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Tradition und Gemeinschaft

von Quentin Mayerat

Vor 40 Jahren ist sie in Vergessenheit geraten, 2009 zum 100-jährigen Jubiläum wurde sie neu belebt und jetzt kann sie bereits wieder ein kleines Jubiläum feiern: Die Bodenseewoche hat sich in den letzten fünf Jahren zu einem der grössten Wassersportanlässe zwischen Genua und Kiel entwickelt.

© Sabine Plathen / Julia Kopp

Zu verdanken ist dies dem Konstanzer Robert Hallmann, erfolgreicher Segler, aber auch hervorragender Organisator und Kommunikator mit Erfahrung im AC-Management. Ihm ist das Kunststück gelungen, 16 Wassersportvereine am Konstanzer Trichter in einen Event einzubinden, dessen Organisation überall lobende Anerkennung findet.

© Sabine Plathen / Julia Kopp

„Wir brauchen zwar für alles etwas länger, aber jeder ist bei uns involviert und hat das gleiche Mitspracherecht, egal ob es sich um einen grossen oder kleinen Verein handelt“, erklärt Hallmann. „Wir legen auch viel Wert auf eine gute Feedbackkultur. Sie schafft Vertrauen und bildet die Grundlage, um die Anliegen der Partner zu verstehen. Entstanden sind dabei internationale Freundschaften, man grüsst sich auf dem Wasser und ich glaube behaupten zu dürfen, dass die Rivalitäten zwischen Seglern, Motorbootfahrern und Ruderern schon viel kleiner geworden sind.“ Damit hat Hallmann das Hauptziel der Veranstaltung erreicht: Wassersportler präsentieren ihr Hobby, kommen untereinander und mit der Bevölkerung in Kontakt und tauschen sich aus.

Team Carondimonio mit der Gun (ganz links im Bild) im Wettkampffieber wie früher auf der Libera. © Sabine Plathen / Julia Kopp

 

Traditionen gepflegt

Die Bodenseewoche ist auch immer eine Vitrine für Raritäten. Im Konstanzer Hafen wurden den Besuchern Ende Mai während vier Tagen alte Dampf-, Motor-, Ruder- und natürlich Segelboote präsentiert. Wie Organisator Hallmann es schafft, dass sogar die Bodensee Schifffahrtsgesellschaft mehrere ihrer Anlegeplätze für den Anlass räumt und so im Hafen für über 100 Jachten Platz schafft, bleibt sein Geheimnis. Für ihn ist wichtig, dass alle Boote die vier Tage gemeinsam im selben Hafen stationiert bleiben, um die Nähe zueinander zu wahren. Einige klassische Segeljachten wie die 30er Schärenkreuzer, die 45er oder 75er Nationalen Kreuzer sind dabei so zahlreich vertreten, dass sie sogar eigene Regattafelder zustande bringen.

Gehörte auch zur Bodenseewoche: Qualifikationsregatta zum deutschen BMW-Sailingcup. © Sabine Plathen / Julia Kopp

 

Zum ersten Mal an der Bodenseewoche mit dabei war die Gun, ein fast hundertjähriger Schärenkreuzer aus massivem Mahagoni. Der 16 Meter lange 75er war von der Eignergemeinschaft Carondimonio im letzten Herbst von Helsinki nach Kreuzlingen überführt und dort liebevoll restauriert worden. Das gleiche Syndikat hatte in den 90er-Jahren mit der Libera Carondimonio zweimal die Bol d’Or und einmal die Rund Um gewonnen. Steuermann war damals Willi Sauter, der auch den Kauf und die Restaurierung der Gun vorantrieb. Er nennt es ein „Altherrenprojekt“ und sinniert über seinen Sinneswandel: „Wenn man sieht, mit welchem Tempo heute neue Bootstypen lanciert werden und ebenso schnell wieder vom Markt verschwinden, ist es doch sinnvoller, in etwas Traditionelles zu investieren. Zudem ist der Bodensee ein Eldorado für alte Holzboote.“

© Sabine Plathen / Julia Kopp

 

Harte Wettkämpfe

An den Regatten der Bodenseewoche kam das „Altherrenprojekt“ dann rasch in Fahrt. Als „Schnellster Schärenkreuzer“ und „Schnellste Jacht der offenen Klasse 1“ konnte die Gun gleich zwei Siege einheimsen. Und die Wettfahrten im Konstanzer Trichter waren keineswegs nur ein Schaulaufen unter Gentlemen. Es wurde hart gefightet und auch zwischen den wertvollen Holzbooten durchaus mal eine Kollision in Kauf genommen. Die Materialschäden am Sonntag waren dann aber dem starken Wind zuzuschreiben. In Böen wurden bis zu sieben Windstärken gemessen – zu viel für einige der betagteren Holzmasten.

 

Die Gun war übrigens nicht die einzige Schweizer Siegerin. Bei den Rennkatamaranen konnte Armin Schmid mit dem Team Sonnenkönig auf einer IMX 38 seinen letztjährigen Sieg wiederholen. Der gleichnamigen Farr400, diesmal mit Steuermann Daniel Scheerer, gelang dies in der ORC 1 Klasse aber nicht mehr, sie musste zwei deutschen Rivalen den Vortritt lassen.

Viel Wind gab es zur Abschlussregatta am Sonntag. © Sabine Plathen / Julia Kopp

 

Showmeile im Wandel

Während die Bodenseewoche im sportlichen Bereich wohl kaum mehr expandieren kann, sieht Robert Hallmann bei der Showmeile noch Potenzial für Wachstum und Veränderung: „Viele Unternehmer haben mittlerweile verstanden, worin der Sinn liegt, hierher zu kommen. Unser Event soll als Präsentationsplattform dienen. Man zeigt seinem Zielpublikum, dass man den Sport unterstützt und lädt es in ungezwungener Atmosphäre ohne den Stress einer Messe zu einem schönen Event ein. Es gibt schon Firmen, die dank dieser Plattform auf eigene Hausmessen verzichten, aber wir haben noch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.“ Ob es Hallmann gelingt, mit seinen Ideen viele weitere Unternehmen zu überzeugen, wird man Ende Mai 2014 in Konstanz sehen.

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