zur Sache. Am zweiten Regattatag ereigneten sich gleich drei Kollisionen. Für Artemis Racing endete der Crash mit einem klaffenden Loch im hinteren Steuerbordbereich. Die Organisation ist jedoch auf solche Fälle vorbereitet. Nach einer Nacht in der technischen Zone war der Schaden repariert. Auch für die Segel steht ein Express-Service bereit. Im Sail Loft der Organisatoren flicken und optimieren die Fachleute der drei vertretenen Segelmachereien Quantum, North Sails und Doyle die Tücher in Rekordzeit. Zwölf 20-Fuss-Container dienen den Teams als mobile Werkstätten. Sie bilden ein technisches
Dorf, in dem die Logistik und das Ersatzteillager eine zentrale Rolle spielen. Nach den Regatten werden die Schürzen jeweils abmontiert, Boot und Mast in einen 40-Fuss-Container verla- den und zum nächsten Event transportiert. In Schweden wurden die zwölf Boote innerhalb einer Woche aufgeriggt. Das Lastenheft der Klasse garantiert den Eignern eine «schlüssel-fertige» Bereitstellung und eine reibungslose Organisation durch die Gaststädte. Marie-Hélène Polo, Miteigentümerin der Marina di Puntaldia auf Sardinien, war in Marstrand zu Besuch. Für private Jachthäfen, die nicht zwingend über alle technischen Infrastrukturen verfügen, sei die organisatorische Qualität des Events ebenso wichtig wie die der Boote und der Crews, erklärte sie. Die Saison 2025 umfasst fünf Acts. Sie sind sorgfältig auf die Regatten der TP52, Swan und des SailGP abgestimmt, damit Crewmitglieder, die in mehreren Regattaserien engagiert sind, kein Rennen verpassen.

DER ENDABRECHNUNG SIEBTE,
PUNKTGLEICH MIT DEN
SLOWENEN AUF CEREEF VAIDER. ©Nico Martinez
Seit 2005 wurden rund dreissig RC44 gebaut, weitere sind bestellt. 2017 hat die Klasse das aufwendige Match-Racing aufgegeben, seither werden nur noch Flottenregatten gesegelt. Die Dynamik dieser Owner-Driver-Klasse übertrifft mittlerweile vermutlich sogar die Erwartungen ihres Gründers Russell Coutts. Was aber macht die RC44 für Eigner und Steuermänner so attraktiv? Klassenpräsident Chris Bake hat dafür mehrere Erklärungen: «Die Leute erkennen die Vorteile einer starken Einheitsklasse. Zudem haben wir den Bau neuer Boote in Auftrag gegeben und können neue Eigner schnell integrieren. Dazu kommt die besondere Kameradschaft unter den Teams.» Die langfristig engagierten Eigentümer und die Teilnahme einiger der besten Segler der Welt machen die RC44 Championship Tour zu einer hochklassigen Serie. Eine Qualität, die Auch in Marstrand zu spüren war. Dort setzten sich am Ende die Favoriten durch. Team Nika des Bulgaren Vladimir Prosikhin gewann vor Aleph Racing mit Pietro Loro Piana (ITA) und Team Charisma mit Nico Poons (NED). Dicht dahinter folgte eine zweite Gruppe mit zwei schwedischen Teams, darunter die GeMera mit dem jungen Markus Törnqvist, der vom italienischen Taktiker Francesco Bruni unterstützt wurde. Class Manager Bertrand Favre bezeichnete die schwedische Woche als Erfolg. Nur ein Regattatag fiel dem starken Wind zum Opfer. Die Bilanz fiel rundum positiv aus und die Zukunft scheint vielversprechend: «Ich gehe davon aus, dass wir ohne Weiteres auf vierzehn Boote aufstocken können», so Favre. «Bei noch mehr Booten müssten wir uns Gedanken zur Logistik machen. Aber grundsätzlich ist alles bereit, um weitere Eigner aufzunehmen.»
