Fotos: ©Jacques-Henri Addor
„Touristes s’abstenir“, zu Deutsch: „Nichts für Touristen“. Der Slogan der Tour de Corse ist nicht vom Himmel gefallen, denn der Klassiker, der jedes Jahr mehr Boote und Segler anlockt, kann auf seinen 250 nonstopp gesegelten Seemeilen rund um Korsika so einige, zuweilen sehr unliebsame Überraschungen bereithalten. Meistens sind die Windbedingungen unberechenbar bis stürmisch und das Meer aufgewühlt.

Bei ihrer Premiere hiess sie noch Hivernale und startete nicht in Bonifacio, sondern in Porto Vecchio. Zwölf Boote mit insgesamt knapp sechzig Seglern waren damals gemeldet. Für die Umrundung Korsikas brauchten sie etwas mehr als 40 Stunden. Aus der Hivernale entstand die Bonifacio Classic (1998 und 1999), bevor sie im Jahr 2000 den Namen Tour de Corse annahm. Nach einer kurzen Phase als Zweihandrennen wurde sie schliesslich im Team ausgetragen. Ihr Ansehen stieg fortlaufend und auch die Teilnehmerzahl wuchs rasant. 2013 waren bereits 62 Boote mit 464 Personen am Start.

Bei der nach IRC-Rating gesegelten Regatta geht es darum, Korsika so schnell wie möglich zu umrunden. Obwohl sich die Rangliste nach berechneter Zeit richtet, ist ein Sieg nach gesegelter Zeit nicht zu verachten. Dabei steht auch der Tourrekord auf dem Spiel. Die 2011 von Spirit of Malouen VI/Paprec Recyclage (TP 52) aufgestellte Bestzeit von 30h15min18s hielt bis 2014. Danach wurde sie von der VOR 70’ SFS von Lionel Péan in den Schatten gestellt, der nur noch gerade 25h57min05s benötigte. Lionel Péan hatte übrigens bei seiner Rekordfahrt den Stadtpräsidenten von Bonifacio Jean-Charles Orsucci an Bord. Er war zwar nur Passagier, gehört seither aber zu den Rekordhaltern. Die Insel kannentweder im Uhrzeiger- oder im Gegenuhrzeigersinn umrundet werden. Welche der beiden Varianten zum Zug kommt, ist den Teilnehmern überlassen. Nach alter Tradition geben die Skipper am Mittwochabend vor dem Start bei der Floristin der Zitadelle gegenüber dem Café de la Poste ihre Stimme ab und treffen sich dort auch gleich zu einem Apero.
Jedes Jahr nehmen mehr Schweizer an der Tour teil. Ob dieser Boom daran liegt, dass die unberechenbaren und äusserst wechselhaften Verhältnisse an die drehenden Winde auf dem Genfersee erinnern, die ohne Vorwarnung von Flaute auf Stärke 6 oder 7 aufdrehen können?