Das Volvo Ocean Race, bis zum Sponsorenwechsel von 1998 bekannt als Whitbread, war lange die einzige echte Hochseeregatta für Teams. Und es war auch DAS Rennen, das Pierre Fehlmann und den Schweizer Regatteuren zu Weltruhm verhalf. Der Segler aus Morges nahm zwischen 1977 und 1994 fünf Mal an der Weltumsegelung in Etappen teil und ermöglichte dabei mehreren Dutzend seiner Landsleute ihr Talent unter Beweis zu stellen. Auch Gabay, Tarbarly und Blake wurden durch die seit ihren Anfängen stark veränderte Regatta berühmt. Die ursprünglich für IOR-Jachten konzipierte Wettfahrt wird heute auf der nach einer Box Rule gebauten, kraftstrotzenden und schnellen VOR70 gesegelt.
Anders als die IMOCA-Jachten machen die VOR70 keine Kompromisse an den Komfort. Das Team hat einen klaren Auftrag: Es soll das Potenzial der Jacht bei allen Etappen zu 150 Prozent ausschöpfen. Die VOR70 gelten als übertrieben hart und sind nur etwas für hochrangige Profiteams.
Die Zeiten, in denen sich über zwanzig Jachten hinter der Startlinie aufreihten, ist aber endgültig vorbei. Trotz des hohen Niveaus können die Konkurrenten seit zehn Jahren an zwei Händen abgezählt werden. Das Volvo Ocean Race ist und bleibt eine teure Regatta, da helfen auch die Bemühungen nichts, die Kosten zu senken, zum Beispiel durch die Begrenzung auf ein Boot sowie die festgelegte Höchstzahl an Trainingstagen und Segelsätzen. Grosse Teams müssen um die 20 Millionen locker machen, um vorne mithalten zu können.
Das seit der Mitte der 90er-Jahre stark angelsächsisch geprägte Volvo Ocean Race heisst mit der Person von Franck Cammas endlich wieder einen französischen Konkurrenten willkommen. Vielleicht läutet seine Teilnahme ja eine neue Ära ein, denn die Regatta ist und bleibt schliesslich der Traum eines jeden Offshore-Seglers. Die Ende August bekannt gegebene Änderung des Etappenplans, der Streckenteile im Frachtschiff vorsieht, macht skeptisch. Die Situation vor dem afrikanischen Horn ist schon seit langem bekannt und hätte bei der Streckenwahl berücksichtigt werden sollen. Hoffen wir, dass diese bedauerliche Episode der legendären Regatta nicht allzu sehr schadet.
Liste der für das Volvo Ocean Race 2011-2012 gemeldeten Teams
Name : Groupama Sailing Team, Frankreich
Skipper : Franck Cammas
Teilnahme : 1.
Bootsdesigner : Juan Kouyoumdjian
Wichtigste Teammitglieder : Damian Foxall, Charles Caudrelier, Thomas Coville
Bemerkungen : Trotz der fehlenden Erfahrung des Skippers auf Einrümpfern ist das kosmopolitsche Team ein heisser Siegesanwärter. Mit dieser Teilnahme findet Frankreich zu einer Regatta zurück, der sie einen grossen Teil ihres Rufs als Hochseeregatta-Nation verdankt.
Name : Puma Ocean Racing powered by Berg Propulsion, USA
Skipper : Ken Read
Teilnahme : 2.
Bootsdesigner : Juan Kouyoumdjian
Wichtigste Teammitglieder : Brad Jackson, Tom Addis, Tony Mutter
Bemerkungen : Der erfahrene America’s-Cup-Segler Ken Read wurde am Volvo Ocean Race 2008-2009 Zweiter. Jetzt geht er auf einer von Kouyoumdjian gezeichneten werftneuen VOR70 an den Start. Das international besetzte Team trainiert seit Ende Mai 2011 und hegt grosse Ambitionen auf den Sieg.
Name : Team Telefonica, Spanien
Skipper : Iker Martinez
Teilnahme : 3.
Bootsdesigner : Juan Kouyoumdjian
Wichtigste Teammitglieder : Xabi Fernández, Pepe Ribes Rubio
Bemerkungen : Iker segelte das Volvo Ocean Race bereits 2005-2006 als Wachführer auf der Movistar und 2008-2009 als Co-Skipper auf der drittplatzierten Telefonica Blue. Der zweifache Olympiasieger und talentierte Regatteur kann zudem einen zweiten Platz am Barcelona World Race auf Tapfre vorweisen.
Name : Team Sanya, China
Skipper : Mike Sanderson
Teilnahme : 4.
Bootsdesigner : Farr Yacht Design, 2. Generation, ehemalige Telefonica Blue
Wichtigste Teammitglieder : Bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt. Das Team besteht aus einer Mehrheit englischsprachiger Segler und einigen Chinesen Vertretern.
Bemerkungen : Mike Sanderson, Sieger der Austragung 2005-2006 auf ABN Amro, ist ein alter Fuchs mit viel Hochseeerfahrung und zwei Withbread-Teilnahmen. Da das Projekt erst sehr spät aufgeschient wurde, blieb keine Zeit mehr für den Bau eines neuen Bootes. Das Team segelt deshalb auf einer Farr-Jacht der älteren Generation.
Name : Camper with Emirates Team New Zealand, Neuseeland
Skipper : Chris Nicholson
Teilnahme : 4.
Bootsdesigner : Marcelino Botin
Wichtigste Teammitglieder : Andrew McLean, Adam Minoprio, Will Oxley
Bemerkungen : Der grosse Favorit dieser Weltumsegelung. Das von Grant Dalton geleitete Projekt vereint die besten Regattasegler aus der südlichen Hemisphäre. Sie können alle entweder Volvo-Ocean-Race, Olympia- oder America’s-Cup-Erfahrung vorweisen.
Name : Abu Dhabi Ocean Racing Team, Vereinigte Arabische Emirate
Skipper : Ian Walker
Teilnahme : 2.
Designer : Farr Yacht Design
Wichtigste Teammitglieder : Adil Khalid, Julian Salter, Craig Satterthwaite
Bemerkungen : Ian Walker, Skipper der Green Dragon, die es bei der letzten Austragung auf Platz 5 schaffte, nennt zwei olympische Silbermedaillen auf dem Starboot und dem 470er sein eigen. Er segelt auf der einzigen Farr-Jacht der jüngsten Generation. Die Fachwelt wartet gespannt darauf, wie sie sich gegenüber den drei von Kouyoumdjian designten Booten schlagen wird.